Weibchen scheint zu brüten Erwarten Haselünner Kirchturm-Uhus Nachwuchs?

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Haselünne. Die beiden Haselünner Kirchturm-Uhus scheinen Nachwuchs zu erwarten. Davon geht zumindest Thomas Linger, Küster der St.-Vincentius-Kirchengemeinde, aus. Er beobachtet das Weibchen immer wieder in einer Nische auf dem Dach der Marienkapelle sitzend und vermutet, dass es Eier ausbrütet.

Vor mehr als einem Jahr siedelte sich in der Haselünner Vincentiuskirche ein Uhu-Pärchen an ( wir berichteten ). Damals schien es so, dass das Weibchen brütete. Dafür hatte es sich genau diese Nische auf dem Boden des Daches des Gotteshauses ausgesucht. Kleine Uhus erblickten dennoch nicht das Licht der Welt. Linger vermutet, „der Regen im letzten Frühjahr hat alles zunichtegemacht“.

Küster entdeckt gefiederten Kirchgänger

Der Küster, der den gefiederten Kirchgänger seinerzeit entdeckte, nachdem er merkwürdige Geräusche aus dem Kirchengewölbe gehört hatte, fand das mehr als schade. „Gleich ein Uhu-Pärchen und Nachwuchs zu haben wäre schon toll gewesen“, sagt der 49-Jährige im Gespräch mit unserer Redaktion . In der Tat. Schließlich galt diese Eulenart, die mit einer Spannweite von 1,60 bis 1,80 Metern die größte europäische Eule und fast so groß wie ein Steinadler ist, in unserer Region seit mindestens 100 Jahren als ausgerottet. Erst in den letzten Jahren kehrten vermehrt Exemplare zurück.

Dem Haselünner Uhu-Weibchen scheint sein Platz an der Kirche zu gefallen. „Es saß dort seit Anfang März, war dann für ein paar Tage verschwunden und sitzt dort jetzt wieder seit etwa zwei Wochen durchgängig“, freut sich Linger. Auf dem Dach der gotischen dreischiffigen Hallenkirche wird es weder von Mensch noch Tier gestört.

Weg durch den alten Glockenturm

Der Weg dort hinauf führt durch den alten Glockenturmbau des im 15./beginnenden 16. Jahrhunderts errichten Gebäudes über enge verstaubte Stufen, vorbei an Resten von Holzkonstruktionen und über kleine wacklige Brettergänge. Thomas Linger kennt den Weg durch das Halbdunkel aus dem Effeff. Er ist ihn früher täglich gegangen, um die Glocke zu läuten. In den letzten Wochen ist er wieder nahezu jeden Tag dort oben, um nach dem Uhu-Weibchen zu schauen.

Ganz leise geht der Küster vorweg zu einer Dachluke, muss sich immer wieder bücken, um nicht mit dem Kopf gegen einen Holzbalken zu stoßen. Vorsichtig öffnet er das Kippfenster der kleinen Dacheinlassung, steigt über eine kleine, wacklige, seitlich stehende Leiter so weit hoch, dass er die von altem Gemäuer umgebene Nische überblicken kann. Wir haben Glück. Das imposant erscheinende Uhu-Weibchen sitzt dort. Ganz ruhig, keine einzige Feder bewegend. Aber das eigentlich nachtaktive Tier beobachtet uns mit wachem Blick der großen Augen sehr genau aus seinem von einer Holzkonstruktion umgebenen Nest. In dem liegen ein paar fremde Vogelfedern. Das Klicken der Fotokamera stört es nicht.

Männlicher Uhu am See beobachtet

Der männliche Uhu ist nicht zu sehen. „Er kommt meist, wenn es dunkler wird“, erzählt Linger. Dann wird der große Vogel abwechselnd in Bäumen rund um die Kirche, zur Hasestraße, am Wasserturm der ehemaligen Berentzen-Produktionsstätte und bei der Futterjagd am See beobachtet.

Passanten stören sich an den Tieren nicht. Im Gegenteil. Krähen, Dohlen und Tauben gibt es dank des Uhus auf dem Kirchplatz immer weniger – und damit auch deutlich weniger Dreck. Diese Vögel stehen, wie auch Ratten, weit oben auf dem Speiseplan des Uhus, den der Naturschutzbund 2005 zum Vogel des Jahres erklärte.

Damit die beiden Uhus in Haselünne sesshaft bleiben, haben ihnen ein paar Naturfreunde und Helfer der Feuerwehr auf dem Dach der Marienkapelle die auf kurzen Füßen stehende Vorrichtung gebaut, aus der Wasser abtropfen kann und auf der das Uhu-Weibchen etwas erhöht sitzt. Von hier blickt es aus seinen großen gelben Augen auf das alte Gemäuer und den gesamten Kirchenplatz.

Hier geht es zum Video der Haselünner Uhus aus dem Jahr 2014.

Die Haselünner genießen den Anblick der Uhus. Wenn sie am Abend ihren Ruf hören, entlockt das manchem ein Lächeln: „Schön, unser Uhu ist da.“

Die Rufe könnten sich in ein paar Wochen vermehren, sollte das Uhu-Weibchen zurzeit tatsächlich brüten. „Es deutet einiges darauf hin“, freut sich Linger und berichtet von der Begegnung eines Labradors mit einem der gefiederten Kirchenbewohner im hinteren Bereich der Kirche. Dort sei der männliche Uhu nach dem Motto „Stopp, hier ist mein Weibchen und mein Nachwuchs“ von einem Baum im Sturzflug auf den Hund zugesaust. Dieses Verhalten lässt für Linger darauf schließen, „dass der seine Brut verteidigt oder in jedem Fall bemüht ist, Nachwuchs zu bekommen.“

Vermeintliche Gefahr vom Nest abwehren

Diese Einschätzung teilt der Naturschutzbund Emsland-Bentheim. „Angriffe auf Hunde kommen eher selten vor und haben in der Tat nur zum Ziel, das Nest oder sich selbst zu verteidigen“, sagt Diplom-Biologin Jutta Over auf Anfrage unserer Redaktion . Uhus könnten mit der Zeit einschätzen, „ob Gefahr besteht, wenn immer mal Passanten mit Hunden vorübergehen. Irgendwann ignorieren sie das einfach.“ Wenn sie doch mal angriffen, ziele dieses Verhalten nicht darauf ab, Beute zu greifen und zu töten. Vielmehr wollten sie lediglich drohen und eine vermeintliche Gefahr vom Nest oder von den Jungen abwehren.

Über die Rückkehr der Uhus in die Region freut sich Over natürlich. Eulen-Experten hätten 15 Uhu-Reviere im Emsland ausgemacht. Es handele sich dabei um Gebiete, in denen rufende Männchen über einen längeren Zeitraum festgestellt wurden, „sodass eine Brut wahrscheinlich, aber eben nicht gesichert ist“. Außer dem Standort auf der Kirche in Haselünne lägen alle anderen Reviere fernab von Siedlungen zum Beispiel in Sandgruben und Wäldern. In anderen Gegenden würden durchaus Bruten in Siedlungsbereichen, auf Flachdächern in Industriegebieten, aber auch auf Kirchen wie zuletzt in Osnabrück zunehmen. In Hamburg etwa brütet ein Uhu auf dem Friedhof auf einem Grabstein.

Uhu-Weibchen legt ein bis vier Eier

Je nach Wetterlage legt ein Uhu-Weibchen in der Regel Ende Februar oder im März ein bis vier Eier. Nester baut es dafür nicht. Vielmehr sucht es sich Felsvorsprünge oder kleine Nischen. Die Brut dauert etwa 35 Tage. Meist schlüpfen die Kleinen, wenn es – wie jetzt im April – deutlich wärmer wird. In Haselünne könnte sich also in Kürze Uhu-Nachwuchs einstellen – hoch oben auf dem Kirchdach.


Mit 60 bis 75 Zentimetern Größe und einer Spannweite von 1,60 bis 1,70 Metern ist der Uhu die größte europäische Eule. Er ist fast so groß wie ein Steinadler und wird auch der „König der Nacht“ genannt. Das Weibchen ist deutlich größer als das Männchen. Es wiegt durchschnittlich 2600 Gramm, das Männchen etwa 1900 Gramm. Der Uhu ist etwa doppelt so groß wie die Waldohreule und mit zwei bis vier Kilogramm annähernd zehnmal so schwer. Er hat auffällige Federohren und leuchtend orangegelbe Augen. Das Gefieder ist rostbraun mit dunkler Längs- und Querstreifung. Das Brustgefieder ist heller als der Rücken. Der Uhu ist vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Zur Zeit der Jungenaufzucht jagt er jedoch auch am Tag. -cw-

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