Fünf Jahre vor Grenzöffnung befreit Wahl-Haselünnerin wegen Fluchthilfe in Prager Gefängnis


Haselünne. Wenn Irmela Schröck – wie viele Menschen zu dieser Zeit – das vergangene Jahr Revue passieren lässt, muss sie an ein Datum denken, das ihr Leben komplett veränderte: an den 19. Dezember. An jenem Tag vor 30 Jahren wurden sie aus einem Prager Gefängnis entlassen, in dem sie wegen Fluchthilfe einsaß. Ihr damaliger Mann Hanspeter blieb weiter in Haft.

Seit dem 1. Januar 1984 war sie inhaftiert. Das seinerzeit in Düsseldorf lebende Ehepaar saß hinter Gittern, weil es Schröcks Cousine und ihrer Familie damals seine Pässe und sein Auto gab, um ihnen Silvester/Neujahr die Flucht aus der ehem

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Die Deutsche Botschaft Prag ist die höchste diplomatische Vertretung Deutschlands in der Tschechischen Republik. Sie befindet sich auf der Prager Kleinseite im Palais Lobkowitz. Ab August 1989 geriet sie in den Blickpunkt der Medien, als DDR-Bürger dort Zuflucht suchten. In den folgenden Wochen besetzten Tausende das Gelände, worauf die DDR-Behörden einlenkten und ab 30. September 1984 insgesamt 17000 ihrer Bürger die Ausreise in die Bundesrepublik erlaubten. Der damalige Außenminister Hans-Dietrich Genscher hatte auf dem Prager Botschaftsbalkon unter dem Jubel der Menschen die Ausreise von 6000 DDR-Flüchtlingen verkündet. Am 3. November erlaubten die ČSSR-Behörden den DDR-Bürgern die unreglementierte Ausreise in den Westen und hoben somit ihren Teil des Eisernen Vorhanges, was als eine der wichtigsten Vorstufen zum Fall der Berliner Mauer und für die folgende Deutsche Wiedervereinigung gilt. (mit Wikipedia)

Die vorzeitige Freilassung Irmela Schröcks war im Dezember 1984 großes Thema in den Medien. Die Nachrichtenagenturen AP und dpa werteten die Entlassung der Deutschen aus dem Prager Gefängnis als „offensichtlich humanitäre Geste aus Anlass des Besuchs von Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher.“ Einen Tag vor dessen Ankunft waren zwei Bundesbürger vorzeitig aus der Haft entlassen worden. Dabei handelte es sich einmal um einen Mann, der seine Braut aus der DDR ausschleusen wollte und wegen Fluchthilfe zu zwei Jahren Haft verurteilt worden war. Im zweiten Fall ging es um einen Mann, der ein Fotokopiergerät in die damalige Tschechoslowakei schmuggeln wollte, und deshalb inhaftiert wurde. cw

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