Treffpunkt für Einheimische und Flüchtlinge Internationales Café in Haselünne

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Haselünne. Es duftet nach Kaffee und Plätzchen. Die Tische sind voll besetzt. Die Menschen daran unterhalten sich angeregt, einige gestikulieren mit den Händen. Auf den ersten flüchtigen Blick sieht es in dem Raum im neuen Haselünner Haus der Begegnung nach einem, wenn auch eher schlicht eingerichteten, normalen Café aus. Das ist es aber nicht. Es ist das Internationale Café, ein Treffpunkt zum Kennenlernen für Einheimische und Flüchtlinge.

Die Idee zu der Einrichtung im umgebauten ehemaligen Pfarrheim am Krummen Dreh hatte der Initiativkreis Familienfreundliche Stadt Haselünne. Schnell waren viele Helfer gefunden. Die ehrenamtlichen Familienpaten des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) aus Haselünne zum Beispiel haben die Organisation übernommen, decken die Tische jeden Donnerstag ein.

Spaß in der Spielecke

Barrieren zwischen Haselünnern und Flüchtlingen scheint es nicht zu geben. Die Gruppen derer, die schon lange in Haselünne leben, und die der Schutzsuchenden sind etwa gleich groß, mischen sich an den Tischen. Kontakte entstehen. Unter den Erwachsenen und erst recht unter den Kindern. Sprachprobleme gibt es nicht. Das Spiel ist die verbindende Sprache. In der mit Teppichboden ausgelegten und zur Spiellandschaft umfunktionierten Meditationsecke haben sie sichtlich Spaß, bauen zusammen bunte Türme aus kleinen Stickteilen.

Auch Deutschkurs für Flüchtlinge

Vor gut einer Woche hat das Internationale Café in Haselünne seine Türen geöffnet. Es soll, so Margret Berentzen, Vorsitzende des Initiativkreises Familienfreundliche Stadt, ein ständiger Ort der Begegnung sein. Ein Ort, das wünschten sich auch Bürgermeister Werner Schräer und Kaplan Detlef Perk bei der Eröffnung, in dem sich die Menschen kennenlernen. Dass die katholische Kirchengemeinde St. Vincentius dafür Platz zur Verfügung stellt, sei großartig.

Deutsche Sprache schnell lernen

Platz ist hier nicht nur zum gemeinsamen Kaffee- und Teetrinken, sondern auch für einen Deutschkurs für die Flüchtlinge. Den bieten Richard Eisenbarth und Hermine Deters von der Volkshochschule montags, dienstags und mittwochs vor- und nachmittags an. Die deutsche Sprache schnell zu lernen ist für viele von ihnen wichtig. Ein Großteil braucht immer noch die Hilfe von Dolmetschern. Zwei von denen sind Kawa Ibrahim Khalil und seine Frau Tmiman Shukri Daoud. Die beiden Iraker sind selbst Flüchtlinge und leben seit 18 Jahren mit ihren Kindern in Haselünne. Der Muslim verließ von einem Tag auf den anderen seine Heimat – aus Angst vor den Kämpfern Saddam Husseins ( wir berichteten ). Noch heute spürt er die Folgen des Krieges in seinem Heimatland körperlich: Als er Soldat war, bohrte sich ein Splitter einer explodierten Bombe in seinen Kopf.

Familie aus dem Irak hilft als Dolmetscher

In Haselünne lebt die inzwischen achtköpfige Familie in einem kleinen Häuschen. Dass sich die Eheleute in der Flüchtlingshilfe engagieren, dolmetschen, Fremden bei Erledigungen zur Seite stehen, finden sie selbstverständlich. Weiterer Dolmetscher ist Sokul Junker, der für die Flüchtlinge aus dem Balkan übersetzt. Auch er engagiert sich ehrenamtlich und begleitet Margret Berentzen – wie die Ibrahims – ständig zu den Flüchtlingsfamilien.

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Zur zweiten Heimat werden soll Haselünne für einen Großteil der Flüchtlinge, die an diesem Donnerstagmorgen im Internationalen Café sitzen. Sie kommen unter anderem aus Syrien, Albanien und dem Irak.

Die Verständigung klappt unter den Besuchern. „Manchmal reden wir mit Händen und Füßen, einige sprechen schon gut Deutsch. Die Atmosphäre ist einfach herzlich und schön. Wir sind eine große Familie“, sagt Jörg Urboneit. Er ist einer der Haselünner Besucher in dem Café.

„Der Terror des IS ist so schlimm“

Einen Tisch weiter sitzt Anjeza Cerriku mit ihrem Mann und ihrer jüngsten Tochter Amelia. Das Café findet sie toll. Hier könne sie gut und schnell Deutsch lernen, sagt die Albanerin in einer Mischung aus Deutsch und Englisch. Sich schnell richtig verständigen zu können ist ihr wichtig: „Die Menschen in Haselünne sind alle so hilfsbereit. Sie haben mit Kleidung geholfen. Wir sind so toll integriert. Ich schlafe nachts gut“, sagt die 28-Jährige lächelnd. Sie flüchtete vor neun Monaten aus Albanien.

„Hier seid ihr in Sicherheit“

Am Nebentisch diskutieren ein paar Männer aus Syrien. Sie sprechen über die Anschläge von Paris. Der Terror des IS ist so schlimm“, sagt einer nachdenklich. „Alle halten uns jetzt für gefährlich. Wir sind doch aber selbst vor dem IS geflohen“, fügt ein anderer leise hinzu. In dem Moment legt ein Haselünner seine Hand auf die Schulter des Flüchtlings. Er sagt nicht viel. Nur das: „Hier seid ihr in Sicherheit.“


Das Internationale Café im neuen Pfarrzentrum in Haselünne, Krummer Dreh, ist jeden Donnerstag von 10 bis 11.30 Uhr geöffnet.

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