Eklat am Volkstrauertag Ärger um Kranz der NPD bei Gedenkfeier in Haselünne


Haselünne. Ein Kranz sorgt für reichlich Verärgerung in Haselünne. Niedergelegt wurde er am Volkstrauertag am Ehrenmal. Von NPD-Ratsmitglied Tobias Richter.

Wie in ganz Deutschland gedachten Bürger und Vertreter der Stadt am Volkstrauertag auch in Haselünne der durch Krieg, Terror und Gewaltherrschaft Getöteten. Tobias Richter (NPD) legte ebenfalls einen Kranz nieder. Das sorgte für Verärgerung bei der Stadt Haselünne und ihrem Bürgermeister Werner Schräer. Der Verwaltungschef sah vor Beginn der Gedenkfeier in der Friedhofskapelle, wie er auf Anfrage unserer Redaktion am Mittwoch erklärte, dass die NPD an der Gedenkstätte draußen einen Kranz niedergelegt hatte. Das sei beschämend, passe nicht ins Bild des Anlasses und sei nicht hinnehmbar gewesen.

Nachdem Schräer die Gedenkfeier offiziell für beendet erklärt hatte, habe er allen Anwesenden mitgeteilt, er habe noch „drei Sätze zu den Geschehnissen rund um die Feier zu sagen“. Er habe darum gebeten, dem Vorfall nicht viel Bedeutung beizumessen. „Das geschah, um der NPD nicht unnötig Raum zu geben und vor allem in meiner Hoffnung, die Dinge nach der Feier in der Kapelle in Ruhe in der Weise regeln zu können, dass die NPD, die mit drei Vertretern bei der Feier war, den Kranz wieder entfernt.“

Mehrfache Aufforderung

Mehrfach habe Schräer Richter ruhig gebeten, „den Kranz zu entfernen“. Dies unter anderem auch, als er an dem neuen Ratsmitglied vorbei durch den Hauptausgang der Friedhofskapelle zu der Gedenkstätte ging. Dort habe ihm Richter mit Polizei und Anzeige für den Fall gedroht, dass er, Schräer , den Kranz der NPD anfasse oder gar entferne.

„Nicht im Ton vergriffen“

Zu keinem Zeitpunkt habe sich der Bürgermeister dabei, wie ihm Richter in sozialen Netzwerken vorwerfe, „im Ton oder der Tonlage vergriffen, auch nicht nach dem Verlassen der Friedhofskapelle“. Das könnten Anwesende der Gedenkfeier bezeugen. Ebenfalls habe Schräer die Vertreter der NPD definitiv nicht als Nazis bezeichnet, sondern sie „Vertreter der NPD“ genannt.

Am Mittwoch lag der Kranz der NPD nicht mehr an der Gedenkstätte. Dort befindet sich nur noch der Kranz der Stadt Haselünne. Wer ihn entfernte, sei Schräer nicht bekannt. Er geht davon aus, „dass der Kranz noch an dem Sonntag weggenommen wurde“. Ob von Tobias Richter oder jemand anders, sei dem Verwaltungschef nicht bekannt. Er könne nur mit Nachdruck darauf hinweisen, den Kranz selbst nicht angefasst oder durch jemanden entfernt lassen zu haben.

Kirchengemeinde hat Hausrecht

Hausrecht für den Bereich der Friedhofskapelle, in der die Gedenkfeier stattfand, hat die katholische Kirchengemeinde. Da aber die Stadt Haselünne Veranstalter der Gedenkfeier war, habe sie, so Schräer, in dem Moment auch die „Verantwortung für die Feier und das gehabt, was drumherum geschieht“.

„Hätte ihn des Platzes verwiesen“

Kaplan Detlef Perk sagte am Telefon gegenüber unserer Redaktion: „Ich konnte leider nicht persönlich anwesend sein, und wäre ich da gewesen, hätte ich Herrn Richter sofort des Platzes verwiesen, eben mit Hinweis auf das Hausrecht der katholischen Kirchengemeinde.“ Auch er bestätigt, dass das Hausrecht bei der Veranstaltung auf den Bürgermeister bzw. die Stadt übertragen wurde und ihren Anweisungen Folge geleistet werden müsse. „Unser Bürgermeister hat Herrn Richter um etwas gebeten, was dieser in dem Moment ignoriert hat“, meint Perk und betont: „Von uns wurde der Kranz meines Wissens nicht entfernt.“

Barscher Ton

Auch die NPD besitzt den Kranz nach eigenen Angaben nicht mehr, weiß nicht, wo er sich befindet. „Der Bürgermeister hat mir in einem ziemlich barschen Ton gesagt, dass ich ihn entfernen soll. Das habe ich nicht getan. Ich gehe davon aus, dass er etwas damit zu tun hat, weil er dort nicht mehr liegt“, sagte Tobias Richter im Gespräch mit unserer Redaktion auf Anfrage am Telefon. Er sei kein Jurist, möchte sich „aber strafrechtliche Konsequenzen vorbehalten, wenn der Kranz nicht bald wieder auftaucht. Ich werde nicht von einer Anzeige absehen“, stellte der Lokalpolitiker fest.

„In treuer Verehrung“

Links auf dem Kranz habe „In treuer Verehrung“ gestanden, auf der rechten Seite „NPD Emsland“. „Das ist ein Standardspruch“, erklärte Richter. „Der Volkstrauertag ist dazu da, die Toten zu ehren. Dass man nicht einfach an diesem Tag die Politik mal außer Acht lässt und die Toten die Toten sein lässt, macht mich traurig.“ Schon immer habe die NPD den Volkstrauertag gefeiert, jetzt zum ersten Mal öffentlich. Seine Meinung: „Hätte die SPD einen Kranz niedergelegt, hätte niemand etwas gesagt.“


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