Serie „Mein Job und ich“ Berentzen-Brennmeister aus Haselünne beweist guten Riecher

Von Carola Alge


Haselünne. Brenn- und Destillateurmeister haben, denkt man, einen Traumberuf: Sie sitzen an der Alkohol-Quelle, dürfen ständig Hochprozentiges probieren. Andreas Büdenbender übt diesen Beruf aus. Im Interview erzählt er unter anderem über die Faszination des Brennens, Vorurteile und eine von Alkoholduft begleitete Fahrt im Krankenwagen.

Herr Büdenbender, Sie üben einen in unserer Region seltenen Beruf aus. Wie kamen Sie dazu?

Ich habe Brauwesen und Getränketechnik studiert und danach als Braumeister eine Zeit lang gearbeitet. Als sich mir die Chance bot, Produktionsleiter einer Brennerei zu werden, habe ich diese ergriffen. In dieser Zeit habe ich viel über die besondere Handwerkskunst des Brennmeisters und die Herstellung feinster Premiumspirituosen gelernt. Besonders angetan war ich vom Destillieren des Korns, Kräutern und Gewürzen sowie verschiedener Obst- und Gemüsesorten. Was man an Geschmack und Aromen aus diesen Produkten gewinnen konnte, war ein großer Anreiz für mich, immer wieder neue Ideen auszuprobieren und zu experimentieren. Ich habe in meiner Laufbahn viel von erfahrenen Lehrmeistern lernen können. Außerdem habe ich in meiner beruflichen Entwicklung viele Freiheiten bekommen, sodass sich ein besonderes Know-how im Laufe der Zeit ansammeln konnte.

Haben Sie schon als Kind/Jugendlicher gern experimentiert?

Eigentlich gar nicht. Ich war viel draußen in der Natur. Mit Chemie- und/oder Physikbaukasten hatte ich nichts am Hut. Diese Verbundenheit zur Natur schätze ich auch heute noch bei meiner Arbeit mit außergewöhnlich guten Rohstoffen.

Welche Voraussetzungen sind für Ihren Beruf erforderlich – außer einer guten Nase?

Man muss sich schon von vorne herein mit seinem Produkt identifizieren. Die Auseinandersetzung mit dem Produkt, beginnend bei der Auswahl der Rohstoffe über die Weiterverarbeitung bis hin zur sanften schonenden Destillation muss mit viel Liebe und Leidenschaft geschehen. Man braucht ein besonderes Fingerspitzengefühl im Umgang mit der Destillationsanlage. Das Spiel mit den Temperaturen im Destillationsverlauf macht oft den entscheidenden Unterschied aus. Viel Idealismus, ausgeprägte sensorische Fähigkeiten und natürlich große Experimentierfreudigkeit runden das Profil eines Brennmeisters ab. Für mich persönlich ist es wichtig, immer nach der bestmöglichen Qualität zu streben. Daher passt es eben auch so gut, nun eine Premium-Manufaktur für Berentzen aufbauen zu können.

Außenstehende könnten vermuten, dass Sie in einer Art Schlaraffenland arbeiten, dass Sie den ganzen Tag über an Hochprozentigem nippen?

Natürlich muss verkostet/probiert werden, um die Qualität zu überprüfen. Allerdings werden tatsächlich nur kleinste Mengen genippt, und ausgespuckt werden darf selbstverständlich auch.

Apropos nippen: Was entscheidet einen guten von einem schlechten Korn?

Gut oder schlecht ist Geschmackssache. Es gibt seit 1909 ein Reinheitsgebot für Korn, und auch die europäische Spirituosenverordnung lässt nur bestimmte Rohstoffe beim Korn zu. Die Wertigkeit beim Korn ist vielleicht zu unterscheiden. Ich verwende hier in der Berentzen-Hof-Destillerie nur ausgesuchte regionale Bio-Produkte, das unbehandelte besonders weiche Wasser aus unserer St.-Ansgari-Quelle, und auch die kleinen Chargen und die Destillationsabläufe unterscheiden sich stark vom Massenprodukt Korn im Supermarkt.

Als Brennmeister sind Sie eine Art Geheimnisträger, kennen alte Rezepte und Brenngeheimnisse ...

Das genau macht den Beruf ja so einzigartig und spannend. Aber mehr verrate ich nicht ...

Haben Sie privat mal an einer eigenen Rezeptur getüftelt?

Nein. Der Job bringt so viele Möglichkeiten mit sich, dass ich das nicht brauche. Natürlich probiere ich mich in meiner Tätigkeit als Brennmeister und Destillateur auch an neuen Rezepturen. In der Regel werden diese Rezepte dann in einem größeren Gremium getestet, bevor diese auf den Markt gehen. Privat tüftel ich lieber an Kochrezepten. Das finde ich auch ganz spannend, und da hat die ganze Familie was davon.

Wenn Sie privat bei Feiern alkoholische Getränke zu sich nehmen: Können Sie die genießen, ohne über deren Zusammensetzung und Machart nachzudenken?

Nein. Das liegt aber mehr daran, dass ich meist zu den Produkten befragt werde bzw. auch oft meine sensorischen Eindrücke wiedergeben soll. Auch bei Restaurantbesuchen suche ich mir meist die ausgefallensten Destillate zum Probieren aus, einfach um zu schauen, was die „Konkurrenz“ so bietet.

Der Beruf des Brennmeisters ist umfangreich. Sie planen, steuern und überwachen die Arbeitsprozesse, stellen die Qualität der Produkte sicher. Welcher Bereich Ihrer Arbeit fasziniert besonders?

Der Moment, wenn das Destillat die Kolonne verlässt. Wenn dann der Vorlauf abgetrennt ist und der erste trinkbare Liter die Messuhr verlassen hat, kommt die entscheidende Frage: Schmeckt’s oder schmeckt’s nicht?

Sie gehen gerade auch mit regionaltypischen Rohstoffen um. Wie nachhaltig wird produziert?

Nachhaltigkeit halte ich für enorm wichtig. Wir müssen versuchen, unseren Kindern und Kindeskindern eine geeignete Basis für ihre Zukunft zu ermöglichen. Bei Berentzen versuchen wir, alle Rohstoffe aus der Region zu beziehen und haben auch die Energierückgewinnung beim Bau der neuen Destille berücksichtigt. Das beim Destillieren anfallende Kühlwasser (ca. 80°C) wird zum Aufheizen des Maischbottichs benutzt. Darüber hinaus hat die Berentzen -Gruppe insgesamt viele neue Initiativen im Bereich Nachhaltigkeit gestartet.

Gibt es Nachwuchsprobleme in der Branche?

Ich habe 2014 noch eine Weiterbildung zum Destillateurmeister abgeschlossen. Wir waren gerade mal zehn Absolventen. Dieses Jahr findet wieder ein Meisterkurs statt, wo aber auch nicht viel mehr Teilnehmer zu verzeichnen sind. Gesucht wird in der Branche immer. Wer also eine Ausbildung zum Destillateur machen will, hat einen sicheren Arbeitsplatz. Man sollte sich aber auch im Klaren sein, dass es ein Beruf ist, wo eine gewisse räumliche Flexibilität erforderlich ist. Wir bei Berentzen bieten gerade auch jungen Menschen jede Menge Ausbildungsmöglichkeiten. Der Beruf des Destillateurs ist jedoch nach wie vor nicht sehr bekannt. Daher freue ich mich, unter anderem mit diesem Interview mehr Licht ins Dunkle zu bringen.

Edelbrände sind ein Stück Kultur. Würden Sie zustimmen?

Ich würde lieber sagen, dass das bewusste Genießen und das Auseinandersetzen mit Lebensmitteln ein neues Kulturgut darstellt. Der Umgang und das Wissen um Herkunft und Zubereitung spielen heute eine sehr wichtige Rolle. Edelbrände gehören natürlich auch dazu, und richtig destilliert erlebt man dann auch „Natur pur“.

Da Sie täglich mit Alkohol zu tun haben: Kommen Sie mit dem Fahrrad oder mit dem Auto zur Arbeit?

Ich fahre mit dem Auto zur Arbeit. Aber wie oben schon erwähnt, landet der Alkohol nicht im Blut, sondern im Spucktopf.

Man könnte denken, ein Brennmeister riecht den ganzen Tag nach Alkohol, hat eine leichte Fahne. Kamen Sie mal in eine Polizeikontrolle und dabei in Erklärungsnot?

Auch das kann ich verneinen. Ich habe mir allerdings mal bei einem Arbeitsunfall die Schulter ausgekugelt, und dabei hat sich eine Kanne Destillat über mich ergossen. Die Kleidung war mit Alkohol getränkt, und die Fahrt im Krankenwagen war echt lustig. Alles roch nach Brennerei.

Sie begleiten zurzeit den Aufbau der Hof-Destillerie von Berentzen. Was ist das Spannendste daran?

Zu erleben, wie ein Gewerk ins andere übergeht, und die Frage, ob alles rechtzeitig fertig wird, ist sehr aufregend. Je näher die Inbetriebnahme der Anlage rückt, desto größer ist auch das Kribbeln, endlich loslegen zu können.

Bis das neue Produkt, der Korn2Korn, in dieser Anlage entsteht, dauert es noch ein paar Wochen. Wie erleben Sie diese Zeit?

Ich bin erst Anfang des Jahres ins Emsland gezogen. Die Eingewöhnungsphase ist noch nicht ganz vollzogen, aber die Menschen sowohl bei Berentzen als auch in Haselünne selbst geben mir ein positives Feedback meiner Arbeit. Es macht mir riesigen Spaß, bei der Umsetzung eines solchen Projektes mitwirken zu können und mein bisher erworbenes Know-how mit einfließen lassen zu können.

Was trinken Sie privat am liebsten?

Das hängt viel von der Region ab. Ich habe vorher in Rheinhessen gearbeitet, und dort wird traditionell Wein getrunken. Der Norden ist ja eher für Bier und Korn bekannt. Beim Urlaub in den Alpen kommt auch mal ein „Willi“ oder „Marille“ auf den Tisch. Wichtig ist, dass man maßvoll und bewusst genießt. Ich denke aber, dass ein „selbstgebrannter“ Kornbrand aus Haselünne bald zu meinen Favoriten gehören wird.


Andreas Büdenbender ist seit 2004 Brennmeister und schloss 2014 noch eine Weiterbildung zum Destillateurmeister ab. Der 42-Jährige hat in Haselünne bei der Firma Berentzen die Aufsicht über die geplante Destillation des Korn2Korn. Die Berentzen Hof Destillerie Haselünne befindet sich zurzeit im Aufbau.