Vortrag mit Medienexperten Haselünne: Eltern beim Thema Internet oft überfordert

In Workshops näherten sich die Haselünner Schüler des Themas Internet. Foto: Kreisgymnasium  HaselünneIn Workshops näherten sich die Haselünner Schüler des Themas Internet. Foto: Kreisgymnasium Haselünne

Haselünne. „Kinder und Jugendliche erleben ihre Eltern oft als überfordert, wenn es um die Nutzung des Internets und der vielen Online-Foren geht“, sagt Ralf Willius, Erzieher und Sozialpädagoge sowie Gründungsmitglied von Smi)ley e.V bei einem Informationsabend in Haselünne. Andererseits benötigten Kinder oft weniger Ansagen zum „Ob“ als mehr zum „Wie“ der Nutzung, um dabei flexibel, aber verantwortungsbewusst zu bleiben“,

Der Verein niedersächsischer Bildungsinitiativen und Smi)ley e.V. schulte in Haselünne Eltern und Lehrer des Kreisgymnasiums St. Ursula und der Bödiker Oberschule. „Ich darf nie chatten. Meine Eltern denken immer, dass ich mit Fremden chatten will, dabei mach ich das doch nur mit meinen Freunden“, so Max aus der sechsten Klasse in einem der Workshops zum Umgang mit den social medias. Auf die Frage des Referenten, woran er denn seine Freunde erkenne, antwortete Max: „Naja, wenn sie so heißen und ihr Profilbild zeigen, werden sie es doch sein.“ Lilly aus der Klasse 8 unterbrach ihren Mitschüler besorgt: „Das kann ja trotzdem jeder sein. Du musst in der Schule noch mal nachfragen, ob das wirklich dein Freund ist, dann erst kannst du sicher sein.“ Dialoge wie diese seien nicht selten im schulischen Alltag und sie sprechen eine deutliche Sprache.

Votragsabend für Eltern

Beim Vortragsabend für Eltern und Lehrer in Haselünne stimmte der 37-Jährige, der selbst Vater von zwei Kinder ist, die Zuhörenden nachdenklich. In einer gelungenen Mischung aus Information über die Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen sowie seinen konkreten Erfahrungen in und aus den Workshops machte er deutlich, was für Kinder und Jugendliche häufig zunächst wichtiger ist als Schule: Es sind Freunde, Gruppenzugehörigkeit, die Akzeptanz der eigenen Person, das Erleben von Abenteuern und nicht zuletzt die Bestätigung für ein eigenes Selbstwertgefühl.

Beziehung zu den Eltern

„Das dürfen wir“, so Willius nachdrücklich, „im Kontext der sozialen Kontakte unserer Kinder nicht vergessen. Als Rahmen aller medialen Wege muss für sie eine echte Beziehung, gerade mit den Eltern, unbedingt erfahrbar bleiben. Dafür brauchen sie Zeit und Zuwendung.“ Erst, wenn Eltern neue Medien nicht per se verteufeln, sondern eigene Kenntnisse dazu haben und zugleich erreichbare Bezugspersonen bleiben, so der pädagogische Referent, sei es auch mit Nachdruck möglich, ein begründetes und nachvollziehbares „Nein“ z. B. zu Spielen im Internet zu vertreten.

Verständnis für Privatsphäre

Einen weiteren Schwerpunkt legte Willius auf die Verdeutlichung des Verständnisses von Privatsphäre, ein Begriff, von dem Kinder oft keine Vorstellung besäßen. Teil des Projektprogramms mit den Schülern aller Klassen sechs und sieben waren der Austausch über das eigene Medienverhalten im Alltag. Besonders die Nutzung von WhatsApp oder Youtube-Kanälen zum Einstellen eigener Filme war ein zentrales Thema. Durch Kärtchen im Kreis, von denen sich jeder eine Aussage nahm und erläuterte, wurde klar, dass das Thema des eigenen Benehmens ein zentrales ist. Schüler äußerten sich dazu, dass man eigentlich mit Nachrichten nicht verletzen wolle, aber man diese nicht zurücknehmen kann, wenn sie falsch verstanden werden, da eine Reaktion „Auge in Auge“ nicht da ist. Auch Ironie sei über schriftliche Kurznachrichten kaum zu erkennen – da nütze das Schicken eines grinsenden Smileys für: „Hab ich doch nicht so gemeint“ auch nichts mehr.

Gesunde Persönlichkeiten

Die Schulleiter beider Schulen waren sich mit den Hauptreferenten einig: „In zehn Jahren werden wir in den Schulen diese Veranstaltungen voraussichtlich nicht mehr benötigen, da dann die Eltern der kommenden Generationen bereits selbst mit diesen medialen Wegen aufgewachsen sind, Kenntnisse haben und über Wege des Selbstschutzes Bescheid wissen.“ Vielleicht gebe es dann stattdessen das Fach „Medienkompetenz“. Was aber auch zukünftig einen bleibenden Bedarf darstellen werde, sei die Beziehungspflege. „Jede gesunde Persönlichkeit basiert auf stabilen Beziehungen. Diese gilt es zu pflegen und zwischen Schulen und Elternhaus im Schulterschluss miteinander zu gestalten“, so Heidi Hilken, stellvertretende Schulleiterin des KGH.


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