Land startet Renaturierung Holz und Kies für eine naturnahe Hase bei Haselünne


Haselünne. Die Hase zwischen Haselünne und Lehrte soll schon in einigen Jahren wieder natürlicher vor sich hin fließen als bisher. Der zuständige NLWKN hat Böschungssicherungen entfernt, Totholz als Strömungslenkung eingebaut und Kiesbänke angelegt.

Die Maßnahmen, die Martin Gaebel, Josef Schwanken und Geert Evers vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) jetzt bei einem Ortstermin vorgestellt haben, sind zwar zum Teil nur schwerlich auf den ersten Blick zu erkennen. Sie bedeuten aber nicht weniger als einen Sinneswandel bei der Unterhaltung, Gestaltung und Nutzung eines Flusses. Denn von einem kanalähnlichen Gewässer, das in der Hauptsache einer ordnungsgemäßen Wasserführung diente, soll ein natürlicherer Fluss werden.

Der NLWKN ändert dafür zunächst auf einem 700 Meter langen Teilstück sein Bewirtschaftungskonzept erheblich – weg von der Sicherstellung eines „sauberen“ Flussbettes hin zu einer „beobachtenden Unterhaltung“, die nicht mehr automatisch, sondern nur bei Bedarf eingreift. Abgestimmt ist das neue Konzept unter anderem mit Ute Schreiber von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Emsland, Haselünnes Bauamtsleiter Martin Pohlmann und Hudens Ortsvorsteher Erwin Dühnen, die auch zum Ortstermin erschienen waren.

Nur noch Beobachtung

Projektleiter Josef Schwanken erläuterte die einzelnen Maßnahmen, die nicht zuletzt durch die Europäische Wasserrahmenrichtlinie angestoßen werden. Sie fordert verkürzt gesagt die Wiederherstellung nicht nur einer guten Wasserqualität, sondern auch eins ökologisch guten Zustandes von Gewässern. Und von Letzterem ist die Hase in Teilstücken noch weit entfernt. Denn Begradigung und Befestigung der Ufer sowie regelmäßige Beweidung oder Mahd haben den im Wesentlichen auf Sand verlaufenden Fluss stark verändert. Die Fließgeschwindigkeit ist gestiegen und sorgt für eine stetige Vertiefung des Gewässers.

Das alles soll sich auf dem Pilotteilstück zwischen Haselünne und Lehrte nun ändern. In wochenlanger Arbeit haben die Mitarbeiter des NLWKN unter anderem ausgewachsene Bäume als Totholz in die Hase gelegt und am Ufer befestigt. Sie sollen für Verwirbelungen sorgen und die Strömung umlenken. Weitere Stammhölzer dienen als Sohlschwelle – sie sollen die Fließgeschwindigkeit bremsen und vor allem der Vertiefung des Flussbettes entgegenwirken. Ein Teil der Steinschüttungen am Ufer wurde entfernt, damit die Hase wieder Abbruchwände entwickeln kann.

Kiesbänke angelegt

Außerdem berichtete Josef Schwanken, habe man an geeigneten Stellen Kiesbänke als Laichangebot für Fische angelegt. Sie sollen 2017 noch erweitert und dann Boden am Rande eines Auwaldes abgetragen werden, der derzeit keinen Kontakt mehr zur Hase hat. Die Pflege der Ufer wird eingestellt.

Das gesamte Projekt hat der NLWKN überwiegend mit eigenem Personal durchgeführt. Dezernent Martin Gaebel stellte klar, dass der ordnungsgemäße Wasserabfluss vor allem bei Hochwasser gegeben sei. Auch könnten Kanu- und Floßfahrer die Hase weiter passieren, Spaziergänger am Ufer unterwegs sein. Gaebel dankte Stadt Haselünne und Landkreis Emsland für ihre Unterstützung. Denn die Maßnahmen waren nur möglich, weil die Flächen am Ufer der öffentlichen Hand gehören.

Josef Schwanken und seine Mitarbeiter wollen die Erfahrungen des Pilotprojektes später für weitere Renaturierungsmaßnahmen nutzen. Die Hase ist schon seit vielen Jahren an verschiedenen Orten renaturiert worden.


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