25.000 Besucher Korn- und Hansemarkt in Haselünne war ein voller Erfolg


Haselünne. Seit Sonntagabend ist der Historische Korn- und Hansemarkt Haselünne Geschichte.

Die 17. Auflage des Marktes endete nicht nur erfolgreich wie seine 16 Vorläufer, sondern übertraf diese um Längen. Noch nie wurde ein Korn- und Hansemarkt mit einem Festumzug durch die Gassen und Straßen der ältesten Stadt des Emslandes eröffnet, an dem rund 2500 mehr oder minder historisch gekleidete Personen aller Altersgruppen teilnahmen und diesen damit zum wohl größten historisch gestalteten Festzug der Region puschten.

„Der Korn- und Hansemarkt war ein voller Erfolg“, zog Vereinsvorsitzender Jan Bernd Berentzen noch auf dem Marktgelände eine mehr als positive Bilanz trotz des kurz vor dem Marktende einsetzenden Nieselregens. „Petrus ist ein Haselünner“, meinte Berentzen mit Blick auf die gestrigen Regengüsse im Umland, die in HAselünne ausblieben. „Wir haben drei Tage bei bestem Wetter mit weit mehr als 25000 Besuchern und über 1600 kostümierten Akteuren einen Markt der Extraklasse gefeiert“.

Es sei erfreulich gewesen, wie sich Gruppen, Familien vom Kleinkind bis zu den Großeltern mit dem Marktmotto „Ackerbürger und Bauern im alten Haselünne“ beschäftigt hätten. Besonders hob der Vorsitzende hervor, dass die plattdeutsche Heilige Messe, zelebriert von Pfarrer Heinrich Bolmer, zur Lebendigkeit des letzten Marktages beigetragen habe. „Gott sien Woort känn man plattdütske Mensken am allerbesten up Plätt seggen“.

Rund 700 Gläubige aus dem gesamten Emsland nahmen an der Messe auf dem Westerholt`schen Burgmannhof teil. Elisabeth Vocke merkte zum Auftreten einiger weniger Besucher durchaus kritisch an, dass sie die historische Kleidung wohl mit karnevalistischer Kostümierung verwechselt hätten.

Hubert Heydt, Finanzchef des Vereins Historischer Korn- und Hansemarkt Haselünne e. V., kamen bei dem Gedanken an noch mehr historisch gewandete Besucher beim 18. Korn- und Hansemarkt am zweiten Septemberwochenende 2016 als in diesem Jahr durchaus Gedanken an die Vereinskasse. „Die Kostümierten zahlen bislang nur drei Euro Eintritt“. Von ihnen lebt aber der Korn- und Hansemarkt.

Aber nicht nur das mittelalterliche Musikvergnügen mit traditioneller historischer Unterhaltungskunst und stilecht gestaltetem großen Trara mit Clownerie, Musik, Jonglage, Taschenspiel. Theater, Bauchtanz, Feuer- und Fakirzauber sowie gewandete Spielleute sorgten für Kurzweil in allen Gassen und auf dem Markt, sondern auch die rund 200 Marktbeschicker mit ihren alten Handwerkskünsten.

Erstmals in der 30-jährigen Geschichte des Korn- und Hansemarktes beteiligte sich mit einem Informationsstand die Hansestadt Stralsund am Marktgeschehen. „Der Hammer war der Umzug am Freitag“, verteilte Rainer Lange von der Stadtverwaltung Stralsund Komplimente. „Die ersten Leute waren schon im Ziel, da waren die letzten noch nicht vom Platz. Wir sind das erste Mal hier, sicher nicht das letzte Mal. 2016 werden wir einige Händler mitbringen“.

Lob und Anerkennung für alle Mitwirkenden gab es zum Abschluss von Werner Schräer, Bürgermeister der Hasestadt. „Mit dem 17. Korn- und Hansemarkt hat sich die Stadt wieder einmal weit über die Grenzen des Emslandes hinaus hervorragend präsentiert. Dank und Anerkennung gebühren den Organisatoren und allen Mitwirkenden vor und hinter den Kulissen. Mit dem Marktmotto wurde der richtige Akzent gesetzt. Nur so lässt sich der große Besucherzuspruch erklären“.

Nicht zu Unrecht ist im vergangenen Jahr der alle zwei Jahre durchgeführte Markt des Vereins „Historischer Korn- und Hansemarkt Haselünne“ zu einem der schönsten Stadtfeste Europas gekürt worden. Dieses Qualitätsurteil ist auch in diesem Jahr immer wieder in Gesprächen mit großartig kostümierten Besuchern und Akteuren, Künstlern, Präsentatoren alter Handwerkskünste, Gauklern und anderem fahrenden Volk nur zu gern bestätigt worden. „Die ganze Stadt und der Markt sind wunderschön“, schwärmten Marian und Bosena Dudzic aus dem polnischen Opole.

Das Ehepaar war zum ersten Mal als Korbflechter beim Historischen Korn- und Hansemarkt. „Das ist hier eine sehr gute Atmosphäre. Die Organisation gefällt mir“, sagte Kasimir Gmys, der schon über zehn Jahre in Haselünne dabei ist und die Dudzics animierte mitzukommen. Gmys produzierte mit altem Werkzeug Schwerter und Ritterschilder „vom Rohmaterial bis zur Verkaufsware“.

Nebenan stellte nach alter Kunst der Niederländer Roeloef Eeftinge Reisigbesen in allen Größenordnungen her. „Ich bin mit meiner Familie zum fünften Mal hier. Komme immer gern, hier ist es so gemütlich“, lobte er auch die Organisatoren des Marktes. „Du kommst hier an, kriegst deinen Standplatz zugewiesen und schon kann es losgehen. Es ist einfach gut“. Der Meinung war auch Hans-Georg Werlich aus Weißwasser. Der Glasgraveur war bereits vor 15 Jahren das erste Mal mit einem Stand auf beim Korn- und Hansemarkt. „Der Samstag war vom Umsatz her gut. Wenn der Sonntag auch so wird, dann bin ich zufrieden bei meinem dritten Auftritt in der Stadt“.

„Den Markt finde ich sehr interessant. Ich habe sehr intensive Gespräche mit Besuchern geführt, komme gern wieder“, zeigte sich der 75-jährige Holzschnitzer Berno Lilienbecker aus Herford begeistert bei seinem ersten Auftritt in Haselünne. Kinder waren bei dem Herforder in der Bahnhofstraße willkommen. „Sie dürfen an meinem Hasen mitarbeiten. Ich möchte sie für das Schnitzen begeistern und zeigen, wie aus einem Holzstück ein Tier entsteht“, sagte Lilienbecker. „Das war richtig interessant“, sagte die zehnjährige Jenny Bültermann aus Holte-Lastrup, die eine Zeit lang Lilienbecker assistierte.

Zum 14. Mal dabei mit ihrer Klöppelkunst war die 72-jährige Niederländerin L. van Herp-Plug. „Solange ich kann, werde ich zu diesem tollen Markt kommen, wenn man mich will. Ich liebe die Gemütlichkeit bei diesem Markt“. Die lieben auch die Niederländer Margret und Gè Knobben, die gern „ihren Senf“ als Senfhersteller zum Historischen Korn- und Hansemarkt dazugaben. „Das sieht hier alles sehr gut aus. Alles liebe Leute, die alle sehr spaßig aufgelegt sind“.

Aber nicht nur die Aussteller und Akteure vom Drucker bis zum Holzschuhmacher, vom Gaukler bis Artisten, vom Bänkelsänger bis zu den Darstellern bäuerlichen Lebens in der Dorfgasse an der alten Klostermauer des 17. Korn- und Hansemarktes waren begeistert, auch die Besucher fanden oft begeisternde Worte für Haselünne. So meinte Barbara aus Nordhorn, dass „das Ambiente dieses Marktes ganz einfach wundervoll“ sei. „Mir gefällt der Markt. Es wird nicht der letzte Marktbesuch sein“.

„Der Markt ist echt stark“, stellte die gebürtige Münchnerin und heute in Meppen wohnende Susanne Eßkuchen , die seit 2002 keinen Markt ausgelassen hat. „Erstklassig für so eine kleine Stadt wie Haselünne. Der absolute Hammer“.