Erinnerung an Mater Maria Ignatia Breme Haselünner Ordensfrau mit überragendem Intellekt

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Haselünne. Eine Bronzetafel auf dem Haselünner Friedhof mit den Namen von Ordensschwestern, die zum Ursulinenkloster in Haselünne gehörten, erinnert auch an Mater Maria Ignatia Breme.

Ihre leibliche Schwester Mater Theresia Josefa Breme (1873-1954) ist ebenfalls erwähnt. Eine weitere nicht genannte leibliche Schwester von Mater Ignatia: Mater Josefa Agnes Breme (1885-1964) wurde zwar ebenfalls in Haselünne Ordensschwester, lehrte aber in Danzig und nach dem Krieg in Wipperfürth.

Kulturkampf

Mater Ignatia wurde am 28. Dezember 1876 in Rhede (Westfalen) geboren. Sie war von 1917 bis 1923 Oberin im Haselünner Ursulinenkloster und viele Jahre Lehrerin an der dortigen „Mädchenschule“. Ein Gebäudetrakt der alten Schule ist heute noch vorhanden. Während des „Kulturkampfes“ wurde die „Mädchenschule“ in Haselünne im Jahr 1873 geschlossen. Die Schließung des Klosters folgte im Jahr 1875. 1888 jedoch konnten die Schwestern nach Haselünne zurückkehren und Anfang 1889 den Lehrbetrieb wieder aufnehmen.

Nach den „Bestimmungen über die Neuordnung des höheren Mädchenschulwesens vom 18. August und 12. Dezember 1908“ wurde die Schule in Haselünne mit Erlass vom 5. April 1909 als „höhere Lehranstalt für die weibliche Jugend“ anerkannt.

Schule nun Lyzeum

Die Schule durfte sich nun Lyzeum nennen. An der Haselünner Schule konnten Mädchen fortan das Abitur ablegen. 1927 wurde die Reifeprüfung erstmals in Haselünne abgehalten. Bis 1932 haben 155 Mädchen diese Prüfung abgelegt. Die Schwestern, die eine Lehrbefähigung erhalten wollten, mussten ein Hochschulstudium absolvieren. Bereits im Jahr 1903 begannen Ordensschwestern aus Haselünne mit dem Studium an der Universität Münster.

Im Alter von 34 Jahren war Mater Maria Ignatia Breme Mitautorin eines bekannten und deutschlandweit anerkannten Lehrbuches: „Deutsches Lesebuch für höhere Mädchenschulen“. Das Titelblatt dieser Ausgabe aus dem Jahr 1910 weist sie, neben vier weiteren Autorinnen anderer Schulen, als „Oberlehrerin an der höheren Mädchenschule in Haselünne (Hannover)“ aus. Ihre in der Folgezeit offensichtlich erkennbare Leidenschaft zu schreiben und zu veröffentlichen, korrespondierte mit der Anfang des 19. Jahrhunderts zunehmenden Wahrnehmung und Anerkennung von Frauen als Herausgeberinnen.

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Mit der berühmten norwegischen Literatur-Nobelpreisträgerin Sigrid Undset führte Mater Ignatia über viele Jahre einen regen Gedankenaustausch. Sigrid Undset konvertierte 1924 zum katholischen Glauben. Norwegen ehrt sie mit einer Abbildung auf dem 500-Kronen-Schein (etwa 52 Euro). Einige handschriftliche Briefe von Sigrid Undset (in deutscher Sprache) an Mater Ignatia sind erhalten geblieben und lassen eine enge persönliche Beziehung der Nobelpreisträgerin zu der Haselünner Ordensfrau erkennen.

Wechsel nach Berlin

1923 ging Mater Ignatia nach Berlin und war hier von 1925 bis 1929 in der „apostolischen Nuntiatur“ als Sekretärin von Nuntius Eugenio Pacelli, dem späteren Papst Pius XII, tätig. Im Jahr 1929 wurde Eugenio Pacelli aus Deutschland abberufen. Vermutlich in diesem Jahr kehrte Mater Ignatia Breme nach Haselünne zurück. Während der NS-Zeit setzte Mater Ignatia dem menschenverachtenden Terrorregime ihre literarische Schaffenskraft entgegen. Insbesondere in den 1930-iger Jahren war sie als Herausgeberin und auch als Übersetzerin von englischen und norwegischen Texten tätig (zum Beispiel mit der Übersetzung des norwegischen Buches „Die heilige Angela Merici“ von Sigrid Undset aus dem Jahr 1933).

Mater Ignatia starb nach einer schweren Operation am 8. Juli 1936 im Maria-Viktoria Krankenhaus in Berlin.


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