Haselünne in alten Ansichten Hochtiedsnöger machte Hochzeiten bekannt

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Haselünne. Vor wenigen Jahren flitzten sie um diese Zeit auf ihren bunt geschmückten „Fietsen“ durch Haselünne: die Hochtiedsnöger.

Schwer „bewaffnet“ mit feinstem Edelkorn, mit Salami und Brot, uniformiert mit Gehrock, einem bunten Hut sowie einem körperlangen Stock, den seidige oder papierene Flatterbänder und Rosen wie ein Indianerschmuck zierten, zogen sie durch die Straßen Haselünnes und die Orte des Umlandes, um einem ausgewählten Personenkreis eine Einladung zur Hochzeit zu überbringen.

Die Hochtiedsnöger waren auf ihrem Drahtesel unterwegs, um die frohe Kunde bei Freunden, Verwandten und Bekannten des Paares von dessen bevorstehender Hochzeit eines ihrer Familienmitglieder kundzutun und sie einzuladen.

Lebendige Tradition

Grund für diese Art der Nachrichtenverbreitung: Viele waren nicht oder nur wenig motorisiert, E-Mail gab es noch nicht. Das Festhalten an lebendigen Traditionen aber war vermutlich der Hauptgrund, der Post die Übermittlung von Einladungskarten und -briefen abzunehmen.

Als Hochtiedsnöger eignete sich nicht jeder. Die Anforderungen waren schließlich hoch. Er musste nicht nur körperlich sehr fit sein, um die zusammengerechnet einige Hundert Kilometer Wegstrecke zu bewältigen, sondern auch fähig sein, in relativ kurzer Zeit einige sogenannte „Kurze“, also Hochprozentiges, verdauen zu können. Denn hatte man erst einmal ein Ziel erreicht und seinen Spruch aufgesagt, wurde der Hochtiedsnöger fürstlich bewirtet. Schließlich war er ja als Überbringer einer Einladung („Hierhän sett ik mienen Stock…“( zur „Gröinen Hochtied“ ein gern gesehener Gast.

Bändchen aus jedem Haus

Nach Verlassen des besuchten Hauses zierte den Handstock des Hochtiedsnögers ein weiteres Bändchen, auf dem sinnigerweise der Name des zusagenden Gastes stand. Diese Hilfestellung war manchmal praktisch, denn mit zunehmendem Promillegehalt wäre nicht jedem mehr jeder Name eingefallen.

Am Ende eines langen und wenig entbehrungsreichen Tages hatte der der Hochtiedsnöger dem Brautpaar seine Erlebnisse zu berichten, bevor dieser abends meist satt und zufrieden ins Reich der Träume entglitt.

Schade eigentlich, dass man diese Boten in Haselünne nicht mehr antrifft.


De Hochtietsnöger

Hierhän sett ik mienen Stock,

drup hang ik mienen Haut.

Un sammle erses nen bitken Maut.

Nu wäset äis mol stille, un hört mi an,

watt ik jau nu vertellen kann.

Ik koam nich vant Finanzamt oder vant Gericht,

dann mök ih wall en anner Gesicht.

Oder dacht ih, dat ik hier hanneln woll?

Oder off ik jau nu nen Staubsauger verkoopen scholl.

Nee dat will ik nich!

Et löpp nich alle Dage äiner rund,

mitn Stock un Haut so bunt.

Un doar fallt jau sicher in,

dat ik de Hochtiedsnöger bin.

Dat Brutpaar Joop un Toni schickt mi her.

Ik schöll jau seggen, dat bolle Hochtied wöer.

An 12. September is de Hochtiedsdach,

do wett fiert mit ach un krach.

Dat Dankamt in St. Vincentius is üm 15 Uhr,

anschließend geiht et bi Deters upn Hoff to Werke.

Fraun un Wichters ih treckt de besten Kleider an,

doarmit man sük säihn loaten kann.

De Kerls mött den Frack afkeern,

un den Boart recht propper scheern.

Oawer ih dröft et uk nich öwerdriewen,

denn de Brutlüe möet de schönsten bliewen.

Up de Hochtiet wet sungen un danzt,

trippelt un trappelt,

dat de Pannen bi Deters uppen Huse wackelt.

Et giv Pulln mit Schluck un Fätter vull Beer,

dat giv ne Menge Pläseer.

Uk dat Äeten schöll gerohen,

man nu will ik jau uk nich noch mehr verroahn.

Ik mott nu noch nen Hus wiedergoahn,

mit de Hochtied dat bliff so bestoahn.

Nu noch nen Gruß van Brut un Brütigam,

ik hoap ih näemt de Inladung an.

Un schölln ih verhindert wäen,

könt ih joa mit de Brautlüe telefonäern.

Doarmit ih niks vergätet bi dütt un bi datt,

krieget ih allet schriftlich up dütt Blatt.

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