Viele Rekorde gebrochen 30.000 feiern Korn- und Hansemarkt in Haselünne

Von Helmut Diers

Einigen ging es beim Korn- und Hansemarkt in Haselünne an den Kragen. Foto: Helmut DiersEinigen ging es beim Korn- und Hansemarkt in Haselünne an den Kragen. Foto: Helmut Diers

Haselünne. Rund 30 000 Besucher haben drei Tage lang den 18. Historischen Korn- und Hansemarkt in Haselünne gefeiert.

Die 18. Auflage des im Zweijahresrhythmus stattfindenden Historischen Korn- und Hansemarktes Haselünne hat ihre Vorgänger mehr als erfolgreich hinter sich gelassen. Noch nie wurde ein Korn- und Hansemarkt mit einem Festumzug durch die Straßen und Gassen der Korn- und Hansestadt mit rund 4000 historisch gewandeten Zugteilnehmern aller Altersgruppen eröffnet. „Ich weiß nicht, wo die Leute alle herkamen“, fiel dazu Elisabeth Vocke, Geschäftsführerin des Vereins „Historischer Korn- und Hansemarkt“ nur noch ein.

Der Festzug dürfte in seiner historischen Ausprägung in Norddeutschland, vielleicht sogar darüber hinaus, einzigartig sein. Da das Wetter am Freitag schon sein Sonntagskleid angelegt hatte, stand der Eröffnung des Marktspektakels nichts im Wege. „Der 18. Korn- und Hansemarkt war ein voller Erfolg“, zog Vereinsvorsitzender Jan Bernd Berentzen am Sonntagabend im Gespräch mit der Meppener Tagespost eine überaus positive Bilanz. „Der Markt scheint ein Selbstgänger zu werden, was die Besucherzahlen angeht“. Man habe nach dem Marktthema „Ackerbürger und Bauern im alten Haselünne“ im Jahr 2014 wohl auch mit dem Motto „Handel am Breitenstein“ in diesem Jahr mehr als richtig gelegen. „Wir haben uns mit voller Kraft den 1271 vom Bischof von Münster verliehenen drei Rechten wie Münzrecht, Marktrecht und Recht der eigenen Gerichtsbarkeit verschrieben und lagen damit ganz auf der Erfolgslinie“, erntete Berentzen mit dieser Aussage anerkennendes Kopfnicken bei Vocke und bei seinem Stellvertreter Uwe Hilm.

Besonders dankte Berentzen Pastor i.R. Heinrich Bolmer, der dem Korn- und Hansemarkt mit einem Gottesdienst in plattdeutscher Sprache vor rund 1000 Katholiken und Andersgläubigen den Segen Gottes erbat. „Mit dem Gottesdienst hat Pastor Bolmer zur Lebendigkeit des Marktes beigetragen“. Und Berentzen erläuterte mit einem Schmunzeln auf den Lippen: „Ich weiß nicht, ob wir den Besucher von rund 30.000 Personen an allen drei Tagen verdient haben, aber es freut uns ungemein. Wer weiß, wäre es am Samstag nicht so heiß gewesen, ob dann nicht noch viel mehr Gäste Haselünne aufgesucht hätten.“

Sonntag ideal

„Von den Temperaturen her war der Sonntag ideal, da kamen auch die älteren Menschen, um sich Haselünnes gute Stube anzusehen.“ Vocke wusste aber auch: „Lieber schwitzen, als vom Regen nass gemacht zu werden!“ Berentzen ergänzte, es sei an einem der Marktsamstage noch nie so viel Andrang gewesen, als in diesem Jahr. „Das hat es bei uns noch nie gegeben, dass am Samstag sich bereits an den Einlasskontrollen lange Warteschlangen bildeten“, verdeutlichte Uwe Hilm die Anziehungskraft des historischen Spektakels in der ältesten Stadt des Emslandes. Und noch nie in den Marktjahren zuvor hat es so viele kostümierte Besucher gehabt.

Dass historisch gewandete Gäste weniger Eintritt bezahlen als „moderne Menschen“ zeigt Wirkung. „Spielen die alle hier Mittelalter“, staunte ein Gast aus Nordrhein-Westfalen, der erstmals den Korn- und Hansemarkt genoss.

Feuer- und Fakirzauber

Mittelalterliches Musikvergnügen, traditionelle historische Unterhaltungskunst, stilecht gestaltetes großes Trara mit Clownerie, Musik, Jonglage, Taschenspiel, Theater, Volkstanz, Feuer- und Fakirzauber sowie historisch gewandete Spielleute und Bänkelsänger mit Wunschkonzertmöglichkeiten sorgten für Kurzweil in den Gassen und auf dem Markt, sondern auch die 223 Marktbeschicker aus der Region, aus ganz Deutschland, den Niederlanden, Frankreich und Polen mit ihren alten Handwerkskünsten. „Ärgerlich war, dass ganz kurzfristig sieben Stände ihre Zusage zurückzogen. Wir konnten die Leerräume Gott sei Dank durch Sitzgruppen und Ausweitung der Nachbarstände überbrücken“, ärgerte sich Vocke noch am letzten Markttag.

Dafür durfte sie verkünden, „wir haben bis zum Schluss keine besonderen Vorkommnisse wie Rettungsdiensteinsätze oder Vandalismus bei den vielen Leuten gehabt. Toll!“ Vocke und Berentzen berichteten allerdings von einer neuen Kriminalitätsform auf dem Markt. „Wir hatten bisher nie Taschendiebstähle zu verzeichnen. Dieses Mal gleich sieben an der Zahl. Da werden wir 2018 gezielt gegen arbeiten“. 2018 beim 19. Korn- und Hansemarkt wird das Haselünner Event noch größer, noch ausgedehnter daher kommen. Es findet in Haselünne dann gleichzeitig der Westfälische Hansetag statt. Da werden sich zusätzlich 45 Hansestädte mit Ständen präsentieren.


Handwerker, Händler, Artisten und Gaukler begeistert

zo Haselünne. Vor drei Jahren wurden die Bürger der ältesten Stadt des Emslandes für ihren Korn- und Hansemarkt mit viel bedacht. Der „Historische Korn- und Hansemarkt Haselünne“ erhielt die Anerkennung zu den „Schönsten Stadtfesten Europas“ zu gehören. „Das wirkt heute noch nach“, heißt es aus dem Vorstand des Vereins „Historischer Korn- und Hansemarkt“.

Die Qualitätsmerkmale machte auch nicht vor den Ohren der Mitwirkenden und Aussteller Halt. „Das hier ist nicht zu überbieten“, sagte Anni Memenga aus Münkeboe in Ostfriesland, die mit ihrem „Dörpsladen“, einem Tante-Emma-Laden der Vorkriegszeit, seit Anbeginn der Haselünner Märkte dabei ist. „Die Leute sind hier so sympathisch und immer für einen Schnack auf Plattdeutsch zu haben“. Der Meinung ist auch Holzschuhmacher Bernhard Berning aus Legden im Landkreis Borken, der schon einige Korn- und Hansemärkte auf dem Buckel hat. „In Haselünne ist das Publikum unheimlich gut drauf und schafft damit eine tolle Atmosphäre. Ich finde vor allem gut, dass es so tolle Nischen für die Stände gibt. So was wie Haselünne mit der Liebe zum Detail wird man so schnell nicht wiederfinden. Da merkt man, die ganze Stadt steht hinter dem Korn- und Hansemarkt“.

Auch Kinderspielzeugmacher Kzik Gmys aus Polen, der zum sechsten Mal in Haselünne dabei war, ist begeistert. „Die Leute hier sind richtig schön neugierig, wollen alles genau erklärt haben. Sie sind alle so nett. Die Atmosphäre hier ist einmalig“. Auch Hutmacherin Frida Pelgrum-Bargeman aus dem niederländischen Vorden, bereits zum vierten Mal dabei, ist hin und weg von Haselünne. „Hier ist alles anders als anderswo. Jedes Mal ist Haselünne ein wunderbares Fest. Da darf man nicht fehlen. Die Leute. Man merkt es, wollen vor allem Spaß haben“.

Spaß hatten auch Blaudruckerin Margret Heinicke und das Publikum. „Eigentlich müsste ich nach Hause in Aschendorf fahren, um zu drucken. Das Geschäft läuft verdammt gut“, da war der Markt noch nicht einmal einen Tag alt. „Hier ist der Bär los.“ Das meinte auch „Gnomie“ Jansen, Wirt des Burgkellers und der Ziegentränke, am Stand der Münzpräge. „Alle sind verrückt nach dem Haselünner-Taler. Das bürgerliche Volk hat die Marktatmosphäre voll angenommen.“

„Haselünne ist schon was Besonderes“, weiß auch „Hindrik de Sölter“ (Wolfgang Lennarz) aus Bremen, der mindestens 30 Märkte pro Jahr als Salzmacher besucht und zum ersten Mal in Haselünne dabei war. „Das hier ist schon was Besonderes. Da steht ein engagierter Verein dahinter, der sich um seine Marktbeschicker rührend kümmert. Der Markt hier braucht keine Konkurrenz zu fürchten. Es ist ganz selten, dass wie hier eine ganze Stadt bespielt wird. Sehr gut gefällt mir, dass der Markt verschiedene Öffnungszeiten hat. Für uns reicht 18 Uhr aus. Die Versorgungsstände sind aber noch Stunden länger geöffnet.“

Der niederländische Beutelmacher Erik Nummedor aus Hengelo rundet das ganze Thema Korn- und Hansemarkt ab: „Haselünne ist kein gewöhnlicher Mittelaltermarkt. Er ist vielleicht der schönste überhaupt“, sagte „De Buidelaer“ aus Hengelo, der im Jahr viele Mittelaltermärkte in Deutschland und in den Niederlanden besucht. Und Jaqueline Birke von der Gerberei Birke aus Mettingen ergänzte als gelernte Veranstaltungskauffrau, „Haselünne ist der Markt, wo das Mittelalterfest am professionellsten umgesetzt wird.“