Parforceritt in die Weltklasse Junge Musiker begeistern mit Konzert in Haselünne

Frenetischen Applaus gab es in Haselünne für Dainis Medjaniks und Victoria Audrey Sarasvathi. Foto: Daniel LöskerFrenetischen Applaus gab es in Haselünne für Dainis Medjaniks und Victoria Audrey Sarasvathi. Foto: Daniel Lösker

Haselünne. Ich habe die Zukunft der Klassik gesehen, ihr Name ist Dainis Medjaniks. Der Satz kommt Ihnen bekannt vor? Richtig, er ist 41 Jahre alt. Der US-Musikkritiker Jon Landau urteilte über den jungen Bruce Springsteen und sah in ihm das Fortbestehen des Rock’n’Roll. Genau dieses Zitat geht dem Rezensenten im Kopf herum, der überwältigt ist von dem, was er gerade in Haselünne gehört hat.

Verklungen ist ein Beethoven auf allerhöchstem Niveau, ein Fauré, den man einem 21-Jährigen und einer 18-Jährigen so nie zugetraut hätte. Verklungen sind ebenfalls einige Bravourstücke der Violinliteratur, wie Winiawskis „Fantaisie brillante“, Massanets „Meditation“ oder auch Fritz Kreislers „Schön Rosmarin“, die Medjaniks und Sarasvathi mit atemberaubender Perfektion und Spiellaune interpretieren. Verklungen ist auch die „Sonate für Violine und Klavier Nr. 2“ von Sergej Prokofjew.

Und was soll man sagen? Zum Niederknien! Schon die ersten Töne des Eröffnungssatzes sind von derart energetisch aufgeladener Impulsivität, dass man sich an die glanzvolle Referenz-Aufnahme mit Gidon Kremer und Martha Argerich erinnert fühlt. Das „Scherzo“ mit seinen burlesken, polymetrischen Effekten und frech-virtuosen Passagen hält den Zuhörer kaum auf dem Sitz. Gerade kann er sich bei den modal-melodischen Klängen des Trios ein wenig erholen, da reißen die Instrumentalisten mit der tänzerischen Einleitung des Finalsatzes aus allen romantischen Träumen.

Unfassbar, wie der junge Geiger Pizzicati, Staccatoläufe und voluminös klingendes Flageolett musikalisch einbaut und wie seine zart gebaute Partnerin kraftvoll in die Tasten des Pianofortes greift. Einen Parforceritt in diabolischer Art und Weise reiten Medjaniks und Sarasvathi bis hin zum triumphalen Schluss, der nicht wenige Zuhörer zum spontanen Bravo veranlasst.

Erhellend einfach

Der international angesehene „Joseph Joachim Violin-Wettbewerb“ geht dieses Jahr den Weg, Teilnehmer bereits vor der eigentlichen Veranstaltung an verschiedenen Orten in Niedersachsen auftreten zu lassen. Haselünne ist auch dabei und hat mit dem Geiger Medjaniks und der Pianistin Sarasvathi voll ins Schwarze getroffen.

Gabriel Faurés „Sonate für Violine und Klavier A-Dur“ ist ein Kammermusikwerk in bester schumannscher Tradition. Obwohl es das am häufigsten aufgeführte Opus des französischen Komponisten ist, gilt es als schwierig, die Partitur dem Publikum eingehend zu vermitteln. Dies aber gelingt den beiden Instrumentalisten eindrucksvoll. Medjaniks lässt sich keine Ruhepause. Mit glühendem Bogen zaubert er ein elegisches Andante in den Raum. Sarasvathi lässt den Flügel mit dunklen Farben im besten romantischen Klangbild erklingen. Beide finden den richtigen Weg, dass Puzzle der Partitur plötzlich erhellend einfach zu präsentieren.

Gelegentlich hat die junge indonesische Pianistin den Fuß etwas lange auf dem rechten Pedal. Doch schadet dies zumindest bei den berauschten Klangfarben eines Fauré nicht. Eher wäre dies schon bei Beethoven der Fall, der allerdings aufgrund der fabelhaften Spiellaune der beiden Protagonisten dennoch zu einem wahren Vergnügen wird.

Ob Medjaniks tatsächlich eine große Karriere bevorsteht, hängt natürlich von vielen Aspekten ab. Oft braucht man in der Branche einfach das Glück, die richtigen Personen zu treffen. Doch eines ist auf jeden Fall sicher, der junge Lette hat alles, was es braucht, um einer der ganz Großen seines Fachs zu werden. Es bleibt zu wünschen, dass er weiter ernsthaft der Musik verbunden bleibt.