„Kein Künstler aus dem Schneckenhaus“ Werke von Johannes Zoller in Haselünne ausgestellt

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Johannes Zoller (links) erläutert Jürgen Thom das großformatige Bild „Im Werden I“.

            
Foto: DiersJohannes Zoller (links) erläutert Jürgen Thom das großformatige Bild „Im Werden I“. Foto: Diers

Haselünne. Ein Blick in und auf die Einladungskarte zur Ausstellung „Lichtung“ in der Haselünner Rathaus-Galerie räumt gleich mit allen Vorurteilen auf, die zu Künstlern, Malern, Bildhauern gern aus der Schublade geholt werden. „Der Künstler Johannes Zoller lebt nicht im Schneckenhaus oder im Elfenbeinturm der Kunst, sondern kann auf weltweite Kontakte verweisen“: Nicht nur Jürgen Thom als Einführender in das Kunstschaffen Zollers ist begeistert von der lebendigen Ausstellung von Bildern und schwungvollen Skulpturen.

Diese weltweiten Kontakte hätten den 1965 in Tübingen geborenen Künstler gebildet und beeinflusst sowie sein künstlerisches Werk geprägt, „das aber als Werk im Werden verstanden werden“ müsse. Gleich drei unterschiedlich großformatige Bilder mit dem gleichnamigen Titel „Im Werden“ zeugen in der Rathaus-Galerie von der Aussage Thoms.

„Ich sehe mich als Mitarbeiter an der Schöpfung, da sehe ich mich künstlerisch tätig“, sagt Zoller selbst zu seinem Kunstschaffen und sieht sich „als Lernender ganz nah am Leben dran“. Mit Blick auf die Bilder „Im Werden“ philosophiert der immer bescheiden, gradlinig und freundlich auftretende Wahl-Gütersloher: „Die Moleküle suchen ihre Plätze.“ In der Betitelung der Werke, so Thom, fänden sich „sprachliche Signale, die über Erfahrungen rein westlich-abendländischer Art hinausweisen und von der tiefen Beeinflussung eines Johannes Zollers durch einen fernöstlichen Geist künden“.

Zoller, der neben seiner Muttersprache Deutsch Englisch, Französisch und Japanisch spricht, 2001 die Bildhauerakademie im Kunstkreis Meppen leitete sowie schon 2002 in der Rathaus-Galerie vertreten war, genießt in Haselünne sozusagen ein kleines Heimspiel: Sein 87-jähriger Schwiegervater Heinz Schlömer war einst Bauhofleiter in Haselünne.

Eigentlich wollte Zoller nach dem Abitur in Tübingen Schauspieler werden. Da ihn aber keine Schauspielschule aufnahm, ließ er sich in Stuttgart bei Manfred Welzel im Zeichnen, Modellieren, Arbeiten mit Gips sowie in der Bildhauerei ausbilden. „Das war der richtige Weg. In Kunst hatte ich in der Schule immer eine Eins auf dem Zeugnis“, sagt Zoller heute.

Der Titel der Ausstellung „Lichtung“ habe mehrfache Bedeutung, führte Thom aus. „Lichtung“ sei zunächst als ein Ort inmitten einer Fläche dichten Pflanzenbewuchses zu sehen, der nach oben geöffnet sei, ein Raum, der alle Möglichkeiten zulasse. „Lichtung“ lasse sich aber auch als dynamischer Prozess sehen, als Erkenntnisvorgang, der bildhaft als Weg zum Licht, als ein Vorgang des Werdens beschrieben werden könne.

Hier ließen sich Bezüge herstellen zum malerischen Werk des Künstlers, das durch seinen Farbklang den Betrachter herausfordert, indem er ihn führen kann zur „Lichtung“, zu einem intuitiv imaginären Ort und Zeitraum, wo Licht sei. „Das, was ich in meinem Schaffen projiziere, kommt nicht aus etwas von dem, was da sichtbar wird“, beschreibt Zoller seine farbintensive Arbeit.

In diesem Zusammenhang zitierte Thom ihn so: „Trotz ihrer Aktualität hat meine Kunst nichts mit gesellschaftskritischen Allüren gemein.“ Thom schloss sich dem gern an und nahm die Besucher mit „auf den lohnenswerten Weg zur Lichtung“, wünschte Freude und Achtsamkeit bei dem möglichen Versuch, das „Bewusstsein zu weiten und dadurch vielleicht ein kleines Bisschen zur positiven Veränderung in der Welt beizutragen“.

Die Vernissage begleitete musikalisch Paul Verheyen am Klavier. Die Ausstellung ist bis zum 9. Januar zu den Öffnungszeiten des Rathauses zu besichtigen.


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