Klage gegen Ströer Vergleich erzielt: Haselünner SV zahlt 210.000 Euro

Die Mitglieder des Haselünner SV informierte Robert Koop (links) über den Stand der Ermittlungen und Verfahren der Zoll- und Finanzbehörden. Rechts neben Koop Vereinschef Gerd Papenbrock. Foto: Georg HiemannDie Mitglieder des Haselünner SV informierte Robert Koop (links) über den Stand der Ermittlungen und Verfahren der Zoll- und Finanzbehörden. Rechts neben Koop Vereinschef Gerd Papenbrock. Foto: Georg Hiemann

Haselünne. Der Haselünner SV steht im Fokus von Ermittlungen der Zoll- und Finanzbehörden. „Nach vielen Gesprächen haben wir mit den Behörden eine Einigung erzielen können. Der HSV muss je 105.000 Euro an das Finanzamt und die Deutsche Rentenversicherung nachzahlen“, teilte Vorsitzender Gerd Papenbrock auf der sehr gut besuchten Mitgliederversammlung mit.

Dafür habe man einen Kredit über 200.000 Euro aufgenommen, für den ehemalige und jetzige Vorstandsmitglieder die persönliche Bürgschaft übernommen haben. „Der Verein muss weiterleben, wir haben auch eine soziale Verpflichtung in Haselünne“.

Jetzt haben die Vereinsmitglieder des Haselünner Sportvereins Antworten erhalten, nachdem eine einstweilige Verfügung dies auf der letzten Versammlung verhindert hatte. „Die ist jetzt aber wieder vom Amtsgericht Meppen aufgehoben worden“, teilte Rechtsanwalt Robert Koop mit, der gemeinsam mit seinem Kollegen Daniel Halver den HSV seit gut einem Jahr vertritt.

Nach den bisherigen Ermittlungen habe Norbert Ströer, ehemaliger zweiter Vorsitzender des HSV, nach eigenem Gutdünken mit Spielern der 1. Herrenfußballmannschaft Vereinbarungen über zusätzliche Zahlungen an die Spieler geschlossen. „Diese erfolgten alle, ohne dass die jetzigen Vorstandsmitglieder informiert wurden. Involviert war nach Angaben der Spieler Jörn Härtel und Marcel Piesche auch Georg Brümmer, ehemaliger Verantwortlicher in der Fußballabteilung“, nannte Koop Ross und Reiter. Außerdem seien diversen Spielern Sachzuwendungen zugeflossen in Form von Tankgutscheinen, aber auch in Form von Pkws, die zur Verfügung gestellt wurden. Außerdem habe Norbert Ströer ohne Kenntnis des Vorstandes Ausrüstungsgegenstände wie Spielertrikots im Namen des Vereins geordert, obwohl er nach seinem Ausscheiden als Verantwortlicher in 2014 hierzu nicht mehr befugt gewesen sei.

Ungläubiges Staunen der Mitglieder

Ausführlich berichtete Koop über den Ursprung der Ermittlungen und den bisherigen Verlauf. Kopfschütteln und ungläubiges Staunen bei den Mitgliedern, als Koop über derzeitige Ermittlungen gegen Norbert Ströer berichtete, der „in betrügerischer Art und Weise 164 Schadenfälle als Schadensregulierungsbevollmächtigter zum Nachteil einer Versicherung abgerechnet habe. Ströer habe sich unter anderem des Kontos von Christian Brümmer bedient, um hierüber die Zahlungen abzuwickeln, und habe Brümmer zu Barabhebungen wie Aushändigung von Blanko-Überweisungsträgern veranlasst, „die Ströer dann selbst zugunsten der von ihm bedachten Spieler des HSV verwandte“. Dass mit den Geldern Spieler des HSV bedacht wurden, habe Christian Brümmer bereits Ende Januar 2015 gegenüber den ermittelnden Polizeibeamten angegeben.

Klage gegen Papenbrock

Koop teilte weiter mit, dass der HSV-Vorsitzende Papenbrock gegen die einstweilige Verfügung Widerspruch eingelegt habe. Diesem habe das Amtsgericht Meppen stattgegeben. Parallel zu dem Verfügungsverfahren habe Ströer gegen Papenbrock eine Klage beim Amtsgericht Meppen eingereicht, mit der er wiederum Papenbrock untersagen lassen wolle, den Inhalt des Vorwortes aus der Vereinszeitung zu verbreiten. „Dieses Verfahren ist an das Landgericht Osnabrück abgegeben worden und noch nicht abgeschlossen“, so Koop.

Zusatzvereinbarungen

Der Verein habe Klage gegen Norbert Ströer beim Landgericht Osnabrück eingereicht, mit dem Antrag, gerichtlich feststellen zu lassen, dass Norbert Ströer für die jetzt vom Verein zu zahlenden Steuer- und Sozialabgaben haften müsse. Dies bestreite Ströer zwar, „aber inzwischen haben mehrere Spieler, wie Jörn Härtel und Marcel Piesche bestätigt, mit Norbert Ströer und Georg Brümmer zusätzliche Vereinbarungen über Spielergehälter ausgehandelt zu haben“. Außerdem habe Piesche über seine Rechtsanwältin mitgeteilt, dass „auch Patrick Schnettberg, Erdem Cosar, Leo Homann und Andre Beyer Zusatzvereinbarungen mit Ströer ausgehandelt haben.“

Verfahren beim Landgericht

Noch nicht abgeschlossen sei die Klage von Georg Brümmer gegen den Verein. Brümmer wolle, dass der HSV es unterlässt, den im Vorwort der Vereinszeitung geschilderten Sachverhalt weiter zu verbreiten und er wolle, dass der Verein den dort dargelegten Sachverhalt widerruft. Das Verfahren läuft beim Landgericht Osnabrück. Der ehemalige Spieler Jörn Härtel hatte den Verein auf Zahlungen aus der Zusatzvereinbarung verklagt. „Dieses Verfahren ist beendet, da Härtel beim Arbeitsgericht Lingen nicht darlegen konnte, dass Norbert Ströer und Georg Brümmer vom Vorstand des HSV zum Abschluss der Zusatzvereinbarung bevollmächtigt gewesen sind.“ Dies zeige auch, so Koop, dass weder Ströer noch Brümmer bevollmächtigt gewesen seien, für den Verein irgendwelche zusätzlichen Vereinbarungen über Spielergehälter oder sonstige Sachzuwendungen abzuschließen. Die Forderungen von Marcel Piesche habe der Verein ebenfalls zurückgewiesen, ein gerichtliches Verfahren sei nicht anhängig. Schließlich teilte Koop mit, dass der Verein mit dem Sportartikelhersteller Cawila eine Einigung erzielen konnte und die geforderten 6.000 Euro für von Ströer bestellte Ausstattungsware reduzieren konnte.

164 Fälle

Deutlich sagte Koop auf entsprechende Fragen der Mitglieder: „Steuerrechtlich und von der Sozialversicherung wird trotz der Sauereien der Verein zur Rechenschaft gezogen“.Leider sei der Zollbericht bis zur Mitgliederversammlung noch nicht vorgelegt worden. Gegen Norbert Ströer handele es sich bis jetzt „um einen Verdacht. Es müssen noch 164 Fälle aufgearbeitet werden, bevor es zu einer Anklage kommt“. Klage auf Schadensersatz gegen Ströer habe der Verein bereits eingereicht. Gegen Georg Brümmer wird noch geprüft, ob auch hier Klage auf Schadenersatz eingereicht wird. Für den Verein bleibe interessant, inwieweit die „Geldwäscher“ für den Schaden mitverantwortlich gemacht werden könnten. Koop hoffte, „dass die Klagen der Behörden gegen die Vorstandsmitglieder eingestellt werden“.


Chronologie der Ereignisse

8. November 2014: Der Geschäftsführer der Fußballabteilung des HSV, Norbert Ströer, wird vom Hauptvorstand suspendiert. Ströer weist den Vorwurf, Spieler seien schwarz bezahlt worden, zurück.

2. Dezember 2014: Der Leiter der Fußballabteilung, Georg Brümmer, informiert den Verein, dass er sein Amt mit Ende der Hinrunde aus gesundheitlichen Gründen niederlegen werde. Der Hauptvorstand hatte ihn zuvor per E-Mail zum Rücktritt aufgefordert.

10. Dezember 2014: Bei einer Sitzung mit Trainerstab und Spielern der Bezirksligamannschaft sowie den verbliebenen Vorstandsmitgliedern der Fußballabteilung verkündet der Hauptvorstand des Haselünner SV, dass kein Geld mehr für die Rückrunde vorhanden ist. „Die finanzielle Situation ist angespannt“, erklärt Gerd Papenbrock.

27. Januar 2015: Es gibt Durchsuchungen durch den Zoll bei sieben aktuellen beziehungsweise ehemaligen Vorstandsmitgliedern. Wegen des Verdachts des Vorenthaltens und Veruntreuens von Arbeitsentgelten (Paragraf 266a StGB) läuft ein Ermittlungsverfahren – zumindest in der Zeit vom 1. Januar 2012 bis 30. September 2014. Gesucht werden Stundenaufzeichnungen, Trainingspläne, Gehaltsmitteillungen, Kontoauszüge, Spielerverträge, Rechnungen und Buchführungsunterlagen.

28. Januar 2015: Der HSV-Vorsitzende Gerhard Papenbrock erklärt, dass die am 13. Februar geplante Mitgliederversammlung stattfinden soll. Vier Tage vor der geplanten Mitgliederversammlung gibt es die Absage. Man habe sie auf Anraten eines Rechtsbeistandes abgesagt, teilte der Verein mit. Weil es sich um ein laufendes Verfahren gegen mehrere Personen handle, könne man momentan keine Stellungnahme abgeben.

7. April 2015: Der Vereinsvorstand verkündet in einer Pressemitteilung, dass er ein Vereinsausschlussverfahren gegen den ehemaligen Leiter der Fußballabteilung, Georg Brümmer, und den ehemaligen stellvertretenden Vereinsvorsitzenden Norbert Ströer eingeleitet hat.

30. September 2015: Der Haselünner SV leitet nach Angaben des Vereinsvorstandes zivilrechtliche Schritte gegen ehemalige Verantwortliche und Spieler ein. Grundlage sei die Auswertung der von den Behörden zur Verfügung gestellten Unterlagen. „Die dem Verein vorliegenden Unterlagen belegen, dass über Konten, die vereinsfremden Personen gehörten, Gelder an Spieler der damaligen Bezirksligamannschaft gezahlt wurden“, heißt es in seiner Presseerklärung des Vorstands. Zudem seien einigen Spielern Pkw gestellt „und Tankrechnungen in erheblichem Umfang am Verein vorbei finanziert worden“. Von diesen Konten habe der Vereinsvorstand weder Kenntnis noch Zugriff darauf gehabt.

23. Oktober 2015: Der Verein will seine Mitglieder über den Stand der Steuerermittlungen und Nachzahlungen der sozialversicherungspflichtigen Abgaben informieren, wird aber knapp eine Stunde vor dem Beginn der Versammlung durch eine einstweilige Verfügung gestoppt, die durch einen Obergerichtsvollzieher bei Papenbrock abgegeben wurde.

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