„Jeder kann bei Integration helfen“ Infoabend zur Flüchtlingssituation in Haselünne

Elisabeth Tebben (von links) dankte den Podiumsteilnehmern Anja Mimjähner, Detlef Perk, Gertraud Liening-Ewert, Margret Berentzen und Werner Schräer für ihre Ausführungen und händigte Berentzen und Liening-Ewert je eine Spende der Kolpingsfamilie von 500 Euro aus. Foto: Helmut DiersElisabeth Tebben (von links) dankte den Podiumsteilnehmern Anja Mimjähner, Detlef Perk, Gertraud Liening-Ewert, Margret Berentzen und Werner Schräer für ihre Ausführungen und händigte Berentzen und Liening-Ewert je eine Spende der Kolpingsfamilie von 500 Euro aus. Foto: Helmut Diers

Haselünne. Rund 200 Bürger waren der Einladung der Kolpingfamilie Haselünne zum Informationsabend ins Kolpinghaus gefolgt. In der rund zweistündigen Veranstaltung referierten Haselünnes Bürgermeister Werner Schräer und Flüchtlingsbetreuer über die aktuelle Situation der Asylsuchenden. Kolping-Präses Kaplan Detlef Perk moderierte.

Mit einem kurzen Film, der einige Hintergründe der weltweiten Flüchtlingssituation aufdeckte und erläuterte, wer eigentlich als Flüchtling gilt, beleuchtete Schräer in Einzelheiten, „was die Bürger und uns in der Verwaltung in der Flüchtlingsfrage beschäftigt“. Zurzeit müsse die Stadt 170 Flüchtlinge aufnehmen. Diese seien bislang dezentral in rund 40 Wohneinheiten in der Stadt untergebracht. Momentan seien drei Wohnungen für Familien übrig.

Einige Zuwanderer abgeschoben

„Wir sind bemüht, immer zwei bis drei Wohnungen auf Vorrat zu haben“, sagte Schräer und bat die Bürger, dem Fachbereich Arbeit und Soziales im Rathaus freie Wohnungen zu melden. Dort nehme man auch gern Geldspenden an, die komplett in die Flüchtlingshilfe fließen. 70 Prozent der Flüchtlinge seien in der Spitze aus den Balkanstaaten gewesen. Einige von ihnen seien schon rückgeführt worden beziehungsweise würden vermutlich noch abgeschoben.

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Haselünne habe verzeichnet, dass überwiegend Familien der Stadt zugewiesen wurden. „Im Moment haben wir nur fünf alleinstehende Männer unter den Asylsuchenden“. Schräer verhehlte nicht, dass Familien andere Probleme als Einzelpersonen schaffen würden, wenn man an mangelnde Kita- oder Schulplätze denke. Er dankte besonders dem Initiativkreis, dem Kleiderlädchen, den Kindergärten und Schulen sowie den vielen Ehrenamtlichen der Stadt, welche die Flüchtlingsproblematik mit all ihren Facetten mitbewältigen.

Vermutlich 30 weitere Wohnungen nötig

Vorausschauend ins nächste Jahr rechnet Schräer mit einer neuen Zuteilungsquote für die Stadt, „bei der ich von etwa der gleichen Größenordnung wie heute ausgehe.“ Das stelle die Stadt vor ein großes Problem, denn es müssten nochmals rund 30 Wohnungen mehr vorgehalten werden. „Vermutlich werden wir mit der einen oder anderen Familie auf die Ortschaften ausweichen müssen“. Der Rathauschef war sich sicher, „dass wir das Flüchtlingsproblem bei halbwegs gleichen Zahlen wie bisher gut in den Griff bekommen.“

Was außerhalb der Verwaltung zur Integration und Betreuung der Flüchtlinge in der Stadt passiert, darüber berichteten Ehrenamtler. Margret Berentzen vom „Initiativkreis familienfreundliche Stadt“ erklärte den Ablauf der Ankunft und Abschiebung der Flüchtlinge, der Dolmetschersuche und wie eingesetzte Familienpaten arbeiten. Viele Flüchtlinge treffen sich zum Austausch donnerstags im „Internationalen Café“ im Haus der Begegnung .

Sie warb um weitere Freiwillige für die Flüchtlingsbetreuung. „Es kann jeder sehr gut bei der Integration mithelfen“.

Weitere Helfer gesucht

Liening-Ewert betreibt das Kleiderlädchen des Vinzenzkreises in der Neustadtstraße 10. Sie bat die Bürger, weitere Spenden, besonders warme Winterkleidung abzugeben. Anja Mimjähner vom Kindergarten St. Ursula vermeldete, dass dort seit Jahren international und multikulturell gearbeitet werde. Sie berichtete, dass 20 Prozent der Kinder einen Migrationshintergrund haben und lobte, dass die Stadt eine dritte Kindertagesstätte bauen wolle, um dem derzeitigen Platzbedarf gerecht zu werden.

Wie Integration gelingt, dafür hatte Mimjähner eine einfache Erklärung: „Wir zeigen allen gegenüber eine offene Haltung“. Zur Unterstützung der Flüchtlingsarbeit überreichte die Kolpingvorsitzende Elisabeth Tebben Berentzen und Liening-Ewert je eine Spende in Höhe von 500 Euro.


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