Thema der Woche: Das Drama der Sucht Alltag ohne Suchtmittel bewältigen – Klinik in Haselünne hilft

Von Carola Alge, 25.06.2017, 14:30 Uhr
Intensive Gespräche sind bei einer Suchttherapie wichtig. Unser Bild zeigt Chefärztin Stefanie Houchangnia mit einem Patienten. Foto: Carola Alge

Haselünne. Drogen, Alkohol, Glücksspiel, Sex, Arbeit, Internet– Süchte sind vielfältig und können jeden zu jeder Zeit treffen. Für Betroffene ist es wichtig, professionelle Hilfe zu finden. Die Hase-Ems-Klinik in Haselünne bietet sie. In unserem Thema der Woche lassen wir Betroffene und Mitarbeiter der Einrichtung zu Wort kommen, zeigen Therapieansätze auf.

Die 2015 eingeweihte Fachklinik Hase-Ems in Haselünne entstand vor zwei Jahren aus den Vorgängereinrichtungen Fachklinik Holte-Lastrup (Schwerpunkt Alkoholabhängigkeit) und Fachklinik Emsland in Sögel (Schwerpunkt Drogenabhängigkeit). Sie wurden in die neue Einrichtung überführt, die nach einem neuen suchtstoffübergreifenden Konzept arbeitet. Hier werden nicht nur Alkohol- oder Drogenabhängige, sondern auch Medikamenten-, Medien- und Spielsüchtige behandelt. Oft sind Patienten mehrfach abhängig. „Den Alkohol-, Drogenabhängigen oder Spieler schlechthin gibt es immer seltener. Zunehmend mehr Menschen sind mehrfach süchtig. Manche Betroffene trinken und nehmen Drogen oder spielen und haben eine sogenannte stoffgebundene Sucht. Oft wird ihnen das erst während der Therapie bewusst, da sie sich bisher auf ihre ‚Hauptsucht‘ fokussiert haben“, erläutert Klinikmanagerin Claudia Westermann. Um diesen Patienten zu helfen, werden sie integriert, behandelt. Bedeutet: Die Gruppentherapie erfolgt suchtübergreifend.

Netzwerk

Die Fachklinik Hase-Ems ist in Trägerschaft der Caritas Reha und Teilhabe GmbH, eine Gesellschaft des Caritasverbandes für die Diözese Osnabrück. Sie ist damit Teil eines großen Suchthilfeverbundes in Nordwestdeutschland, der in ein Netzwerk aus Fachambulanzen und stationären Suchthilfeeinrichtungen eingebettet ist. 69 Erkrankte finden in der Fachklinik Platz. 60 Rehabilitanden können stationär aufgenommen werden, sechs Personen werden ganztägig ambulant in der Tagesklinik betreut, drei Plätze befinden sich in der Adaption, die Rehabilitanden nach dem stationären Aufenthalt die Chance bietet, sich Schritt für Schritt an ein Leben außerhalb der Klinik zu gewöhnen. Der aus mehreren zweigeschossigen Gebäuden bestehende Komplex gegenüber dem Hallenbad ist 5200 Quadratmeter groß. Er ist aufgeteilt in drei Bereiche für Bewohnergruppen sowie Gebäude für Therapie und Verwaltung.

„Wir sind eine Fachklinik, in der Abhängigkeitserkrankte lernen, das Leben im Alltag ohne Suchtmittel zu bewältigen“, betont Chefärztin Dr. Stefanie Houchangnia. „Wichtig ist die Erkenntnis, dass es sich bei einer Sucht um eine chronische Erkrankung handelt, ähnlich einem Diabetes oder einer Arthrose. Eine Heilung im Sinne von ,nicht mehr vorhanden‘ ist nicht möglich – wohl aber, mit der Krankheit zu leben.“

In Absprache

Eine Suchterkrankung geht häufig mit anderen Erkrankungen einher. Im psychiatrischen Bereich sind dies insbesondere Burn-out, Traumaerkrankungen, Depressionen und Persönlichkeitsstörungen. Körperliche Begleiterkrankungen entstehen oft durch das Suchtmittel, aber auch durch den ungesunden Lebensstil, den Abhängigkeit mit bedingt. Aus diesem Grund werden neben der suchtbezogenen Einzel- und Gruppentherapie diverse krankheitsspezifische Programme angeboten, zum Beispiel medizinische Vorträge, Indikationsgruppen Depression und Angst. Medikamente werden bei entsprechender Diagnose in Absprache mit den Patienten verordnet. Abgerundet wird das Gesundheitsprogramm durch die Ernährungsberatung und die Lehrküche.

Psycho- und Sozialtherapie

In der Psycho- und Sozialtherapie setzen sich die Rehabilitanden in Einzel- und Gruppengesprächen mit ihrer Abhängigkeit und persönlichen Themen auseinander. „Sie trainieren soziale und emotionale Kompetenzen, beschäftigen sich mit Stressbewältigung, Aggressionen oder der Rückfallgefahr“, erläutert Westermann. Bei der Zuordnung zu den Bezugs- und Wohngruppen in der Klinik wird darauf geachtet, dass sich der Betroffene in seiner Gruppe aufgehoben fühlt. Genauso wichtig ist ein umfangreiches Sportprogramm, das neben Erhöhung der körperlichen Fitness die Freude an Bewegung und Gemeinschaft wiederentdecken lässt.

Viele Rehabilitanden haben Defizite im Arbeits- und Freizeitverhalten. Entsprechend sind die Konzepte der Ergo- und Arbeitstherapie auf die Integration ins Arbeitsleben und auf die Gestaltung der Freizeit und des sozialen Umfeldes abgestimmt. Neben Computerkursen und Ergotherapie werden die Indikationsgruppen Bewerbungstraining und „Umgang mit Arbeitslosigkeit“ angeboten. In Rollenspielen werden Bewerbungsgespräche geübt. Mit Blick auf eine berufliche Neuorientierung arbeitet die Fachklinik Hase-Ems für Praktika der Patienten mit zahlreichen örtlichen Firmen gut zusammen.

Ziele einer Rehabilitation

Um die Ziele einer Rehabilitation zu erreichen, ist ein aus verschiedenen Berufsgruppen bestehendes Behandlungsteam, das im ständigen Austausch seht, unverzichtbar. Es besteht aus Ärzten, Pflegekräften, Psychologen, Sozialpädagogen, Sozialarbeitern, Ergo- und Arbeitstherapeuten, Bewegungs- und Gestalttherapeuten. Zusätzlich ist eine suchtspezifische Ausbildung notwendig. In gemeinsamen interdisziplinären Therapiezielkonferenzen werden dann im Laufe der Behandlung die Behandlungsziele festgelegt und überprüft.

Stationäre Entgiftung

Voraussetzung für die Aufnahme in die Fachklinik Hase-Ems sind Suchtmittelfreiheit und eine gewisse Stabilität. Meistens geht der Rehabilitationsbehandlung eine stationäre Entgiftung voraus. In der Regel findet die Entgiftung in einer psychiatrischen Einrichtung, einer Akutklinik, statt. Diese Behandlung ist abgeschlossen, sobald die Substanz im Körper nicht mehr nachweisbar ist, und die Rehabilitation kann beginnen.

Wie sehr Sucht aus der Bahn werfen kann, davon berichteten zwei Patienten der neuen Einrichtung in Gesprächsrunden. Die Therapie tue ihnen gut und zeige bereits deutliche Erfolge, sagten ein Kokainabhängiger und eine Alkoholsüchtige. „Zu Beginn der Reha vor sieben Wochen hätte ich so nicht vor ihnen stehen und reden können“, sagten sie bei der Einweihung der Klinik 2015.

Die 2015 eingeweihte

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