Jeden Donnerstag Lebensmittelausgabe Haselünner Tafel kümmert sich um hilfsbedürftige Menschen

Ehrenamtliche Helfer bereiten die Lebensmittelausgabe in Haselünne vor. Foto: Hendrik NiebuhrEhrenamtliche Helfer bereiten die Lebensmittelausgabe in Haselünne vor. Foto: Hendrik Niebuhr 

Haselünne. Donnerstagvormittag, 10 Uhr. Im DRK-Haus in Haselünne laufen die Vorbereitungen der Haselünner Tafel auf Hochtouren. Winfried Aubreville kümmert sich mit seinen Helfern um die Organisation und den Aufbau der Lebensmittelausgabe, welche jeden Donnerstag zwischen 11 und 12 Uhr hier stattfindet.

Unter der Trägerschaft der Lingener Tafel etablierte sich im Jahr 2011 durch die „Initiative Familienfreundliche Stadt Haselünne“ der Gedanke, auch in der Hasestadt eine Tafel einzurichten. „Wir haben mit fünf Kunden angefangen“, erinnert sich Aubreville, der wie die übrigen Helfer auch vor dem Start einen Erste-Hilfe-Kurs und eine Hygieneschulung absolvieren musste. „Aktuell haben wir 27 ehrenamtliche Mitarbeiter, welche in vier Gruppen à sechs bis sieben Helfer eingeteilt sind, die sich wochenweise abwechseln“, erzählt Aubreville.

Die Tafel richtet sich an hilfsbedürftige Menschen, die sich finanziell in einer schwierigen Lage befinden. Dabei müssen die Kunden in bestimmten Zeitabständen per entsprechenden Bescheinigungen nachweisen, dass sie sich finanziell in einer Notsituation befinden. Regelmäßig kommen um die 50 Kunden zu Aubreville und seinen Helfern und werden dort mit überschüssigen, aber noch verwertbaren Lebensmitteln versorgt.

Während sich ab halb elf bereits die ersten Kunden vor dem DRK-Gebäude einfinden, empfangen die Helfer noch die letzten Wagenladungen mit Lebensmitteln und räumen sie ein. Den Aufwand, den die Fahrer betreiben, beschreibt Vorstandsmitglied Gerd Schoon: „Ich fahre am Mittwoch und Donnerstag 250 Kilometer, um Waren einzusammeln“, sind die Organisatoren angewiesen auf die Hilfe von Spendern, die Brot, Obst, Gemüse, Eier oder Ähnliches abgeben. Schoon verbringt 30 Stunden pro Woche mit der ehrenamtlichen Arbeit für die Tafel. „Aber es macht mir Spaß“, verbringt der Rentner seine Zeit gerne mit der Hilfe.

Damit es nicht zu großem Gedränge kommt, wird einige Minuten vor Öffnen der Tafel per Losverfahren ermittelt, in welcher Reihenfolge die Kunden ihre Einkäufe erledigen. „Das hat sich nach anfänglichen Schwierigkeiten bewährt. Versucht sich im Warteraum trotzdem jemand vorzudrängeln, wird dieser schon von den anderen zurechtgewiesen“, schmunzelt Aubreville. Nach der Anmeldung müssen die Besucher lediglich eine Aufwandsentschädigung bezahlen – pro Erwachsenem sind 2 Euro fällig, für Kinder sind 50 Cent zu zahlen. Personen mit einem Schwerbehindertenausweis haben Vorrang und werden am Hintereingang des Gebäudes bedient.

Um den Überblick zu behalten, werden ab 11 Uhr lediglich zwei Kunden gleichzeitig hereingeholt, welche von den Helfern in der Lebensmittelausgabe bedient werden. Das Angebot ist reichhaltig. Neben den bereits erwähnten Dingen wie Brot oder verschiedenem Obst und Gemüse gibt es reichlich Aufschnitt, Joghurts, Cornflakes, Suppen, Babynahrung, Kuchen oder auch Tiefkühlwaren wie Pizzen oder abgepackte Putensteaks sowie Alltagsgegenstände wie Taschentücher oder Zahnbürsten. Für einen Aufpreis von 60 Cent zuzüglich Pfandkosten gibt es eine Kiste Wasser. Zu Stoßzeiten wie Weihnachten oder Ostern gibt es Weihnachtsgebäck oder Osterhasen. Oftmals haben die Lebensmittel gerade das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten, sind aber dennoch ohne Bedenken genießbar. Zum Teil sind auch lediglich die Verpackungen leicht beschädigt, wodurch diese im normalen Verkauf nicht mehr genutzt werden. „An der Qualität des Inhalts ändert sich jedoch nichts“, berichtet Aubreville aus Erfahrung.

Auch die Kunden sind mit dem Angebot der Tafel mehr als zufrieden. „Ich komme regelmäßig hier hin, weil es ein schönes und großes Angebot von allem gibt“, erzählt eine junge Mutter. Ein anderer Gast, der aufgrund eines Arbeitsunfalls nicht mehr erwerbsfähig ist, schlägt in die gleiche Kerbe: „Zu 95 Prozent sind die Waren immer in Ordnung. Es läuft alles geregelt, und ich bin mit der Tafel super zufrieden.“ Nach einer Stunde sind alle Kunden mit vollen Tüten versorgt, für das eingespielte Team der Tafel beginnen hiernach die Aufräumarbeiten. „Das ist unser größtes Problem“, betonen sowohl Aubreville als auch Schoon. „Wir müssen bis zum Nachmittag wieder alles aufgeräumt haben.“ Lagermöglichkeiten gibt es keine. „Schon lange suchen wir einen trockenen und ebenen Raum, um verschiedenste Dinge zu lagern. Aber es ist schwer, ohne Sponsoren preisgünstige Räumlichkeiten zu finden“, erläutert Aubreville die unglückliche Situation. Bei Schoon lagern die Waren sogar in seinem eigenen Zuhause: „Das ist natürlich kein Zustand“, sagt er.

Dennoch geht auch das Aufräumen zügig vonstatten. Um 13 Uhr sind die Arbeiten abgeschlossen, und die ehrenamtlichen Helfer kommen zur Ruhe. „Wir sind eine gute Truppe“, sagt Aubreville abschließend und zufrieden.


Die Lingener Tafel wurde im Frühjahr 1997 nach amerikanischem Vorbild und in Anlehnung an die bereits bestehenden Tafeln in Deutschland als Verein gegründet. Er ist Mitglied im Bundesverband Deutsche Tafel, dessen Leitgedanke „Lieber verwerten als vernichten ist“.

Aufgabe der Lingener Tafel und ihrer Ausgabestellen ist es, Lebensmittel einzusammeln, die überschüssig, aber noch verwertbar sind und nicht mehr verkauft werden.

Unterstützt werden Menschen in Lingen und der Umgebung. Das Angebot der Lingener kann jeder Mensch in Anspruch nehmen, der staatliche Transferleistungen erhält wie:

•Arbeitslosengeld II (SGB II),

•Wohngeld (WoGG),

•Sozialhilfe (SGB XII),

•Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz

•oder der bedürftig ist im Sinne des § 53 AO.

Für die Abgabe von Lebensmitteln werden ein Nachweis der Bedürftigkeit, über Grundsicherung, aktueller Rentenbescheid, Bafög-Bescheid oder der aktuelle Einkommensnachweis benötigt.

Die Haselünner Ausgabestelle, Poller Straße 4, ist jeden Donnerstag von 11 bis 12 Uhr geöffnet. cw