„Sie nannten mich den Dinosaurier“ 91-Jähriger umrundet täglich den Haselünner See

Von Helmut Diers

Täglich umrundet Rudolf Osenegg bei Wind und Wetter den Haselünner See. Foto: zoTäglich umrundet Rudolf Osenegg bei Wind und Wetter den Haselünner See. Foto: zo

Haselünne. Morgen vollendet Rudolf Osenegg sein 91. Lebensjahr. Selbst dieser Ehrentag kann den ehemaligen Kaufmann und Geschäftsführer verschiedener Kaufhäuser nicht von seinem sportlichen Engagement fern halten. Zur Feier des Tages wird er nach dem Frühstück wie jeden Tag im sportlichen Outfit mit Start und Ziel „Haus am See“ einmal mehr den Haselünner See umrunden.

Erst mit 63 Jahren und dem Eintritt in den Ruhestand kam der in Amsterdam geborene Jubilar und Sohn eines Musikerehepaares auf Anraten seines Arztes zur sportlichen Betätigung. „Ich hatte einen Bandscheibenvorfall und litt unter Rückenschmerzen. Zudem schleppte ich einige Pfunde zu viel mit mir rum“, mag man gar nicht glauben, wenn man den schlanken Senior mit seinen Nordic-Walking-Stöcken in schnellen Schritten den Haselünner See umrunden sieht.

„Wer rastet, der rostet“, zitiert Rudolf Osenegg den Volksmund und liefert gleich in seiner Person das beste Beispiel, dass regelmäßige sportliche Betätigung körperlich fit hält. Osenegg, dessen 93-jährige Schwester in Vancouver in Kanada lebt, freut sich schon darauf, seiner Schwester eine Ausgabe der heutigen Meppener Tagespost schicken zu können. „Wir haben uns zum letzten Mal vor 30 Jahren gesehen“, erzählt der der Haselünner, den nichts von seiner rund 2300 Meter langen morgendlichen Runde um den See abhält. „Regen, Wind, Sonne, Schnee können mich nicht davon abhalten“, sagt der rüstige Pensionär, der von Düsseldorf ins beschauliche Westerloh zog.

Nach dem Tod seiner Frau Annerose vor zehn Jahren siedelte Osenegg vor sechs Jahren in eine kleine Wohnung in einer Seniorenwohnanlage im Stadtzentrum um.

An die Anfänge seiner sportlichen Betätigung im Emsland erinnert sich Osenegg gern und mit herzhaftem Lachen. „Zuerst habe ich mich beim Boxtraining bei Ulrich Müller fit machen lassen“.

Irgendwann war ihm das aber zu kräftezehrend. „Die Boxer nannten mich nur den Dinosaurier!“ Das habe er sogar als Kompliment verstanden. Auch bei einem Männer-Turnklub gab der heutige Haselünner, der in England seine ersten Lebensjahre verbrachte und dort auch eingeschult wurde, ein sportliches Gastspiel. Dann machte er Bekanntschaft mit dem Sportabzeichen des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) und bekam es bis vor fünf Jahren zum letzten und 22. Mal verliehen.

„Dann haben sie die Bedingungen gerändert, das wollte ich nicht mehr mitmachen“. Der Rundweg um den Haselünner See wurde da der sportliche Begleiter des 91-Jährigen, der mit 76 Jahren noch den Sieg in der Männerklasse M60 beim Meppener City-Lauf davontrug. „Da wurde ich noch reich beschenkt!“ Eine weitere sportliche Leidenschaft ist das Radfahren. Allerdings trifft sich Osenegg nicht mehr jeden Mittwoch mit einer lockeren Truppe am Plesseparkplatz, um die Gegend zu erkunden. Zum Nordic Walking um den Haselünner See fährt der 91-Jährige mit seinem Smart. „Ich mag es nicht so langsam, eher etwas sportlich. Ich halte mich aber dennoch an die Verkehrsregeln“.