Haselünner im Naturschutz aktiv Alte Jalousien helfen dem Steinkauz im Emsland

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Haselünne. Wohnungsnot ist für den Haselünner Josef Heidemann ein Thema zum Anpacken: Denn der 62-Jährige hat ehrenamtlich Hunderte Niströhren für den im Bestand bedrohten Steinkauz gebaut – aus alten Jalousien.

Jahrelang hat Heidemann die Gärtnerei der JVA in Meppen-Versen geleitet – die Arbeit in und mit der Natur liegt ihm nicht nur deshalb am Herzen. Seit ein paar Jahren ist der gebürtige Osterbrocker in Pension, aber Langeweile ist für ihn ein Fremdwort. Auf der Terrasse der Haselünner Wohnung stapeln sich jedenfalls mehr als 160 Niströhren und damit die bisherige Ausbeute dieses Winters.

„Der Steinkauz hat zwei Probleme“, berichtet Heidemann: „Ihm fehlen zunehmend beweidete Streuobstwiesen zur Nahrungssuche und, weil damit auch die alten Obstbäume mit ihren natürlichen Bruthöhlen kaum noch zu finden sind, fehlen dem Kauz auch die Wohnungen.“ Zumindest beim zweiten Problem hilft Josef Heidemann, wo er kann.

Dabei ist er nicht allein: Dietmar Niemann vom Naturschutzbund Emsland-Mitte hatte ihn vor einigen Jahren gefragt, ob er sich gemeinsam mit ihm um Nisthilfen für Eulen im Altkreisgebiet kümmern wolle, und Josef Heidemann sagte zu. Über die Interessengemeinschaft Wacholderhain Haselünne hatte er ohnehin einen Bezug zum praktischen Naturschutz, und da ihm das Basteln Spaß macht, ist er in die Produktion der Niströhren für Käuze eingestiegen.

Dafür braucht er alte Holzjalousien, eine Säge und ein paar Schrauben. Denn die Holzlamellen sägt er zunächst auf eine passende Länge von etwa einem Meter. Dann versieht er sie mit 43 Bohrungen, in die er 43 Schrauben versenkt. Die Jalousie umfasst nun zwei Holzscheiben, von denen
eine mit einem Einflugloch, und die andere mit einem
herausnehmbaren Deckel versehen ist. Am Ende kommt noch Dachpappe als Wetterschutz um das Gebilde, und fertig die Steinkauzröhre.

Gemeinsam mit Dietmar Niemann hängt Heidemann die Kästen dann im zeitigen Frühjahr oder im Herbst auf – in Gärten von Vogelfreunden, auf Bauernhöfen oder wo sonst ein Steinkauz leben könnte. Der kleine Vogel benötigt kurzrasige Wiesen mit Regenwürmern, Mäusen und Insekten, die er als Nahrung benötigt. Kurzrasig deshalb, weil der nur knapp amselgroße Vogel sonst hier nicht laufen könnte. Wenn dann noch ein paar Bäume auf der Wiese stehen oder Kopfweiden am Rand, ist der Lebensraum nahezu perfekt.

Die Arbeit des Naturschutzbundes ist inzwischen sehr erfolgreich. Begonnen hatte sie noch unter anderen Ehrenvorsitzender Hermann Liening. 2014 verzeichneten die Naturschützer bereits acht Bruten in ihren Kunstbauten. Da junge Käuze nicht gern weiter als sechs bis acht Kilometer fliegen, arbeiten die Naturschützer im gesamten Emsland an einem Netz aus Kunstbauten.

Wer dem Steinkauz helfen will, kann sich in der Nabu-Regionalgeschäftsstelle in Meppen melden (Telefon 05931/4099630). Dort ist man auch dankbar für Hinweise, wo alte Holzjalousien ausrangiert werden.


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