Klage gegen Ströer Vergleich erzielt: Haselünner SV zahlt 210.000 Euro

Von Georg Hiemann

Die Mitglieder des Haselünner SV informierte Robert Koop (links) über den Stand der Ermittlungen und Verfahren der Zoll- und Finanzbehörden. Rechts neben Koop Vereinschef Gerd Papenbrock. Foto: Georg HiemannDie Mitglieder des Haselünner SV informierte Robert Koop (links) über den Stand der Ermittlungen und Verfahren der Zoll- und Finanzbehörden. Rechts neben Koop Vereinschef Gerd Papenbrock. Foto: Georg Hiemann

Haselünne. Der Haselünner SV steht im Fokus von Ermittlungen der Zoll- und Finanzbehörden. „Nach vielen Gesprächen haben wir mit den Behörden eine Einigung erzielen können. Der HSV muss je 105.000 Euro an das Finanzamt und die Deutsche Rentenversicherung nachzahlen“, teilte Vorsitzender Gerd Papenbrock auf der sehr gut besuchten Mitgliederversammlung mit.

Dafür habe man einen Kredit über 200.000 Euro aufgenommen, für den ehemalige und jetzige Vorstandsmitglieder die persönliche Bürgschaft übernommen haben. „Der Verein muss weiterleben, wir haben auch eine soziale Verpflichtung in Haselünne“.

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Chronologie der Ereignisse

8. November 2014: Der Geschäftsführer der Fußballabteilung des HSV, Norbert Ströer, wird vom Hauptvorstand suspendiert. Ströer weist den Vorwurf, Spieler seien schwarz bezahlt worden, zurück.

2. Dezember 2014: Der Leiter der Fußballabteilung, Georg Brümmer, informiert den Verein, dass er sein Amt mit Ende der Hinrunde aus gesundheitlichen Gründen niederlegen werde. Der Hauptvorstand hatte ihn zuvor per E-Mail zum Rücktritt aufgefordert.

10. Dezember 2014: Bei einer Sitzung mit Trainerstab und Spielern der Bezirksligamannschaft sowie den verbliebenen Vorstandsmitgliedern der Fußballabteilung verkündet der Hauptvorstand des Haselünner SV, dass kein Geld mehr für die Rückrunde vorhanden ist. „Die finanzielle Situation ist angespannt“, erklärt Gerd Papenbrock.

27. Januar 2015: Es gibt Durchsuchungen durch den Zoll bei sieben aktuellen beziehungsweise ehemaligen Vorstandsmitgliedern. Wegen des Verdachts des Vorenthaltens und Veruntreuens von Arbeitsentgelten (Paragraf 266a StGB) läuft ein Ermittlungsverfahren – zumindest in der Zeit vom 1. Januar 2012 bis 30. September 2014. Gesucht werden Stundenaufzeichnungen, Trainingspläne, Gehaltsmitteillungen, Kontoauszüge, Spielerverträge, Rechnungen und Buchführungsunterlagen.

28. Januar 2015: Der HSV-Vorsitzende Gerhard Papenbrock erklärt, dass die am 13. Februar geplante Mitgliederversammlung stattfinden soll. Vier Tage vor der geplanten Mitgliederversammlung gibt es die Absage. Man habe sie auf Anraten eines Rechtsbeistandes abgesagt, teilte der Verein mit. Weil es sich um ein laufendes Verfahren gegen mehrere Personen handle, könne man momentan keine Stellungnahme abgeben.

7. April 2015: Der Vereinsvorstand verkündet in einer Pressemitteilung, dass er ein Vereinsausschlussverfahren gegen den ehemaligen Leiter der Fußballabteilung, Georg Brümmer, und den ehemaligen stellvertretenden Vereinsvorsitzenden Norbert Ströer eingeleitet hat.

30. September 2015: Der Haselünner SV leitet nach Angaben des Vereinsvorstandes zivilrechtliche Schritte gegen ehemalige Verantwortliche und Spieler ein. Grundlage sei die Auswertung der von den Behörden zur Verfügung gestellten Unterlagen. „Die dem Verein vorliegenden Unterlagen belegen, dass über Konten, die vereinsfremden Personen gehörten, Gelder an Spieler der damaligen Bezirksligamannschaft gezahlt wurden“, heißt es in seiner Presseerklärung des Vorstands. Zudem seien einigen Spielern Pkw gestellt „und Tankrechnungen in erheblichem Umfang am Verein vorbei finanziert worden“. Von diesen Konten habe der Vereinsvorstand weder Kenntnis noch Zugriff darauf gehabt.

23. Oktober 2015: Der Verein will seine Mitglieder über den Stand der Steuerermittlungen und Nachzahlungen der sozialversicherungspflichtigen Abgaben informieren, wird aber knapp eine Stunde vor dem Beginn der Versammlung durch eine einstweilige Verfügung gestoppt, die durch einen Obergerichtsvollzieher bei Papenbrock abgegeben wurde.

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