Lesung im Ratssaal Pöttering in Haselünne: Europa war meine Perspektive

Aus seinem Buch las Hans-Gert Pöttering (3. v. l.) unter der Moderation von Hermann-Josef Mammes (links) in Haselünne. Begrüßt wurden beide von Werner Schräer und Margret Berentzen. Foto: DiersAus seinem Buch las Hans-Gert Pöttering (3. v. l.) unter der Moderation von Hermann-Josef Mammes (links) in Haselünne. Begrüßt wurden beide von Werner Schräer und Margret Berentzen. Foto: Diers

Haselünne. Sein Auftritt im Haselünner Ratssaal gehörte sicherlich zu den Höhepunkten im Rahmen der zweiwöchigen Aktion „Haselünne liest und singt“ des Initiativkreises Familienfreundliche Stadt. 25 Zuhörer meist älteren Semesters erlebten mit Hans-Gert Pöttering einen überzeugten Europäer, der lange Jahre die europäische Geschichte nachhaltig prägte und immer noch als Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung beeinflusst.

Bürgermeister Werner Schräer nannte in seiner Begrüßung Pöttering einen „bedeutenden Europäer“, der viel über seinen europäischen Weg aus seinem Buch „Wir sind zu unserem Glück vereint“ vorlesen und erzählen werde. Ein Schwerpunkt der diesjährigen Aktion sei auch das Thema Europa, war Margret Berentzen vom Initiativkreis froh, dass Pöttering zu Jahresbeginn die erste Anfrage zur Lesung und Diskussion positiv beschieden habe. Dank sagte Berentzen auch Hermann-Josef Mammes, Redaktionsleiter der Meppener Tagespost , für die Moderation der 90-minütigen Veranstaltung, die durch das Quintett „Dascanio-Consort“ aus Haselünne mit Gesangsbeiträgen in italienischer, polnischer, französischer und deutscher Sprache musikalisch europäisch abgerundet wurde.

Pöttering begann seine Lesung mit Abschnitten aus seinem Buch, die sich mit den Jugendjahren des heute 69-jährigen Politikers beschäftigen, der seinen Vater nie kennenlernen sollte, da er Monate vor seiner Geburt in Polen den Soldatentod starb. Der Tod seines Vaters sei die Motivation für sein europäisches Leben gewesen.

Pöttering, „der an entscheidender Stelle die Weichen“ der Europapolitik gestellt habe, wie es Mammes formulierte, hat nach eigenem Bekunden in Kindheitstagen durch eine Unterbringung einer Flüchtlingsfamilie in seinem Elternhaus in Bersenbrück Kontakt mit den Sorgen anderer Menschen bekommen und die Nöte anderer verstehen gelernt. Wichtige Daten in Europa war für den ehemaligen Vorsitzenden der EVP-ED Fraktion (1999 bis 2007) im Europaparlament, heute Ehrenmitglied des Parlaments, der 10 Juli 1979 (1. Direktwahl zum EU-Parlament) und 2007, als die Grenze zu Polen fiel. „Jetzt sind Polen in Deutschland und Deutsche in Polen willkommen“, bezeichnete Pöttering, der noch heute mit vielen Größen der Weltpolitik Kontakt als Europäer hat, die Grenzöffnung nach Polen als „großes Glück für mich“.

Seine „einflussreichste Zeit“ in Europa sei die Zeit von 1999 bis 2007 als Vorsitzender der EVP-Fraktion sowie die Zeit zuvor als stellvertretender Vorsitzender. Damals habe er die Eingliederung der mitteleuropäischen Länder wie Estland, Lettland und Litauen vorangetrieben. Als Präsident des EU-Parlaments hätten ihm „alle Türen bis auf die Häuser Obama und Putin offen gestanden, aber der Einfluss als Fraktionsvorsitzender sei stärker gewesen. Die Frage von Mammes, ob Pöttering denn nie Ambitionen auf einen Ministerposten in Niedersachsen oder in der Bundespolitik gehabt habe, war die Antwort eindeutig: „Europa war meine Perspektive!“ Heute sei er dankbar, dass er ein Angebot von Niedersachsens Ministerpräsident Ernst Albrecht nicht angenommen habe.