Über den Musiker Paul Verheyen Wahl-Haselünner zum Gig mit Tom Jones in Hotelbar

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Haselünne. Der Kapitän geht von Bord. Mit einem großen Konzert unter dem Motto „Servus Paul“ verabschiedet der Spielkreis Haselünne seinen langjährigen musikalischen Leiter Paul Verheyen am 1. April 2017 im Forum des Kreisgymnasiums St. Ursula Haselünne.

Musik ist für den 78-Jährigen eine Lebensaufgabe, wie er schmunzelnd sagt. Die begann für den in Kevelaer Geborenen früh. In seinem Elternhaus gab es drei Klaviere. Schon als knapp Siebenjähriger setzte er sich daran. Unterricht hatte er damals, 1945, nicht. Der junge Paul spielte nach Gehör.

Klavier, Orgel und Trompete

Mit dem Musikunterricht begann er erst zwei Jahre später: Er lernte Klavier und Orgel, 1957 kam die Trompete dazu, die er im Wettener Musikverein zu spielen begann. „Erste Gehversuche“ nennt Verheyen das. Die Trompete war sein Ding. Zwar hatte er sich ein Jahr später auf Wunsch des Vaters am Robert-Schumann-Konservatorium in Düsseldorf für die Ausbildung zum Organisten angemeldet, dann jedoch kurzfristig umdisponiert und sich für das Fach Orchestertrompeter eingeschrieben. Den Theorieunterricht besuchte er mit Klaus Doldinger (Komponist Musik „Tatort“, „Das Boot“ etc.). Nebenbei wirkte Verheyen in einer Dixielandband am Niederrhein mit.

Jazzseminar bei Kurt Edelhagen

Von da an ging es Schlag auf Schlag: Besuch eines Jazzseminars bei Kurt Edelhagen an der Hochschule für Musik in Köln, Hochschule der Künste in Berlin, Unterricht bei Horst Eichler (Solotrompeter der Berliner Philharmoniker bei Herbert von Karajan), Mitwirkung an zwei Konzerten bei den Berliner Philharmonikern. Er spielte als Bühnenmusiker an der Deutschen Oper in Berlin, war Aushilfe am Theater des Westens bei „My Fair Lady“ mit Paul Hubschmidt und Karin Hübner und Barpianist bei Rolf Eden sowie in verschiedenen Bands.

Touren quer durch Europa

1965 bekam Verheyen eine Einladung zum Probespiel an die Oper in Kiel, wechselte jedoch in die Unterhaltungsmusik „wegen eines attraktiven Engagements im französischen Wintersportort Courchevel“.

Verschiedene Engagements führten den Musiker bis 1975 quer durch Europa. Er spielte unter anderem im Bayrischer Hof in München, im Crazy Horse in Paris, im Hilton in Berlin und München und im L’Ambassy in Cannes. Er spielte Schallplatten ein und zog mit seinem Paul Verheyen Quintett fünf Jahre durch die Gegend.

Musik-Urgestein

Immer wieder begleitete Verheyen, ein Musik-Urgestein unserer Region, prominente Künstler jener Zeit. „Junge-komm-bald-wieder“-Sänger Freddy Quinn gehörte dazu. „Ein sehr netter Typ“. Mit Tom Jones hatte der heute 78-Jährige einen Gig im Bayrischen Hof in München. Verheyen spielte dort mit seinem Quintett als Showkapelle. „Das war zu der Zeit, als Jones ‚She’s a lady‘ und solche Sachen sang. Auf Drängen einiger Gäste gab der Brite ein paar seiner Hits in der Bar zum Besten. Das war schon etwas nicht Alltägliches, ihn zu begleiten.“

Beste Erinnerungen hat Verheyen, der damals auch Auftritte mit dem Hazy-Osterwald- sowie dem Jochen- Brauer-Sextett hatte und Platten mit Ambross Seelos aufnahm, aus jener Zeit an Peter Maffay . „Mit ihm Musik zu machen war sehr, sehr angenehm.“

Allroundmusiker

Die musikalische Wende kam für Verheyen, der ein großer Fan der Musik von Richard Wagner ist und immer wieder die Festspiele in Bayreuth besucht, im August 1975. Er begann an der Musikschule des Emslandes in Meppen als Musiklehrer mit den Fächern Trompete, Klavier, Kirchenorgel und elektronische Orgel. Drei Jahre später zog er nach Haselünne , übernahm dort kurz darauf die Bezirksstellenleitung. 1979 gründete der Allroundmusiker den Spielkreis Haselünne. Allein 32 Konzertreisen unternahm die Gruppe seitdem, unter anderem nach Italien und Spanien, war zu Gast in der NDR-Plattenkiste, bestritt unter anderem beachtete Jazzabende in Haselünne, bei denen Verheyen unter Beweis stellte, warum er früher ein so gefragter Showband-Musiker war: Mit der einen Hand spielte er Klavier, mit der anderen Trompete. „An beiden Instrumenten war ich – einzeln gesehen – sicher nicht der Beste. Aber ich war der beste Trompeter unter den Klavierspielern und der beste Pianist unter den Trompetern“, sagt der Mann, der mit so vielen Größen der Klassik und der Unterhaltung konzertierte.

Weitere Formationen

Aus dem Spielkreis entstanden weitere Formationen wie die Big Band , die Dixieland-Combo, das Blechbläser-Ensemble und eine Swing -Combo.

Dass Verheyen musikalisch in viele Richtungen interessiert ist, Miles Davis und Count Basie im Jazz genauso mag wie eben Wagner, Richard Straus und Gustav Mahler in der Klassik und James Brown, Rammstein sowie Michael Jackson im Pop/Rock, wird bei den Auftritten deutlich: Sie sind stets bunt gemischt. Und man merkt, wie viel Freude es Verheyen macht, mit jungen Menschen zu arbeiten. Wenn er sagt „Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht“, dann ist das kein bloßes Lippenbekenntnis. Dixieland-Combo und Big Band weiterzuführen könnte sich „Mr. Musikschule Haselünne“ absolut vorstellen. Damit würde er die Kapitänsmütze dann doch hin und wieder aufsetzen.

Das Abschiedskonzert des Singekreises Haselünne und Ehemaliger findet am Samstag, 1. April 2017, um 19 Uhr im Forum des Kreisgymnasiums Haselünne statt. Der Eintritt ist frei, in der Pause gibt es ein Freigetränk. Die Moderation hat Jürgen Thom. Nähere Infos: www.musikchule-des-emslandes.de


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