Deutsche Klassik trifft französische Leichtigkeit Holzbläserquartett Correlatif überzeugt in Haselünne

Von Daniel Lösker

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Das Ensemble Correlatif interpretiert deutsche und französische Werke auf hohem Niveau. Foto: Daniel LoeskerDas Ensemble Correlatif interpretiert deutsche und französische Werke auf hohem Niveau. Foto: Daniel Loesker

dloe Haselünne. Eine überzeugende Darbietung hat das Holzbläserquartett Correlatif beim dritten Klosterkirchenkonzert des Jahres in Haselünne präsentiert.

Es ist in der Kammermusik so eine Sache mit den Holzbläsern. So richtig alleine musizieren lassen wollen sie die wenigsten Komponisten. Deshalb kommt zu Flöte, Oboe, Klarinette und Fagott in den meisten Fällen das Blechblasinstrument Horn dazu und vervollständigt ein Quintett.

Dies aber wollten und wollen die Instrumentalisten des Ensembles Correlatif nicht ohne Weiteres akzeptieren. Sie verzichten auf die Fünfstimmigkeit und sind „Das Holzbläserquartett“. Doch nun kommt die eigentliche Crux. Wie schon angedeutet, gibt es keine große Auswahl an Originalliteratur. Da hilft die Kunst der Bearbeitung.

Musik für Automaten

Ludwig van Beethovens „Drei Stücke für die Flötenuhr“ und Wolfgang Amadeus Mozarts „Andante F-Dur für ein Orgelwerk in einer Uhr“ sind – wie die Bezeichnungen bereits verraten – nicht für gewöhnliche Instrumente geschrieben. Sie wurden für einen damals sehr beliebten Musikautomaten komponiert. Wenn man so will, ein Vorgänger unserer heutigen Handytöne, nur kunstvoller. (Weiterlesen: Ensemble bereitet grandioses Vergnügen)

Während Christian Strube (Flöte), Marion Klotz (Oboe), Matthias Beltz (Klarinette) und Anne Steinbach (Fagott) der Spagat zwischen den ungemein technischen Anforderungen – beide Komponisten trauten dem Automaten Spielfertigkeiten zu, die der Mensch nur schwer ersetzen kann – und der, der Maschine nicht zur Verfügung stehenden großen Musikalität im Beethoven hervorragend gelingt, schleichen sich bei Mozart ungeahnte Konzentrationsfehler ein. Diese trüben das ansonsten hervorragende Gesamtbild leicht.

Voller Esprit

Absolut überzeugend und mit umwerfender Virtuosität sowie erstaunlicher Präzision gelingen die Werke von Marcel Bitsch, Eugène Bozza und Jean Françaix. Gerade letztgenanntes, ein Quartett für diese Originalbesetzung, ist voller Esprit. Dankbar saugen die Protagonisten die Partitur in sich auf, die – wie so oft bei diesem Komponisten – nur so strotzt vor geistreichen, witzigen und klangprächtigen Einfällen. Hier kann das Ensemble seine ungeheure Musikalität unter Beweis stellen. Ein großes Bravo dafür.

Der Franzose Marcel Bitsch ist selbst in Fachkreisen ein relativ unbeschriebenes Blatt am Komponistenbaum. Das dies nicht so sein muss, zeigt sein „Divertissement“ von 1947. Das dreisätzige Werk kann mit großer impressionistischer Klangpracht aufwarten. Eine Fuge, die den letzten Teil bildet, gelingt eher zur Karikatur einer solchen, wird sehr französisch. Die Kontrapunktik scheint im Raum zu verschwinden, obwohl sie immer vorhanden ist. Vortrefflich!

Virtuos und klangschön

Die vom Publikum kaum zu erahnenden Schwierigkeiten, die der Komponist seinen Interpreten stellt, meistern Correlatif atemberaubend souverän. Steinbach am Fagott zaubert, Beltz lässt seine Klarinette durch ungeahnte virtuose Schwierigkeiten gleiten, die Oboe von Klotz prägt mit ihrem sonoren weichen Farbton den Gesamtklang und Strubes Flöte brilliert ebenso virtuos wie klangschön.

Warum die Vier allerdings die „Quatre Intermezzi“ von Joseph Lauber ausgerechnet am Schluss des Programms aufführen, bleibt ihr Geheimnis. Der weitestgehend von der Musikgeschichte unbeachtete Tonsetzer kommt über gelegentlich vortreffliche musikalische Einfälle selten hinaus. Ein Werk zwischen Schubert und frühem Impressionismus. Von daher sicher passend für die Chronologie des Abends, aber auch nicht mehr.


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