Als Kulturstätte etabliert Gefühl von Puschenkino im Hasetorkino in Haselünne


Haselünne. Kleine Lampen auf den Ablagen vor den Plätzen sorgen für gemütliches gedimmtes Licht, die braunen Sessel ähnlichen Sitze dahinter sind ur-bequem. Das Hasetor-Kulturkino in Haselünne ist gemütlich und verbreitet ein bisschen den Charme eines (häuslichen) Puschenkinos. Rasiersitzhaltung ade, hier kann man sich wie im heimischen Wohnzimmer bequem zurücklehnen.

  • Das Hasetor-Kulturkino wurde 2003 gegründet
  • 110 Besucher haben hier Platz
  • Die Ausstattung ist nostalgisch, die Technik modern
  • Das Programm bietet nicht nur Filme, sondern auch Kleinkunst

110 Besucher haben in dem nostalgischen Kinosaal Platz. Längst kommen sie nicht nur, um einen der ausgewählten Filme auf der fünf mal drei Meter großen Leinwand zu sehen. Nein, das Hasetor ist eine Multi-Kulturstätte, auf deren acht Meter breiter und zweieinhalb Meter tiefen Bühne unter anderem auch Kabarett, Varieté und Kleinkunst stattfinden und die Raum für Künstler von nah und fern bietet. Die dafür notwendige Technik ist keineswegs antiquiert. Im Gegenteil. Digitales Tonmischpult, Lichtmischpult, Funkmikrofon, drei Headsets, Computer, DVD und Beamer stehen zur Verfügung. Ein Klavier kann ebenfalls genutzt werden.

Kirchenmänner Initiatoren

An ein Kulturkino als Nachfolger dachte wohl kaum jemand, als die in dem Gebäude beheimateten Lichtspiele nach etwa 50 Jahren dicht machten. Erst 2003 wurde es wieder zum Leben erweckt. Initiatoren waren seinerzeit ein evangelischer Pastor und ein katholischer Jugendreferent. Sie taten sich zusammen und setzten und sich für die Wiedergeburt des Kinos ein. Den Stein richtig ins Rollen brachte der Initiativkreis „Familienfreundliche Stadt“. Er wollte zu seinem zehnjährigen Bestehen etwas Besonderes auf die Beine stellen. Da kamen die beiden Kirchenmänner mit ihrer Idee „Wir machen in Haselünne wieder Kino“ wie gerufen.

Schnell fanden sich an die 20 Freiwillige, die sich im Laufe der Vorbereitungswochen zu kreativen Enthusiasten entwickelten. „Es schien, als wolle sich eine ganze Stadt nicht Kulturmuffel schelten lassen“, erinnert sich Vorsitzender Ingo Schmit schmunzelnd. Die „grandiose finanzielle Unterstützung“ durch 40 Haselünner Unternehmen habe das eindrucksvoll gezeigt.

„Wiedergeburt“ 2003

In nur viereinhalb Monaten reparierte, renovierte und restaurierte das unermüdliche Team das alte Verzehrkino Hasetor, brachte die alte Vorführmaschine wieder auf Vordermann und erweiterte die Bühne, um außer Kino eben auch andere Kulturveranstaltungen zu ermöglichen. Die „Wiedergeburt“ am 14. November 2003 war ein Riesenerfolg. Das Haus war übervoll, als Comedy-Star Klaus Renzel als erster Gast auf die Bühne ging.

Mehr als 13 Jahre ist das jetzt her. „Zu Beginn hätte niemand gedacht, dass es das Hasetor-Kulturkino so lange geben würde“, freut sich zweite Vorsitzende Irmela Schröck. Mittlerweile wirkt hinter den Kulissen ein eingespieltes Team aus etwa 50 ehrenamtlichen Helfern und verleiht dem Kino einen unverwechselbaren Charakter. Es agiert mit einer bemerkenswerten Liebe zum Detail wie Zwiebelkuchen zum Frauenkino, einem Buffet zu Silvester und Popcorn zu den Kinderfilmen.

Technik nur über Außentreppe erreichbar

Doch nicht nur das Team entwickelte sich weiter, auch Programm und die im oberen Teil des Gebäudes untergebrachte und nur über eine Außentreppe zu erreichende Technik änderten sich im Laufe der letzten Jahre, in denen insgesamt etwa 1400 Filme gezeigt wurden. Sie ist up to date, während zum Beispiel alte Filmplakate an den Wänden neben dem Aufgang zum Kinosaal, das kleine Kassenhäuschen und von innen und außen ledergepolsterte Türen Erinnerungen an frühere Cineasten-Zeiten wach werden lassen.

Regelmäßig im Frühjahr trifft sich eine Programmgruppe, die Künstler, Musiker, Kabarettisten und Filme für Jung und Alt für die neue Spielzeit sucht und findet. Neben diesen besonderen Veranstaltungen wird jeden Freitagabend im Rahmen der Filmkunst-Reihe ein besonderer Film angeboten. Seit Sommer 2015 hat das Kino seine Vorführtechnik umgestellt. Filme werden jetzt digital und mit einem 5.1 Ton abgespielt.

Programmgruppe wählt Filme aus

Welche Filme gezeigt werden, entscheidet eine Programmgruppe, der einige der 172 Vereinsmitglieder angehören. Sie suchen die Filme für die Sonderveranstaltungen (Kinder- und Frauenkino, Silvesterkino, Kino kulinarisch, Sonntagskino) aus. Der Freitagfilm wird als Abspielring von der Agentur „Kulturprojektor Karg“ ausgewählt. Dabei handelt es sich um inhaltlich gute Filme, die in den großen Kinos nur am Rande laufen, aber sehr sehenswert sind.

Die hier tätigen Mitglieder engagieren sich – wie in allen anderen Bereichen des Kinos –in erster Linie aus Interesse an Kultur und Filmen. Und es macht ihnen Spaß, gemeinsam zu arbeiten. „Motoren sind aber sicher auch der Kontakt zueinander, die Freude, mit Zuschauern das Erlebte zu teilen sowie das Suchen und Finden von guten Filmen, interessanten Künstlern“, betonen Schmit und Schröck. Das Kino-Team, das 2011 den Ehrenamtspreis der Stadt Haselünne bekam, sei ein Team im wahrsten Sinne des Wortes. Jeder empfinde das Kino als sein Kino, und die Freude über gute Besucherzahlen sei für jeden ein persönlicher Erfolg.

Inhalt muss überzeugen

Für den ist es nicht entscheidend, zeitnah aktuelle Filme zu zeigen. Die laufen nach den Premieren ohnehin in den großen Kinos. Aufgrund seiner Programmstruktur sucht das Haselünner Kulturkino Filme aus, die bereits an anderer Stelle Erfolg hatten. Ganz wichtig aber auch: dass sie die Haselünner Kinomacher vom Inhalt her überzeugen. Und das Publikum. „Gute Besucherzahlen bringen auch gute Einnahmen“, lacht Schmit.

Mit den Zahlen der Besucher, die im Schnitt pro Woche zwei Filme zu sehen bekommen, ist das Team zufrieden. Sie steigerten sich beständig: auf jetzt etwa 5000 bis 5400 Besucher pro Jahr. Das sind Zahlen, die auch die zahlreichen Haselünner Sponsoren der Einrichtung gerne hören dürften. Sie beteiligen sich jährlich ebenso mit einem Zuschuss wie die Stadt Haselünne. Filmförderungsanstalten wie die FFA sorgen für weitere Finanzspritzen.

„Wir wissen jetzt, wie Kino geht“

Blicken die Macher des Hasetorkinos heute auf die Anfänge zurück, müssen sie zugeben, doch etwas naiv an die Sache herangegangen zu sein. „Wir dachten, wir haben zehn Leute und eine Geldkassette. Das reicht“, räumt Schmit ein. Tat es aber natürlich nicht. Doch wie heißt es so schön: Man wächst mit seinen Aufgaben. „Wir wissen jetzt, wie Kino geht.“ Der Vorsitzende blickt ein bisschen stolz und lehnt sich noch ein wenig bequemer in seinem Kinosessel zurück. Die Haltung sei aber natürlich nicht sinnbildlich zu verstehen, schickt er gleich hinterher. Und schaut vorbei an einer der kleinen Lampen Richtung Leinwand. Über die sollen noch viele Filme flimmern ...


Das Programm der nächsten Wochen:

  • Freitagskino
  • HELL OR HIGH WATER
  • 24. März 2017 um 20 Uhr
  • 6 Euro, ab 12 Jahren
  • Ladies Night
  • HOW TO BE SINGLE
  • 25. März 2017 um 20 Uhr
  • ab 12 Jahren, Eintritt 8 Euro (inkl. Snacks)
  • Freitagskino
  • DIE ÜBERGLÜCKLICHEN
  • 31. März 2017 um 20 Uhr
  • 6 Euro, ab 12 Jahren
  • Kinderprogramm
  • PAPPENELLI: DER FROSCHKÖNIG
  • 02. April 2017 um 15 Uhr
  • 4 Euro, ab 3 Jahren
  • Freitagskino
  • LA LA LAND
  • 7. April 2017 um 20 Uhr
  • 6 Euro, ab 0 Jahren
  • Comedy & Kabarett
  • MASTER ME: BAUCHREDNER-COMEDY VOM FEINSTEN
  • 8. April 2017 um 20 Uhr
  • Eintritt 15 Euro
  • Ferienkino
  • SING
  • 11. April 2017 um 19 Uhr
  • Eintritt 5 Euro
  • Nähere Informationen unter www.hasetor.de

    1 Kommentar