Spritzig, witzig, böse und frech Kabarett Storno überzeugt im Hasetor Haselünne

Von Iris Kroehnert


Haselünne. Von wegen dröge Westfalen: Beim Kabarett im Hasetor ging dank Thomas Philipzen, Harald Funke und Jochen Rüther die Post ab. Spritzig, witzig, hintersinnig, böse, frech und vor allem wortgewaltig sorgten die drei Westfalen für laute Lacher, aber auch dafür, dass mancher Lacher im Halse der Besucher steckenblieb.

Die Haselünner kamen sogar in den Genuss einer Vorpremiere des neuen Programms „Storno – Die Abrechnung 2015“. Nahezu ausverkauft war das Kulturkino Hasetor, das über etwa 100 Sitze verfügt. Lediglich in der ersten Reihe gab es noch freie Plätze, die man an einer Hand abzählen konnte. Ab 15. November legen dann die drei Kabarettisten offiziell los. „Bereits jetzt sind schon über 43000 Karten verkauft“, wusste Ingo Schmit vom Verein Kulturkino Hasetor. Was auch zeigt, dass Philipzen, Funke und Rüther, die eigentlich rund um Münster auftreten, schon lange kein Geheimtipp mehr sind.

Vom Können, vom Programm, vom Scharfsinn, aber auch von der Unterhaltung sind die drei eine Empfehlung für die erste Kabarett-Liga. In Haselünne sind Philipzen, Funke und Rüther beliebte Gäste, denn sie lieferten dort mit ihrer aktuellen Vorstellung bereits mindestens die dritte Storno-Abrechnung ab – und hoffentlich nicht die letzte.

Politentertainment vom Feinsten

Was die drei Kabarettisten auf der Bühne abziehen ist Politentertainment vom Feinsten: analytisch, sensibel, bissig, kritisch, krachend und manchmal auch bewusst naiv. Wenn Philipzen, Funke und Rüther das Zeitgeschehen auseinander nehmen, müssen die Besucher gut zuhören, schnell und um die Ecke denken können. Von der aktuellen Flüchtlingskrise bis zur Fußball-WM ließen sie kein Thema aus. Eine kleine Kostprobe gefällig? Da mault Funke auf der Bühne: „Jetzt fangen sie auch schon an, unser Sommermärchen kaputt zu machen – alles geht den Niersbach runter.“

Weiterlesen: Das läuft im Kulturkino Hasetor in Haselünne 2015/2016

Mit Seitenhieb zum Beispiel auf die Politiker zu Gutenberg und von der Leyen sprechen Rüther von „Christdemokraten mit Dissertationshintergrund“. Aber auch vor dem Allgemeinbefinden der Bevölkerung machen die vorlauten Westfalen nicht halt: „Früher hatten wir Rücken, heute haben wir Psyche“, stellt Philipzen fest. Er ist der Schnellsprecher auf der Bühne, ist quirlig und springt munter zwischen allen möglichen Themen dieser Welt hin und her. Nebenbei greift er zu verschiedenen Instrumenten und versteht sich auf die Pantomime. Herrlich sein Betrag „Deutschland wird immer italienischer“ wo er den Klimawandel pointenreich darstellt. Muss man gesehen haben. Unbedingt.

Kritischer Blick

Sein absoluter Gegenpart auf der Bühne ist Jochen Rüther. Staubtrocken und mit kritischem Blick versteht er sich darauf, Fakten auszugraben. Dabei ist er präzise und schlagkräftig. Keine Frage: Bei Rüther gehören Humor und Galgen untrennbar zusammen.

Zwischendrin wuselt Harald Funke. Markenzeichen: Der Mann mit dem besonderen Auffassungsvermögen. Nicht nur einmal passiert es im Hasetor, dass Funke spontan ganze Nummern und Pointen einbaut. „Das stand jetzt nicht im Programm, aber machen wir einfach so weiter“, lautet seine Devise und schon sprudeln neue schräge Ideen aus ihm hervor. Dabei schießt er schräge Blicke ins Publikum und trifft so manchen Nagel auf den Kopf.


0 Kommentare