Großauftrag für Esders GmbH Technik aus Haselünne erobert China


Haselünne. Die Esders GmbH aus Haselünne erwartet für das Jahr 2017 einen Umsatz von mehr als neun Millionen Euro. Mehr als 600000 Euro werden allein durch einen Großauftrag für eines der größten Energieunternehmen in China eingenommen.

In China ist das Haselünner Familienunternehmen, das mittlerweile mehr als 100 Mitarbeiter beschäftigt, tätig. Es wurde eine Zusammenarbeit mit einem Generalhändler in Peking aufgebaut. Die in ihn gesetzten Hoffnungen zerschlugen sich jedoch. „Von uns auch in Haselünne geschulte Mitarbeiter waren nach kurzer Zeit vor Ort in China nicht mehr für ihn tätig oder in andere Bereiche involviert, die Räumlichkeiten waren eine Katastrophe. Und zu allem Übel betrog uns der Händler auch noch“, berichtet der Geschäftsführer des Haselünner Unternehmens, Bernd Esders, im Gespräch mit unserer Redaktion.

Tochterunternehmen

Esders entschloss sich deshalb, ein Tochterunternehmen in der chinesischen Hauptstadt zu gründen. Die Niederlassung wurde 2011 gegründet. Sie umfasst neben einem Office eine Servicestelle für alle Reparaturen und Wartungen an Esders-Geräten. Der zuständige Ingenieur ist Chinese und hat in Deutschland ein entsprechendes Studium an der TU Freiburg absolviert.

Zeitaufwendige Angelegenheit

Zusätzlich wurde eine Buchhalterin angestellt. Sie kümmert sich um die Abwicklung aller Aufträge. „Das ist in China nicht so einfach, wie wir es in Deutschland gewohnt sind“, verweist Esders zum Beispiel auf die für die Rechnungslegung genutzte Software. „Es ist eine offizielle Software, die von einer Regierungsstelle installiert wird. Rechnungen dürfen nur auf vorgegebenem Papier gedruckt werden. Online-Überweisungen seien zudem nicht üblich. Alle Bankgeschäfte würden durch Besuche bei einem Geldinstitut abgewickelt. Das kann in der 20-Millionen-Stadt eine zeitaufwendige Angelegenheit sein. „In Peking braucht man oft mehr als zwei Stunden, um vom Anfang zum Ende der Stadt zu kommen“, weiß Esders aus Erfahrung von vielen Aufenthalten in der Hauptstadt der Volksrepublik China.

Der Aufbau eines Netzes von Händlern, die eng mit dem Haselünner Unternehmen vor Ort zusammenarbeiten, ist erfolgt. „Nur dadurch ist eine Betreuung in diesem riesigen Land möglich“, so Esders. Dieses Netz von ortskundigen Partnern sei auch deshalb notwendig, „weil die Sprache in den Provinzen starken Dialekten gleicht und sich nicht alle Chinesen sprachlich untereinander verständigen können.“ Die Schrift dagegen ist überall Mandarin und „eine schriftliche Verständigung in allen Landesteilen damit kein Problem“.

Arbeit trägt Früchte

Die Arbeit in China trägt jetzt Früchte. Nach mehr als zweijähriger Vorarbeit hat die Esders GmbH einen Großauftrag eines der größten Energieunternehmen in China mit einem Volumen von mehr als 600000 Euro an Land gezogen. „Es ist der größte, den unsere Firma jemals hatte“, freut ich Bernd Esders. Insgesamt sei die Marktposition in China so gestärkt worden, „dass wir unseren Umsatz dort um 80 Prozent steigern konnten“.

Bei dem Auftrag, den für das Haselünner Unternehmen Sohn Martin Esders leitet, geht es um sogenannte Gasmessgeräte, die der Lecksuche dienen. Mit ihrer Hilfe werden der Boden untersucht und für Energiekonzerne wichtige Hinweise geliefert, ob es sich um Faul- (Leck-) oder Erdgas handelt. Faulgas, auch je nach Vorkommen Sumpfgas, Kanalgas oder Klärgas genannt, ist ein Gemisch von zumeist brennbaren Gasen, das bei der anaeroben Gärung entsteht. Dabei werden biotische Stoffe unter Abwesenheit von Sauerstoff von Bakterien und Archaeen zersetzt, was typisch für Fäulnisprozesse ist.

Kennt Mentalität der Chinesen

Das Ergebnis mit einem erwarteten Plus von sechs bis zehn Prozent des Gesamtumsatzes möchte Esders konsolidieren. Dazu wird unter anderem ein weiterer chinesischer Ingenieur eingestellt. Von Deutschland aus wird die Niederlassung durch einen Mitarbeiter betreut, der Chinesisch spricht und als Vertriebsgebiet Asien betreut. „Da er mit einer Chinesin verheiratet ist, sind ihm Sitten und Gebräuche vertraut. Für den Vertrieb ist es sehr hilfreich, „dass er die Mentalität der Menschen kennt“, so der Geschäftsführer.

China sieht Esders als einen „der wichtigsten Zukunftsmärkte. Er bietet noch Potenzial.“ Durch kundenspezifische Lösungen mit chinesischer Software will sich das Haselünner Unternehmen von anderen Anbietern abgrenzen „und so unsere Position nachhaltig stärken“.

Niederländischer Markt

Die Firma Esders erobert aber nicht nur Asien. Die niederländische Tochter Esders B.V. besteht seit zehn Jahren und konnte jetzt einen neuen Standort in Tilburg einweihen. Mit vier Mitarbeitern betreut das Unternehmen den niederländischen Markt – und das sehr erfolgreich. „Wir haben uns dort einen Namen gemacht“, freut sich Bernd Esders. „Alle niederländischen Gasversorgungsunternehmen gehören zu unseren Stammkunden.“

Ansässig im Industriegebiet von Tilburg, befindet sich das firmeneigene Gebäude in unmittelbarer Nähe der Autobahn 58 und ist für Kunden gut zu erreichen und angebunden. Es bietet mit 240 Quadratmetern ausreichend Platz, um Kunden zu empfangen und Schulungen und Seminare anzubieten. Geplant ist zudem, ähnlich wie im Stammwerk Haselünne im Außenbereich Leitungen zu verlegen, um Schulungen praxisnah realisieren zu können.


Messgeräte, Software und Systemlösungen

Die Esders GmbH Haselünne ist Hersteller und Anbieter von Messgeräten, Software und Systemlösungen für den Gas-, Wasser- und Biogasbereich. Spezialisiert hat sich das Familienunternehmen in den vergangenen 25 Jahren auf die Gebiete Gasspür- und Gasmesstechnik sowie Wasserleckortung. Weitere Schwerpunkte bilden Druckmesstechnik und Prüfsysteme für Gasmess- und Gaswarngeräte.

Mit seinen Produkten liefert das Unternehmen die Basis für sichere Rohrleitungen und damit für die Schonung von Ressourcen. Die Esders GmbH fertigt in Deutschland und ist nach ISO 9001 sowie ATEX 2014/34/EU zertifiziert. Zu den Kunden gehören Energieversorgungsunternehmen ebenso wie Dienstleistungs- und Handwerksbetriebe der Gas- und Wasserwirtschaft. Das Unternehmen wurde 1989 gegründet und beschäftigt mehr als 100 Mitarbeiter, davon 90 am Hauptsitz in Haselünne. Zusätzlich hat Esders Vertriebsniederlassungen in China, den Niederlanden und Polen. cw

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