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In Englisch fast eine Fünf Haselünne: Übersetzerpreis für Bernhard Robben

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Haselünne. Als Gymnasiast schlidderte Bernhard Robben knapp an einer Fünf vorbei. Trotz des Hinweises seines damaligen Lehrers, er habe für diese Sprache einfach kein Talent, wurde der gebürtige Haselünner literarischer Übersetzer für Englisch. Der 57-Jährige ist in seinem Job so gut, dass er jetzt den mit 15000 Euro dotierten Übersetzerpreis der Heinrich-Maria-Ledig-Rowohlt-Stiftung bekommt.

Robben wird damit für sein literarisches Lebenswerk auf dem Gebiet der Übersetzung aus dem Englischen geehrt. Anerkannt werden vor allem auch seine Übertragungen der Bücher Salman Rushdies , Peter Careys, Haneif Kureishis und Alain de Bottons. Verliehen wird der Preis auf der Frankfurter Buchmesse.

Über die Auszeichnung freut sich der 57-Jährige riesig. „Wer übersetzen will“, sagte er einmal, „der muss sich verwandeln können: Ein Übersetzer wird ebenso zum alten irischen Bauern, der zusieht, wie vor dem Cottage im einsamen Donegal die Amsel eine Schnecke auf dem Feldstein zerschlägt, wird zur 13-jährigen Göre, die nachts mit dem Bus durch Edinburgh gondelt und mit Kodderschnauze über Gott und die Welt philosophiert.“

Zurzeit ist Bernhard Robben in Kanada. In Banff, in der Nähe von Calgary, arbeitet er in einem Arts Centre und tauscht sich mit internationalen Kollegen aus. Ein Stipendium hat ihn dorthin gebracht. Bereits 1987 war er Stipendiat des British-Councils für Cambridge, arbeitete als Deutschlehrer in Nordirland und bekam 1991, nach mehrjähriger freier Mitarbeit bei der BBC in London, ein Übersetzerstipendium für die East-Anglia-University in Norwich/England. Ein Jahr später ging der verheirate Vater eines Sohnes zurück nach Deutschland, ins brandenburgische Brunne unweit von Berlin. Dort bekleidete er von 1995 bis 2003 auch das Amt des ehrenamtlichen Bürgermeisters.

Viele Bücher hat der Preisträger im Laufe der Jahre übersetzt. Dafür erntete er oft große Anerkennung. Beispielsweise für seine Übertragung Salman Rushdies „Der Zauber der Florentinerin“. Die „Academic World“ lobt, Bernhard Robben schaffe es tatsächlich, „diese Monstrosität an Wortreichtum ungebrochen und ohne Verluste ins Deutsche zu übersetzen.“

Robbens umfangreiches übersetzerisches Werk umfasst vorwiegend Romane britischer, irischer und amerikanischer Autoren. 2003 erhielt er bereits den Übersetzerpreis der Kunststiftung Nordrhein-Westfalen.

Dass er einmal ein derartig erfolgreicher literarischer Übersetzer werden würde, liegt vielleicht auch ein bisschen an seiner Realschulzeit in Haselünne. „Auch wenn Deutsch mein Lieblingsfach war, habe ich Englisch gerne gehabt“, sagt er. Nach der Mittleren Reife wechselte er an Collegium Marianum in Neuss. „Da war Englisch mein schlechtestes Fach“, bekennt der 57-Jährige.

Diese Sprache hatte es ihm dennoch angetan. Auf sie wollte er sich beruflich konzentrieren, andere dazu zu dolmetschen, kam für Robben nicht infrage: „Ich habe keine Ahnung, wie das Kollegen machen, die aus mehreren Sprachen übersetzen. Ich habe schon jetzt immer das Gefühl hinterherzuhinken, entweder mein Deutsch oder mein Englisch aufbessern zu müssen.“

Mehr als 100 Übersetzungen aus dem Englischen tragen mittlerweile Robbens Handschrift. „Einsamkeit am Schreibtisch“, nennt der gebürtige Haselünner diese Arbeit. Meist sitzt er zwei, drei Monate am Stück an einem Werk, um es zu übersetzen. Die „unmittelbare Auseinandersetzung mit Menschen“ kommt ihm dabei zu kurz bzw. findet in der Zeit nicht statt. Als Ausgleich, einen „notwendigen Ausgleich“, wie er sagt, moderiert Robben deshalb gerne Lesungen: „Das ist nach der Einsamkeit daheim gleichsam geballte Öffentlichkeit.“

Erlebt hat Robben bei diesen Lesemoderationen schon eine Menge. Trotz guter Vorbereitung sind schöne Zufälle und Chaos eben manches Mal Gäste, die ungebeten Platz nehmen. Gut erinnert er sich da zum Beispiel an eine Lesung mit DBC Pierre und Jan Josef Liefers. Beide seien da nicht mehr so ganz nüchtern gewesen. „Da hatte ich die Befürchtung, dass mir der Abend aus dem Ruder läuft. Liefers hat gelesen, und ich merkte, wie Pierre sich langweilte. Plötzlich, mitten in die Lesung hinein, flüsterte er in sein Mikrofon ein einzelnes Wort:‘ Rattengesicht.‘“ Robben bangte, Liefers griente, das Publikum, lachte. Zum Lachen war die Erklärung Pierres für den vermeintlichen verbalen Ausrutscher. Freunde hätten dem australischen Schriftsteller, der gerne mehr Deutsch lernen wollte, just an dem Tag dieses Wort beigebracht. “Das war das Wort des Abends“, erinnert sich der Deutsche an eine „großartige Lesung“.

Den ständigen Wechsel zwischen dieser Öffentlichkeit und dann wieder der Einsamkeit der Übersetzung liebt Robben. Und er liebt die Sprache, die er trotz der Warnung jenes Lehrers aus Gymnasialzeiten zum Beruf gemacht hat.


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