Lokal von Marion Schulte Alter Dorfkrug in Haselünne zieht Feinschmecker an

Von Helmut Diers



Haselünne. Bis zu 100 Jahre alte Eichen säumen den Alten Dorfkrug an der Kreisstraße 208 von Haselünne nach Herzlake-Bookhof. Die Kneipe an der Kreisstraße 208, die in Andrup den Namen Alte Dorfstraße führt, ist mehr als „Die Kneipe um die Ecke“. Zudem liegt der Landgasthof nicht an irgendeiner Ecke, sondern in einer lang gestreckten Kurve des Hasetal-Radwanderweges, der in Andrup entlang der Alten Dorfstraße führt.

zo Haselünne. Bis zu 100 Jahre alte Eichen säumen den Alten Dorfkrug an der Kreisstraße 208 von Haselünne nach Herzlake-Bookhof. Die Kneipe an der Kreisstraße 208, die in Andrup den Namen Alte Dorfstraße führt, ist mehr als „Die Kneipe um die Ecke“. Zudem liegt der Landgasthof nicht an irgendeiner Ecke, sondern in einer lang gestreckten Kurve des Hasetal-Radwanderweges, der in Andrup entlang der Alten Dorfstraße führt.

„Schön, dass Sie da sind“, empfängt Wirtin Marion Schulte ihre Stammgäste wie das Ehepaar Karin (75) und Berthold (87) Müller-Dieckmann aus Haselünne-Eltern. „Das macht meine Frau immer so. Sie hat für jeden Gast ein freundliches Wort und Lächeln“, sagt Ehemann Norbert Schulte, der sich nur ganz selten in der kleinen Kneipe und den dazugehörigen Räumen wie Kegelbahn, Kaminzimmer oder kleinem Saal sehen lässt. „Das hier ist Marions Reich. Ohne Marion würde es die Gaststätte nicht mehr geben.“

Die 46-jährige gelernte Restaurantfachfrau aus Hollenstede ist mit Leib und Seele Köchin und Gastwirtin des Landgasthofs Alter Dorfkrug. Das findet auch das Ehepaar Müller-Dieckmann, das 1997, als es noch in Marl-Hüls wohnte, den Alten Dorfkrug rein zufällig entdeckte und auf der Terrasse unter den alten Eichen erste Kostproben aus der Küche der Gaststätte genoss. „Seitdem kommen wir gern. Der Alte Dorfkrug ist unsere liebste Gaststätte. Hier wird gut gekocht, und die Wirtin gefällt uns.“ Zweimal im Monat ist das Paar Gast im Alten Dorfkrug.

„Marion ist eine nette und kompetente Wirtin“, bestätigen auch Monika Pohlmann und Maria van der Ahe, die gerade mit einigen Arbeitskolleginnen zur Weihnachtsfeier im Dorfkrug weilen. „Man kann hier gut essen und findet hier ein familiäres Ambiente.“ Die beiden Haselünnerinnen kommen häufiger in den Alten Dorfkrug. „Es ist einfach gemütlich hier.“

Das finden auch die vielen Kegelclubs, die mindestens einmal im Monat die Gaststätte besuchen. „21 an der Zahl“, weiß Marion Schulte. „Einer fehlt immer“, „Wilde Kugel“, „De Drokken“ oder „Blauer Montag“ – Marion Schulte kennt sie alle mit Namen und hat hier und da auch Anekdoten im Gedächtnis. „Schweigepflicht“, betont die Restaurantfachfrau, macht aber eine Ausnahme: „Ein Club ist dabei, der sitzt meistens auf der Kegelbahn, klönt und schnabuliert und wartet nur darauf, dass ich die Kegler mit leckerem Essen versorge. Das Kegeln ist zur Nebensache geworden.“

Regionale Kost

„Ich möchte mit meinem Team im Alten Dorfkrug die Gäste – im Sommer kommen viele Fahrradtouristen – mit zünftiger regionaler Kost wie Grünkohl oder Spargel und Speisen nach deren individuellen Wünschen verwöhnen“, lautet die Maxime der traditionsreichen und familienfreundlichen Gaststätte an der Alten Dorfstraße. Mama zur Hand gehen dabei häufiger die Söhne Benedikt (18) und Lutz (14). „Benedikt macht sich ganz prima im Service. Lutz mischt schon mal die Küche auf. Er, der mit seiner Körpergröße von 1,95 Metern den Überblick hat, ist sich nicht zu schade abzuwaschen. Er verteilt aber besonders gern Lob an unser
Team“, so Marion Schulte.

1862, so belegen es alte Aufzeichnungen, gab es an der Stelle des Dorfkrugs eine Hofstelle. Bis in die 50er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts betrieb dort eine Familie Többen eine Bäckerei. Später erbte eine Tante des Ehemannes von Marion Schulte den Betrieb. „Tante Mia hat dann hier in den 50er-Jahren eine Gaststätte eingerichtet.“ Anfang der 60er-Jahre erbte die Mutter Norbert Schultes, Maria Vähning, die 1964 Hermann Schulte aus Lähden heiratete, die Gaststätte und richtete dazu noch einen Kolonialwarenladen ein.

1972 wurde die alte Gaststätte abgerissen, der Lebensmittelladen aufgelöst, eine neue Gaststätte mit Kegelbahn gebaut. 1995 heiratete Norbert Schulte seine Frau Marion. Beide gingen in den Jahren danach frisch ans Werk, renovierten, bauten um und erweiterten den gastronomischen Bereich bis zum heutigen Aussehen.

„Wir sind sehr gut im Dorf angenommen“, schwärmt Marion Schulte von der Dorfbevölkerung, auch wenn diese nicht Tag für Tag die Theke im Alten Dorfkrug belagert. „Die Kneipenkultur hat sich stark verändert“, stellt nicht nur sie fest.

An den Wochenenden und nach Auswärtsspielen des SV Polle sieht es anders aus. Da ist die Kneipe des Alten Dorfkrugs gut gefüllt. „Wir sind nach Auswärtsfußballspielen des SV Polle dessen heimliches Vereinslokal.“ Bei einem Sieg der ersten Mannschaft – alle aktuellen Spielergebnisse werden auf einer großen Tafel in der Kneipe von der Wirtin notiert – gibt es für die Fußballer einen Stiefel Bier. Bei Niederlagen müssen die Fußballer an den eigenen Geldbeutel. „Dann lecken sie an der Theke ihre Wunden und suchen auch schon mal die Schuld beim Schiedsrichter“, verkündet Marion Schulte schmunzelnd.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN