Serie „Aus Großvaters Apotheke“ Ostereierfärben mit ungiftigen Naturfarben


Haselünne. Eierfärben zu Ostern – viele Familien sind damit zurzeit beschäftigt. Naturfarben sind dabei mehr und mehr angesagt. Sie sind gesund und trotzdem bunt. In unserer Serie „Aus Großvaters Apotheke“ geben wir Tipps.

Die Liste der natürlichen Farblieferer aus der Obst- und Gemüseabteilung ist lang. Besonders beliebt sind unter anderem Spinat, rote Beete, Rotkohl, schwarzer Tee, Zwiebelschalen, Heidelbeeren oder aus der Apotheke zum Beispiel Curcumawurzel, Birkenblätter, Cochenille. Färbungen mit Naturprodukten haben keinen knalligen Farbeffekt, sondern zaubern zarte Farbnuancen mit kleinen Mustern/Marmorierungen. Hier gleicht kein Ei dem anderen.

Viele handelsübliche Ostereier werden chemisch gefärbt. Diese Chemie kann durch dünne Risse der Schale in das Ei gelangen und bei Überempfindlichkeit zu allergischen Reaktionen führen. Natürliche Farben aus der Apotheke dagegen werden aus Pflanzenteilen hergestellt und sind deutlich bekömmlicher.

Intensive Farben möglich

Bevor es zu Hause mit der Färberei losgeht, sollte man sich alte Garderobe anziehen, Tischdecken entfernen und einen Schutz zum Beispiel in Form eines aufgeschnittenen Müllbeutels, mehrerer Zeitungen oder Ähnlichem ausbreiten. „Einige Farben sind derartig intensiv und färbend, dass sie auch auf Stoff farbige Flecken produzieren, die beim Waschen nicht mehr herausgehen“, erklärt die Haselünner Apothekerin Charlotte Erpenbeck den Grund dieser Vorsichtsmaßnahme. Und noch zwei Tipps hat sie, bevor die Färberei beginnt: Man sollte eine kleine Menge Alaun vorrätig haben. „Manche Eier nehmen die Farbe ohne dieses Aluminiumsalz als Hilfsmittel nicht gut an.“ Um nach dem Färben Glanz zu erzielen, benutzt sie Salatöl zum Polieren. Das Einreiben mit einer Speckschwarte erfüllt den gleichen Zweck.

Harmonisch

Erpenbeck mag Naturfarben für Ostereier, weil sie im Allgemeinen zwar nicht so grell wie künstliche Farben wirken, die Farben dafür aber harmonisch zueinanderpassen.

Die Farbpalette, die man mit natürlichen Produkten erzielen kann, ist groß: Helles Gelb stellt man durch losen Kamillentee her, der die Eier sehr schnell färbt. Er wird nicht aufgekocht, sondern normal mit heißem Wasser aufgegossen. Pro Tasse Wasser nimmt man zwei Beutel Kamillentee oder zwei Handvoll lose Kamille auf einen Liter. Den Aufguss sollte man zehn Minuten stehen lassen, bevor die gekochten, möglichst noch heißen Eier hineingegeben werden.

Grüngelb erzeugt Johanniskraut. Erpenbeck rät, sechs Esslöffel Johanniskraut in einem halben Liter Wasser zehn Minuten zu kochen, dann die Eier zuzugeben. Ob die Farbe eher gelb oder grünlich ausfällt, scheine sowohl von den Eiern als auch von dem Gefäß abzuhängen. „In Metallgefäßen bekommt man eher grüngelb“. Ein kräftiges intensives Grün ist nicht möglich.

Curcuma sorgt für ein Goldgelb. 10 Gramm gepulverte Curcumawurzel werden in einem halben Liter Wasser zehn Minuten gekocht, dann die Eier für zehn Minuten hineingegeben. Aber Vorsicht: Die Farbe ist pulvrig und färbt auch vom trockenen Ei ab.

Rotbuschtee (Roiboos) färbt Eier dunkelockergelb bis orange. Ohne Alaunzusatz nehmen sie die Farbe leider kaum an. Auch für Rotbuschtee werden zwei Teebeutel auf eine Tasse Wasser oder zwei Handvoll loser Tee auf einen Liter Wasser gegeben.

Für Goldbraun sorgt eine Handvoll Zwiebelschalen auf einen halben Liter Wasser. In dem Kochsud werden die Eier je nach gewünschter Farbintensität eine bis 30 Minuten gegeben. Eier kann man auch braun färben, indem man sie zum Beispiel längere Zeit in Schwarztee oder Kaffee legt.

Einzige tierische Ostereier-Naturfarbstoff

Cochenille ist der einzige tierische Ostereier-Naturfarbstoff. Kinder färben damit besonders gern, weil sie für eine rosarote bis pinke Schale sorgen. Zwei Gramm Cochenille werden zu Pulver gerieben, mit einem halben Liter Wasser kurz aufgekocht und abgesiebt. Cochenille ist sehr ergiebig und färbt so intensiv, dass man Muster gestalten kann. „Kinder haben Spaß, Smileys oder Ähnliches in die Schale zu ritzen“, weiß Erpenbeck.

Sie räumt an dieser Stelle mit einer falschen Vorstellung des Farbeffekts von Rotkohl auf. Statt eines von manchem erwarteten Violetts bekommt man durch den Kochsud eher ein Graublau. Das aber kann durchaus seinen Reiz haben: Schwimmt etwas Fett in der Farbbrühe, bekommt man eine Art Marmor-Effekt.

Wer es gern lindgrün bis oliv mag, kann Matetee verwenden. Aber auch Petersilie, Spinat, Gras und Brennnesseln färben grün.

Alte Töpfe verwenden

Welche Farbe man auch immer für seine Osterdeko oder auf die zum Verzehr gedachten Eier zaubern möchte, die fertigen Farblösungen sollten nicht lange stehen bleiben. „Es sind nicht konservierte Lösungen aus Pflanzenteilen in Wasser, die bereits nach ein oder zwei Tagen schimmeln“, so Erpenbeck. Sie empfiehlt außerdem, für das Färben alte Töpfe zu verwenden, da die Farbreste nicht immer zu 100 Prozent abgehen. Ein Emaille-Topf sei optimal, in reinen Metalltöpfen dagegen änderten sich die Farben „manchmal unvorhersehbar“. Überraschende Effekte darf man beim Eierfärben mit Naturfarben allemal erwarten.


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