Das Emsland vor 100 Jahren und heute Baumeister Biber und das Lahrer Moor

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Haselünne. Das Lahrer Moor war einst eine Schatzkammer für seltene Pflanzen. Der Münsteraner Fotograf Hermann Reichling hat es etwa im Jahr 1926 fotografiert. Ein Vergleich mit dem heutigen Zustand zeigt große Veränderungen in den vergangenen Jahrzehnten.

Denn das Lahrer Moor hatte seinen ursprünglichen Charakter für viele Jahrzehnte verloren – erst die Rückkehr der Biber brachte eine erneute Wende. Aber der Reihe nach.

Das Lahrer Moor war auf Grundlage des damaligen Forst- und Polizeigesetzes bereits 1926 zum Schutzgebiet erklärt worden. Denn bei dem 21 Hektar großen Gebiet handelte es sich um eines der einst nicht seltenen Niedermoore der Region. Im Gegensatz zu Hochmooren wachsen sie nicht durch Torfmoose in die Höhe, sondern sie bilden sich in Senken. Die Pflanzenwelt hier unterscheidet sich auch deshalb deutlich von der eines Hochmoores und genau das wollte man schon vor gut 100 Jahren für die Nachwelt bewahren.

Auch das Foto Hermann Reichlings stammt aus dieser Zeit. Es zeigt eine Situation aus dem Juni 1926. Das Gewässer ist noch an einigen Stellen offen, große Herden von Krebsschere und Seerosen beherrschen die Wasser- und Verlandungszonen. Bäume sind im Gewässer noch nicht überlebensfähig und fehlen. Einst stand dieser damals zwei bis drei Meter tiefe See mit der Nordradde in Verbindung. Im August 1937 wurde das Gebiet nach dem damals neuen Naturschutzgesetz mit einer neuen Verordnung versehen.

Ursprünglich wurde mit 150 Mark Strafe oder sogar Haft bedroht, wer das Gebiet schädigte. Das änderte jedoch nichts daran, dass dies dennoch geschah, nämlich durch das Absenken des Grundwasserspiegels hier wie in weiten Teilen des Emslandes sowie durch den Bau von Entwässerungsgräben. Was der notwendigen Landwirtschaft diente, ließ das Lahrer Moor weitgehend trockenfallen. Die seltenen Pflanzen verschwanden, ein Birken- und Erlenwald wuchs auf.

Dann aber kehrte seit Anfang der 1990er Jahre ein Baumeister mit großer Kelle ins Emsland zurück. Der Biber besiedelte von der Hase ausgehend irgendwann auch das Lahrer Moor, staute die passenden Gräben an und sorgte im Alleingang – und nicht von jedem begrüßt – für einen steigenden Wasserstand.

Der wiederum hat einen Teil der Bäume absterben lassen und gibt dem Niedermoor langsam und auch nur in Teilen seinen ursprünglichen Charakter zurück. Heute besteht das Gebiet aus alten Torfstichen, siechendem Erlenbruchwald, Weidengebüschen und Röhrichten in Verlandungsbereichen.


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