Attest nicht anerkannt Unheilbar krank: Fitnessstudio in Haselünne lehnt Kündigung ab

Trotz einer schweren Krebserkrankung wollte das Fitnessstudio „Fitness und Gesundheit“ in Haselünne eine Herzlakerin nicht aus dem Vertrag lassen. Foto: Maja WemhoffTrotz einer schweren Krebserkrankung wollte das Fitnessstudio „Fitness und Gesundheit“ in Haselünne eine Herzlakerin nicht aus dem Vertrag lassen. Foto: Maja Wemhoff

Haselünne. Schwere Vorwürfe erheben die Angehörigen einer inzwischen verstorbenen Herzlakerin gegen das Fitnessstudio „Fitness und Gesundheit“ in Haselünne. Man habe trotz einer schweren Krebserkrankung die Kundin nicht aus dem Vertrag lassen wollen.

Eigentlich ging die 57-Jährige aus Herzlake gerne in das Fitnessstudio „Fitness & Gesundheit“ in Haselünne. Regelmäßig besuchte sie das Studio, um Sport zu treiben. Doch Mitte September erhielt sie eine schwerwiegende Diagnose: Bauchspeicheldrüsenkrebs.

Der Arzt riet ihr davon ab, weiterhin Sport zu treiben, da ihr Körper sämtliche Kräfte bräuchte. Somit wollte sie auch ihren Vertrag mit dem Fitnessstudio auflösen. Mit einem Attest ihres behandelnden Arztes reichte sie eine außerordentliche Kündigung ein. Diese ging am 14. Oktober 2016 bei „Fitness & Gesundheit“ ein.

Mahnungen per Post

Eine Bestätigung auf das Schreiben ließ jedoch auf sich warten. Stattdessen kamen Mahnungen des Studio-Betreibers mit der Post ins Haus, da die Herzlakerin zwischenzeitlich die Einzugsermächtigung zurückgezogen hatte. In dem Schreiben wurde mit Anwälten und Schufa (Aktiengesellschaft, die die Zahlungsfähigkeit von Menschen beurteilt) gedroht, sollte man der ausstehenden Zahlung nicht nachkommen. Für die krebskranke Emsländerin, die eigentlich ganz andere Sorgen hatte, war dies eine zusätzliche Belastung.

Bei einem erneuten Arztbesuch bat sie um ein weiteres Attest, welches die absolute Sportinvalidität bestätigte. Zusätzlich trug der Arzt die genaue Diagnose ein, was für gewöhnlich nicht üblich ist, da dies niemanden außerhalb des medizinischen Bereiches etwas angeht. Dieses Attest schickte sie erneut an das Fitnessstudio, mit der Hoffnung, dass sich der Fall damit erledigt hätte.

Atteste werden nicht anerkannt

Kurz vor Weihnachten flatterte jedoch erneut eine Mahnung ins Haus. Und ein drittes Attest wurde daraufhin eingereicht. Mittlerweile war die 57-Jährige stark von ihrer Krankheit gezeichnet, sodass sich eine Freundin um alles weitere kümmerte. „Als ich bei der Mitgliederverwaltung nachfragte, ob denn nun das dritte Attest eingegangen sei und dieses nun endlich anerkannt werde, bekam ich nur die Antwort, dass die ärztliche Bescheinigung nicht ausreichen würde, um außerordentlich aus dem Vertrag zu kommen. Die Forderung der Mitgliedsbeiträge in Höhe von rund 270 Euro blieben weiterhin bestehen“, sagte die Freundin im Gespräch mit unserer Redaktion. „Das finde ich unfassbar. So kann man doch nicht mit seinen Kunden umgehen.“ Am 13. Januar verstarb die 57-Jährige an ihrer schweren Erkrankung. „Den Totenschein habe ich dann an das Fitnessstudio geschickt“, so die Freundin weiter. „Das Studio antwortete, dass man nun den Vertrag aus Kulanzgründen zum 31. Januar auflösen würde.“

Alle Forderungen fallen gelassen

Auf Nachfrage beim Geschäftsführer von „Fitness & Gesundheit“, Ole Klausing, sagte dieser, dass es in diesem Fall wirklich unglücklich gelaufen sei. Trotzdem erklärte Klausing, dass man bei außerordentlichen Kündigungen stets auf ein aussagekräftiges Attest bestünde. „Viele unserer Kunden versuchen mit so einem Attest vorzeitig aus ihrem Vertrag zu kommen. Viele Fälle sind unbegründet. Deshalb führen wir immer eine Einzelfallprüfung durch.“

Die Diagnose der 57-Jährigen hätte man aber als Kündigungsgrund anerkannt. Im Schriftwechsel sei jedoch vieles schief gelaufen. „Selbstverständlich haben wir auch alle Forderungen fallen gelassen. Wer nachweislich keinen Sport mehr ausüben darf, weil er seine Gesundheit dadurch gefährdet, den lassen wir natürlich aus seinem Vertrag“, so Klausing weiter. „Wir sind immer bemüht, ein gutes Verhältnis zu unseren Kunden zu haben. Wir entschuldigen uns bei den Hinterbliebenen der Herzlakerin in aller Form.“


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