Bäume werden beseitigt Vorarbeiten für neue Hasebrücke in Haselünne


Haselünne. Die Vorbereitungen für den Neubau der Hasebrücke in Haselünne haben begonnen. Mehrere Bäume im Bereich der künftigen Widerlager des Bauwerks auf der Westseite müssen beseitig werden. Das geschieht derzeit.

Abgeholzt werden insgesamt 78 Bäume. Der Großteil von ihnen (40 Stück) hat einen Durchmesser von zehn bis 30 Zentimeter. Bisher wurden unter anderem Erlen, Ahorn und Eichen gefällt. Die Arbeiten müssen vor der von April bis Mitte Juli dauernden Brut- und Setzzeit beendet sein.

Nepomuk-Statue abgebaut

Zu den Vorarbeiten gehört auch der Abbau der Nepomuk-Statue . Sie wurde von einer Fachfirma für die Restauration von Naturstein, Steinskulpturen, Mosaiken, Wandmalereien und historischen Putzen abgeholt und prüft, wie der Nepomuk zu restaurieren ist. Die Figur soll später an der Brücke auf der Stadtseite wieder errichtet werden. Die 1,85 Meter große und vor einigen Jahren aufwendig restaurierte Skulptur thront normalerweise auf ihrem 1,55 Meter hohen mehrteiligen Sockel aus verschiedenen Varietäten des Teutoburger Waldsandsteins auf der Hasebrücke zur Lingener Straße hin. Das Kunstwerk stammt vermutlich aus dem Jahr 1783.

62 Meter lang

Die neue Hasebrücke in Haselünne wird östlich des vorhandenen Bauwerkes errichtet. Kostenpunkt der Maßnahme: annähernd vier Millionen Euro plus 50000 Euro für den Grunderwerb. Die Kosten hat der Bund zu tragen. Notwendig wird der Bau, da die alte Brücke in vielen Bereichen (Lager, Betonabdeckungen) saniert werden müsste. Dies hat sich als nicht wirtschaftlich erwiesen. Die Grundsatzfrage für die Lage der neuen Haseüberwegung war schnell geklärt: Sie soll in erheblich begradigter Form nahe der jetzigen entstehen, um die Innenstadt nicht abzuhängen.

Die Brücke wird 62 Meter lang und 17,75 Meter breit. Auf der Westseite soll sie einen 3,50 Meter breiten Geh- und Radweg sowie einen 0,75 Meter breiten Schutzstreifen zur Fahrbahn bekommen. Damit will man eine Querung der B 213 von Fußgängern und Radfahrern im Einmündungsbereich mit der Hasestraße vermeiden.

Fertigstellung Ende 2018?

Der Bauwerksentwurf wird nach Angaben von Klaus Haberland, Leiter des Geschäftsbereichs Lingen der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, derzeit vom Brückendezernat des zentralen Geschäftsbereichs in Hannover erstellt. Im Sommer erfolgt die Ausschreibung, sodass der Auftrag für die Bauarbeiten noch in diesem Jahr erteilt werden könne. Parallel laufen derzeit die Verhandlungen mit den Grundstückseigentümern wegen des Erwerbs der Flächen sowie mit den zum Beispiel lärmmäßig betroffenen Anliegern hinsichtlich der Schutzmaßnahmen und Entschädigungsansprüche.

Die entsprechenden Unterlagen wurden bei der dafür zuständigen Planfeststellungsbehörde beim Landkreis Emsland eingereicht und die Durchführung des Verfahrens beantragt.

Die Hauptbautätigkeit wird sich über die Jahre 2017 und 2018 erstrecken. Fertiggesellt sein soll die neue Hasebrücke Ende 2018.


Historie der Haselünner Hasebrücke

März 1953. Die neue Hasebrücke in Haselünne wird für den Verkehr freigegeben. Ein Ereignis, das die Bürger beeindruckte.

Die Notwendigkeit einer Überbrückung der Hase wurde früh erkannt. Germanen gründeten lange vor Beginn unserer Zeitrechnung im Bereich der heutigen Hofstätte in Haselünne eine Siedlung. Ausgedehnte Heideflächen und große Moore umgaben diesen vorgeschichtlichen Wohnsitz. Diese Siedler schufen einen Haseübergang, indem sie Rundhölzer (lunni, lunne, lünne=Rollstock) in das Flussbett legten, sodass Lasten über das untergelegte Holz gerollt werden konnten. An seine Stelle trat eine Fahrbrücke. Die Haselünner Hasebrücke war jahrhundertelang eine Holzbrücke, die oft durch Hochwasser und Eis beschädigt wurde. Dies ist alten Haselünnern aus Erzählungen noch bekannt.

Die erste massive Brücke 1922 war dementsprechend ein besonderer Meilenstein. 1927/28 wurde im Auftrag des Landwirtschaftsministeriums Berlin eine Stahlbetonbrücke erbaut. Zwei Mittelpfeiler waren auf Rundholzpfählen mit Spundwand aus Holz gegründet. Diese Brücke, die die Hase in leichtem Schwung überquerte, wurde im Februar 1945 von einem englischen Tiefflieger durch Bombenabwurf zerstört. Das Fundament des stadtseitigen Pfeilers war getroffen worden.

Ende April 1945 ließ die englische Militärverwaltung über die Trümmer dieser Brücke eine zweite Eisenträgerbrücke legen. Von Sommer 1952 bis Frühjahr 1953 schuf eine Firma aus Dortmund eine neue Stahlbetonbrücke, die dem zunehmenden Verkehr gerecht werden sollte. Sie wurde am 3. März 1953 eingeweiht.

Planer und Erbauer der Hasebrücke machten sich immer wieder viele Gedanken um die Gestaltung der Überwegung – auch aus künstlerischer Sicht. Wenige Jahre nach dem 2. Weltkrieg wurden die Brückenfeiler mit Skulpturen, die an Not, Elend und Verbrechen des Weltkrieges erinnern, verziert. Eines der ältesten öffentlichen Kunstwerke ist der Nepomuk, der seit Jahrhunderten ein Symbol des Schutzes des Haseübergangs ist. Er hatte seit 1953 an der südlichen Seite an der Hase seinen Platz. Vorher war sein Standort auf der nördlichen Seite. Mit dem Brückenneubau muss er wieder einmal seinen Standort wechseln. cw

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