Schwere Kost mit heiteren Momenten Matinée des Hospizvereins Meppen in Haselünne

Von Iris Kroehnert

Ein schweres Thema überzeugend gestaltet: Die Regisseurin, Autorin und Sängerin Petra Afonin trat zum Welthospiztag in Haselünne auf. Foto: KroehnertEin schweres Thema überzeugend gestaltet: Die Regisseurin, Autorin und Sängerin Petra Afonin trat zum Welthospiztag in Haselünne auf. Foto: Kroehnert

Haselünne. Aus Anlass des Welthospiztages lud der Hospizverein Meppen ein zu einer Matinéeveranstaltung mit der Regisseurin, Autorin und Chansonsängerin Petra Afonin ins Hasetor Kulturkino.

Vor nahezu ausverkauftem Haus sagte Carmen Breuckmann-Giertz, die erste Vorsitzende des Hospizvereins : „Wir möchten die künstlerische Form dieser Veranstaltung aufgreifen, um auf uns und unser Thema aufmerksam zu machen.“ Dabei würde man zum zweiten Mal die Gelegenheit des Welthospiztages nutzen. Sie wies auf die Hospizbewegung hin und sagte: „Wir sind in einem großen Netzwerk unterwegs, denn die Idee ist weltumspannend.“ Weiter betonte sie, denjenigen Menschen eine Stimme geben zu wollen, „die sonst keine haben.“

Künstlerin mit außergewöhnlichem Programm

Zusammen mit ihrer Stellvertreterin Sabine Schnellen dankte sie den Unterstützern des Hospizvereins Meppen. Ingo Schmit, Vorsitzender des Vereins Hasetor Kulturkino , wies in seiner Begrüßung auf die inzwischen schon langjährige Zusammenarbeit mit dem Hospizverein hin. Gemeinsam weckten alle drei Redner bei den Besuchern die Neugier auf eine außergewöhnliche Künstlerin mit einem außergewöhnlichen Programm.

Schwierige Beziehungen

„Es ist nie genug: Begleiten – gehen – zurückbleiben“, mit diesem Titel war die Veranstaltung überschrieben, dessen Mittelpunkt der Auftritt Petra Afonin bildete. Afonin betrat in Begleitung des Pianisten Tankred Schleinschock die Bühne. Ein großes Buch diente ihr als Requisite, als sie zur Einstimmung die Geschichte des Mädchens Ramona und dessen Vorstellung vom Lebensabend vortrug.

Das sich anschließende Chanson „Es ist nie genug“ griff das Thema der Veranstaltung auf und berichtete von einer Tochter, die ihre Mutter pflegt und an den Rand des Burnouts kommt. Als Kontrastpunkt dazu wurden Menschen gesetzt, die keine Beziehung zu ihren Eltern haben aufbauen können. Damit korrespondierte das Lied vom Vater, der durch Abwesenheit glänzte. Petra Afonin hinterfragte in dem Lied „Er war nie da, jetzt ist er weg“, wie Begleitung funktioniert, wenn die Beziehung zu den Eltern nicht gut war und auf welche Weise man einen Menschen betrauern kann, der nie für einen dagewesen ist.

Stoff zum Nachdenken

Stoff zum Nachdenken gab auch reichlich das gesungene Poesiealbum und die Betrachtungen von Afonin zum so genannten Helfersyndrom. Zum Heulen schön gelang ihr die Interpretation des Chansons von Jacques Brel „Le Moribond“, oder wie Afonin das Lied betitelte „Der Todgeweihte“. Zwischen den Liedern streute sie den einen oder anderen „Brief an die Mutter“ ein. Dahinter versteckten sich Gedanken einer mittlerweile selbst in die Jahre gekommenen Tochter an die demente Mutter. Sogar das Formular des Medizinischen Dienstes wurde von Afonin vertont und in Liedform vorgetragen. „Kein Mensch möchte eine Pflegestufe sein“, erklärte Afonin dazu. Schließlich wandte sie sich dem Thema Patientenverfügung zu und verglich das Schriftstück mit einem Einkaufszettel, der bei Afonin so klang: „Ich hätte gerne 100 Gramm Zuversicht“.

Heitere Momente

Trotz des schweren Themas erlebten die Besucher nicht nur Nachdenkliches, sondern auch viele kabarettistisch-heitere Momente und solche, die utopische und verträumte Gedanken zuließen. Trotz aller Todesnähe beinhaltete das Programm ein Ja zum Leben, verbunden mit dem Wunsch nach Selbstbestimmung. Sie wurden Zeugen einer Veranstaltung, die weit ab vom Mainstream brillierte durch unkonventionelle gedankliche Ansätze und Verbindungen, gepaart mit einem künstlerischen Purismus.


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