Brennmeister über die Schulter geschaut Wie aus Korn in Haselünne Korn wird

Von Harry de Winter


Haselünne. Seit Ende August wird in Haselünne bei Berentzen wieder Korn gebrannt. Unsere Redaktion hat einen Blick in die Destille geworfen und dem Brennmeister über die Schulter geschaut.

Brennmeister Andreas Büdenbender ist seit Anfang 2017 bei Berentzen an Bord. Der 42-Jährige kommt eigentlich aus Mainz, wurde aber vom Haselünner Unternehmen überzeugt, ins Emsland zu kommen, um hier Korn zu brennen. Nun steht er von montags bis freitags an der Destille und brennt den Korn2Korn, ein, wie Berentzen sagt, hochqualitativer Doppelkorn.

Schluss mit Brennen

„Als 2008 Schluss war mit dem eigenen Brennen von Korn bei Berentzen in Haselünne, war das für den Betrieb ein großer Identitätsverlust“, sagt Büdenbender. „Seit dem wurden immer wieder Stimmen laut, wieder ein eigenes Produkt auf den Markt zu bringen. 2016 trat dann Berentzen an mich heran, da sie mich als Brennmeister haben wollten. Nachdem wir einige Gespräche geführt hatten und mir klar wurde, auf welches Produkt es hinauslaufen sollte, war ich überzeugt und habe zugesagt.“

Alles glänzt und spiegelt sich

Die neue Destille ist der ganze Stolz von Büdenbender. Beim Blick auf die Einzelanfertigung wird klar, warum er es in Kauf nimmt, jede Woche die rund 400 Kilometer von Mainz nach Haselünne zu pendeln. Im hochglanzpolierten Kupfer und Edelstahl spiegelt sich der gesamte Raum wider. „Das ist schon eine ganz besondere Destille“, erklärt der Brennmeister. „Es macht wirklich Spaß mit ihr zu brennen.“

Wissen und Arbeit

Doch bis am Ende aus der Destille der gewünschte Doppelkorn fließt, braucht es einiges an Arbeit und vor allem Wissen. Als erster Arbeitsschritt für den Doppelkorn steht das Maischen für Büdenbender auf dem Plan. Hierbei wird geschroteter Weizen, Roggen und Gerste in einem Maischebottich mit Wasser auf 75 Grad Celsius erhitzt. Danach folgt die Rast, bei der das Gemisch auf 60 Grad herunter kühlt. Anschließend wird Malz hinzugegeben für die Verzuckerung. Im letzten Schritt wird Hefe zur Vergärung hinzugegeben. Danach ruht das Ganze für rund 72 Stunden bei 25 Grad im Maischebottich. Nach Ablauf der Zeit hat die Maische einen Alkoholanteil von sieben bis neun Prozent.

Es brodelt und kocht

Jetzt folgt der Schritt, dass die Maische in die Brennblase gepumpt wird. Gut 1800 Liter passen in Büdenbenders Destille. Nun wird das Gemisch unter ständigem Rühren gleichmäßig mit Wasserdampf auf bis zu 99 Grad erhitzt. „Hier muss ich drauf achten, dass alles wirklich gleichmäßig erwärmt wird. So kann ich das unerwünschte Methanol vorher abfangen, da dieser eher als das Ethanol verdampft“, sagt der Brennmeister. Mittlerweile brodelt und kocht es in der Destille. Der Destillationsvorgang ist deutlich zu sehen und zu hören. Langsam steigt der Dampf in den beiden Kolonnen auf und kondensiert auf den Glockenböden. Insgesamt wird der Alkoholgehalt dort zehn mal verstärkt, sodass am Ende aus dem Kühler eine Flüssigkeit mit 89 Prozent fließt und gesammelt wird.

„Ich stehe mit meinem Namen für dieses Produkt“

Als Nächstes wird der Alkohol verschnitten. Unter der Zugabe von Wasser wird der Alkoholgehalt auf 38 Prozent verdünnt. „Nun darf sich der Brand Doppelkorn nennen“, erklärt der 42-Jährige. „Unter 38 Prozent Alkohol würde er nur Korn heißen.“ Als letzter Schritt erfolgt die Abfüllung. Rund 450 Flaschen mit 0,7 Liter Inhalt können aus einem Brennvorgang gewonnen werden. Anschließend unterschreibt Büdenbender jede Flasche einzeln. „Ich stehe mit meinem Namen für dieses Produkt“, so der Brennmeister. „Neben meiner Unterschrift ist jede Flasche Korn2Korn mit einer fortlaufenden Nummer versehen. Dies soll noch einmal die Wertigkeit unterstreichen, da der Doppelkorn in echter Handarbeit von mir hergestellt wird. Außerdem werden nur hochwertigste Zutaten verwendet. Das Getreide ist aus biologischem Anbau und das Wasser aus der eigenen Sankt Ansgari-Quelle.“

Cola-Korn ist eine Sünde

Das es in der Region Emsland üblich ist, Korn mit Cola zu mischen, ist für Büdenbender eine kleine Sünde. „Der Korn2Korn ist ein Premiumprodukt. Er sollte pur und auf Zimmertemperatur getrunken werden. Es wäre einfach zu Schade so einen Schnaps mit einem anderen Getränk zu mischen. Dafür gibt es Spirituosen, die dafür besser geeignet sind.“