Prävention und Hygiene Haselünner Oberärztin kämpft gegen Krankenhauskeime

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Haselünne. Sebnem Kaynak hat eine wichtige Funktion im Haselünner St.-Vinzenz-Hospital: Keimprävention. Dazu werden zahlreiche Maßnahmen initiiert.

Zwar gebe es, wie die Leitende Oberärztin für Krankenhaus-Hygiene im Interview sagt, im Haselünner Krankenhaus „keine Besonderheiten hinsichtlich Keimübertragung“. Allgemein aber machten „die vielen anderen multiresistenten Keime Probleme“. Gegen sie gebe es nur noch wenige wirksame Antibiotika.

Frau Kaynak, seit Mai arbeiten Sie als Krankenhaushygienikerin im St.-Vinzenz-Hospital. Wie sind Ihre ersten Erfahrungen?

Meine ersten Erfahrungen hier sind sehr gut. Am St.-Vinzenz-Hospital hatte die Hygiene immer einen hohen Stellenwert. Ich arbeite in einem gut aufgestellten Hygieneteam, das sehr gute Arbeit leistet und alle neuen Hygienerichtlinien dem Hause angepasst umsetzt. Wir ergänzen uns, auch durch unsere unterschiedlichen Qualifikationen, und erzielen so ein gutes Arbeitsergebnis. Die Tätigkeit als Hygieneärztin ist vielfältig. Hier stehen insbesondere die Patientensicherheit und Prävention von Krankenhausinfektionen im Vordergrund. Mit meiner Einstellung wurde auch eine wichtige Forderung der niedersächsischen Hygieneverordnung (2012) erfüllt.

Welche weiteren wichtigen Aufgabenfelder haben Sie, die im Team bearbeitet werden?

Dazu gehören Unterstützung und Beratung des Ärztlichen Direktors, der Klinikleitung und des Personals des Hygiene-Teams in allen hygienerelevanten Fragestellungen. Wir arbeiten eng zusammen mit den Hygienekräften bei medizinisch-hygienischen Fragestellungen, organisieren Hygienebegehungen und nehmen daran teil. Neben bauhygienischen Stellungnahmen wirken wir bei der Koordination der Surveillance (kontinuierliche Überwachung von Infektionserkrankungen) und dem Einsatz vorbeugender Maßnahmen (Prävention) zum Schutz vor nosokomialen Infektionen und Krankheitserregern mit speziellen Resistenzen und Multiresistenzen wie zum Beispiel MRSA mit. Es gibt regelmäßige Begehungen der Krankenhausbereiche und Überwachung krankenhaushygienischer Maßnahmen. Außerdem führen wir Hygiene-Schulungen der Krankenhausmitarbeiter durch, nehmen Datenerhebungen und Datenbewertungen vor und wirken bei der Aufklärung von Überwachungsketten im Rahmen des Ausbruchsmanagements mit.

Zu den Aufgaben von Ihnen und Ihres Teams gehören vorbeugende Maßnahmen zum Schutz vor Krankheitserregern, die, wie zum Beispiel MRSA, besonders resistent sind. Wie gehen Sie vor?

Wir halten uns an die Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention am Robert-Koch-Institut und machen risikoadaptiert Nasen-Rachen-Abstriche. Wer ein besonderes Risiko hat wie zum Beispiel ältere Patienten, die aus einem Pflegeheim kommen, oder Patienten, die regelmäßig beruflichen direkten Kontakt zu MRSA haben wie zum Beispiel zu landwirtschaftlichen Nutztieren (Schweine, Rinder, Geflügel), bekommen einen Abstrich. Wird in dem Abstrich MRSA nachgewiesen, wird der Patient isoliert und saniert (Dekolonisierung), um den Keim wieder loszuwerden. Aber in besonderem Maße gilt, dass MRSA über direkte oder indirekte Kontakte übertragen wird, kolonisierte Personen geben den Erreger in unterschiedlichem Maße in die Umgebung ab. Die Hände des Personals sind der wichtigste Übertragungsweg von MRSA in Krankenhäusern. Deshalb legen wir den größten Wert auf richtige Händehygiene und schulen sowohl Ärzte als auch die Pflegekräfte, aber auch andere Berufsgruppen wie Therapeuten.

Gab es bisher besondere Auffälligkeiten?

Nein, es gibt keine Besonderheiten hinsichtlich Keimübertragung.

Weiterlesen: Hygiene fängt in unseren Köpfen an – Ein Kommentar

Wie gut ist das Haselünner Krankenhaus in Sachen Hygiene aufgestellt?

Das St.-Vinzenz-Hospital Haselünne ist in hygienerelevanten Themen gut aufgestellt. Das Krankenhausdirektorium, insbesondere der Ärztliche Direktor Dr. Chwallek, haben bereits vor Jahren die Wichtigkeit und Relevanz der Hygiene erkannt und entsprechende Weichenstellungen vorgenommen. Die rechtliche Grundlage hierfür ist das Infektionsschutzgesetz. Zweck des Gesetzes ist es, übertragbaren Krankheiten beim Menschen vorzubeugen, Infektionen frühzeitig zu erkennen und ihre Weiterverbreitung zu verhindern. Im Rahmen der beschriebenen Eigenverantwortung ist es erforderlich, dass wir innerbetriebliche Strukturen und Organisation so gestalten, um den Forderungen gerecht zu werden.

Aktuell begleiten Sie am St.-Vinzenz-Hospital verschiedene umfangreiche Baumaßnahmen ...

Ja. Es gibt mehrere umfangreiche Baumaßnahmen , die sich in der Umsetzungs- bzw. Planungsphase befinden und von der Hygiene begleitet werden. Hier geht es um die hygienische Betreuung der Baumaßnahmen zur Sicherung der ordnungsgemäßen Hygiene auf der Baustelle sowie bei Abschluss der Baumaßnahme die hygienische Abnahme. Demnächst wird der Neubau der Psychiatrischen Institutsambulanz beginnen.

Welche präventiven Maßnahmen ergreift das Haus bei der Aufnahme von Patienten mit Blick auf das Risiko, dass diese Keime einschleusen könnten?

Zur Einschätzung des Infektionsrisikos und der Maßnahmen zur Infektionsprävention werden bei Aufnahme der Patienten risikoadaptierte Screenings auf MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) und andere resistente Keime durchgeführt. Im Ergebnis zeigen sich keinerlei Auffälligkeiten im Vergleich mit anderen regionalen Krankenhäusern hinsichtlich des Übertragungspotenzials. Die MRSA-positiven Befunde sind überwiegend bereits vorher bekannt bzw. mitgebracht und werden nach hausinternen Hygienerichtlinien isoliert und bei Bedarf saniert. MRSA wird überwiegend im Nasen-Rachen-Raum gefunden. Bei der MRSA-Sanierung handelt es sich um Maßnahmen, die durchgeführt werden, um diese Keime zu eliminieren.

Welche Keime machen derzeit in Krankenhäusern die größten Probleme?

MRSA hat sich auf einem Niveau stabilisiert. Derzeit machen uns die vielen anderen multiresistenten Keime Probleme, bei denen man nur noch wenige wirksame Antibiotika hat. Aus diesem Grunde ist es besonders wichtig, achtsam und sparsam mit dem Einsatz von Antibiotika zu sein.

Sie haben vor Kurzem eine Hygienekampagne gestartet. Wie ist die Resonanz?

Die erste Resonanz war besonders positiv, viele Patienten und auch Angehörige haben uns auf die Hygienekampagne angesprochen, viele hatten noch Fragen und haben den Vorstoß, die Hygiene und die vielfältigen Einflüsse darzustellen, besonders gelobt. Wir wollen diese Kampagne fortführen und auch im September, zum Tag der offenen Tür, mit allen ins Gespräch kommen, um die Wichtigkeit und Brisanz des Themas zu diskutieren.


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