„Küstengold“ begeistert Publikum Akrobatik und Seemannsgarn im Kulturkino in Haselünne


kim Haselünne.„Küstengold“ im Hasetor Kulturkino – das war eine wortwitzige Akrobatik-Show zum Mitmachen mit den norddeutschen Figuren Tante Luise und Herr Kurt sowie maritime Comedy mit dem Ringelnatz singenden Seemann Nagelritz.

Eine Frau im türkisfarbenen Kostüm betritt selbstbewusst die Bühne und stellt sich mit norddeutschem Dialekt vor: „Ich bin Tante Luise aus der Delmenstraße in Bremen.“ Nach ihrer Ankündigung der Show „Küstengold“ darf auch Herr Kurt auf die Bühne kommen. Schnell macht die betagte Dame dem Publikum klar, dass sie sich fest vorgenommen hat, berühmt zu werden und nach Hollywood zu gehen. Herr Kurt soll ihr dabei helfen, sie in Pose zu bringen, und so weist sie ihn an: „Herr Kurt, wenn Sie sich eben dem Erdboden gleich machen könnten!“

Kaum liegt dieser mit dem Rücken auf dem Boden, die Beine in die Luft gestreckt, springt Tante Luise, die Frau mit den strammen Waden, auf seine Füße und gibt „die amerikanische Impression“ zum Besten: „Die Statue of Liberty“. Während Tante Luise von dort oben dem Publikum von ihrer Karriere erzählt, witzelt Herr Kurt „in der tragenden Rolle“ über die Einblicke, die er dort unten bekomme, und lässt seine Beine auseinanderschnellen, sodass auch die Zuschauer Tante Luises Faible für altmodische Unterhosen sehen. Als Herr Kurt die Idee von Tante Luises Durchbruch in den USA mit „Der Fahrstuhl des Grauens“ kommt, macht er sich einen Spaß daraus, die angegraute Dame durch die Luft zu wirbeln, wobei oben und unten in halsbrecherischem Tempo wechseln.

Zuschauer als Akrobaten

Nach dieser Einlage machte das komische Artisten-Duo klar, dass sie Mitmachakrobatik im Sinn haben. Um den Puls bei der „netten, adretten Dame“ aus dem Publikum, die sie dafür erkoren haben, zu erhöhen, warnte Herr Kurt: „Nimm deine Handtasche besser mit – du weißt nicht, ob du wiederkommst.“ Und so integrierten die Bremer Akrobaten die Dohrener Zuschauerin, ohne viel Aufhebens davon zu machen und groß zu erklären, in ihre Hebefiguren.

Als Tante Luise sich einen männlichen Partner aus dem Publikum suchte, zeigte sich Herr Kurt als eifersüchtiger Miesepeter. Doch Tante Luise, ganz angetan von dem türkisfarbenen Pullover, brachte ihren neuen Gefährten schnell in die Anfangshaltung, und schon trieben die beiden ihr derbes Spiel mit ihm, hoben ihn gar in die Luft, drehten ihn auf den Kopf und schüttelten kräftig, ob nicht etwa Geld aus dessen Hosentaschen fiele.

Nicht weniger frech, dabei jedoch dem weiblichen Publikum in lüsterner Heute-hier-morgen-dort-Manier zugetan, zeigte sich Seemann Nagelritz. Das Publikum für richtige wie falsche Antworten mit Ahoi-Brause belohnend, zeigte er ihnen Wink- und Flaggenzeichen. So bedeute eine gelbe Flagge „Quarantäne auf dem Schiff“, eine schwarze „Pest auf dem Schiff“ und eine rote „Feuer auf dem Schiff“. Dann wedelte er mit einer Deutschland-Fahne und folgerte: „Von dem Schiff kommt keiner mehr lebend runter!“

Mit seinem fein gesponnenen Netz aus Seemannsgarn umwickelte der Containerschiff-Matrose sein Publikum, erzählte von seinen Ambitionen, Kunst zu studieren, um schließlich auf der See die Kunst des Tätowierens zu erlernen, von seinen Erfindungen, um an Geld zu kommen, wie dem mobilen Poller: „Die sind ja nie an der richtigen Stelle. Also hab ich Räder druntergemacht. Der ist aber noch nicht in Serie gegangen und liegt jetzt im Hafenbecken.“

Auch Nagelritz verstand es, sein Publikum einzubinden: Einem Zuschauer schwatze er die Armbanduhr ab, um ihn in einen Handel einzuwickeln, den Gegenwert der Uhr in Ahoi-Brause oder einer Matrosen-Holzfigur zu bekommen. Nach der Pause wurde aus dem Handel jedoch nichts: „Die Uhr ist ja gar nicht wasserdicht. Ich habe sie gerade ins Klo getaucht, da ist sie stehengeblieben!“ Als er dem etwas pikiert schauenden Zuschauer seine Uhr zurückgab, beruhigte Nagelritz ihn: „Kriegst erst mal ’n Schnaps auf den Schreck.“


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