Esders setzt auf Eigenentwicklung Haselünner wollen mit OLLI den Weltmarkt erobern

Im Familienunternehmen arbeiten auch (von links) Bernhard, Martin und Stefan Esders. Fotos: Lars SchröerIm Familienunternehmen arbeiten auch (von links) Bernhard, Martin und Stefan Esders. Fotos: Lars Schröer

Haselünne. Die Esders GmbH aus Haselünne schafft es seit 30 Jahren, sich mit Hightech made in Germany auf dem Weltmarkt zu behaupten. Selbst im Billiglohnland China konnten die Emsländer sich etablieren. Mit ihrer neuesten Erfindung namens OLLI wollen sie neue Maßstäbe setzen.

Von der neuesten Entwicklung erhofft sich das Unternehmen einen weiteren Aufschwung. „Wir haben es über drei Jahre entwickelt“, verrät Seniorchef Bernd Esders. Drei seiner vier Söhne sind bereits ins Unternehmen  eingestiegen. Bernhard (33) und Martin (31) gehören mittlerweile der Geschäftsführung an.  

Auch Stefan (29) stieg nach dem Maschinenbau-Studium in den elterlichen Betrieb ein. Seine Masterarbeit widmete er OLLI. Dahinter verbirgt sich ein handliches explosionsgeschütztes Mehrbereichs-Gasmessgerät für brennbare und toxische Gase sowie Sauerstoff.

Diese kleine handliche Gerät soll Esders großen Ertrag bringen.


Der jeweilige Experte von Ort ist mit einem Koffer im Einsatz und kann zum Beispiel Leckagen im riesigen Gasnetz in China aufspüren. Dank weiterer Zusatzspezialgeräte können mit OLLI unterschiedliche Messdaten gewonnen werden.

Wenn sich Vater Bernd, Sohn Martin (beide Ingenieure der Versorgungstechnik), Sohn Bernhard (Ingenieur für Elektrotechnik Fachrichtung Informationstechnologie) und Sohn Stefan über OLLI unterhalten, geraten sie schnell ins Fachsimpeln. Die Rede ist dann von diversen Softwarekomponenten und Kalibrierungen. „Zudem haben wir schon 192 Hardware-Komponenten nur für dieses Gerät entwickelt, und dann kommen noch diverse Softwarevarianten obendrauf“, sagt Maschinenbau-Ingenieur Stefan. Unter Hardware verstehen die Esders Pumpen, Sensoren, Krokodilclips, Batterien und so weiter.

Der Werktisch entspricht höchsten Ansprüchen. Ein Mitarbeiter in der Produktion des Gerätes mit dem Namen "Olli" am neuen intelligenten selbstentwickelten Arbeitsplatz.


Ein weiterer Clou ist der Werktisch, an dem dieses Gerät für die speziellen Kundenwünsche gebaut wird. Früher musste der Elektroniker sämtliche Komponenten des jeweiligen Kunden zuerst einmal selbst erfassen und entsprechend zusammenstellen. Jetzt wird mit der Kundenbestellung dieser erster Schritt direkt vom Vertrieb übernommen. Damit wird vor allen Dingen der Fehlerquotient minimiert.

Für Bernd Esders ist es ein riesiger Vorteil, dass „wir auftragsbezogen jede Variante in ein paar Tagen passgenau bauen können“. Damit verkürzen sich die Lieferfristen enorm.

Dank der rechnergesteuerten Bedienungsanleitung kann der Facharbeiter OLLI sehr viel einfacher bauen und braucht nicht für jede Variante zusätzliche Schulungen. Zugleich sinkt die Fehlerquote. Die Anleitung zeigt ihm sogar am Display, in welcher Schublade am Werktisch er welches Bauteil findet.

Ein Mitarbeiter bestückt eine Platine mit verschiedenen Komponenten.


„Natürlich gibt es bereits ähnliche Systeme für Werktische am Markt. Wir haben uns vorab einige auf der Cebit in Hannover angeschaut“, sagt der 29-jährige Stefan Esders. Aber oft hätte die Bildschirmoberfläche den Bediener nicht wirklich angesprochen. Sie sollte den Mitarbeiter im besten Fall intuitiv anleiten. Den Esders-Ingenieuren war deshalb schnell klar: „Wir brauchen eine eigene Lösung.“

Nach der Masterarbeit über das Messgerät, wollte das Familienunternehmen jetzt den bestmöglichen Werktisch zum Bau von OLLI konstruieren. „Wir haben das Ganze selbst entwickelt“, so der stolze Vater. Sie schrieben die Software selbst, entwickelten optimierten Arbeitsabläufe und konzipierten die Mechanik.

Das Projekt konnte allerdings nur gelingen, weil OLLI seinerseits gegenüber den herkömmlichen Messgeräten sich wesentlich einfacher und letztlich vor allem schneller produzieren lässt.

Mitarbeiter Thomas Keller in der Produktion des Gerätes mit dem Namen "Olli" am neuen intelligenten selbstentwickelten Arbeitsplatz.


Warum Esders damit selbst im Hochlohnland Deutschland im internationalen Vergleich die Nase vorn hat, erklärt der 59-Jährige: „Wir produzieren dieses Gerät deutlich unter einer halben Stunde.“ Für die Herstellung des Vorgängermodells benötigte der Facharbeiter bislang vier Stunden, obwohl die alte Variante nicht so leistungsfähig war. Die extensive und intensive Vorbereitung in diese Konstruktion zahlt sich jetzt aus. Das Gerät ist seit Ende 2018 auf dem Markt. Die ersten Bestellungen aus dem Ausland für OLLI liegen aber bereits vor, unter anderem von Seoul City Gas aus Südkorea und weiteren Großabnehmern, etwa aus Polen.

„Das ist der Einstieg, um selbst große asiatische Gasversorger für ein neues Gerät made in Germany zu gewinnen“, ist Martin Esders überzeugt. Die emsländische Strategie gehe bereits auf. Im Ausland haben deutsche Produkte immer noch einen guten Ruf und hohen Stellwert.

In China könne sich Esders letztlich jedoch nur behaupten, weil es eine eigene Niederlassung habe und sich mit seinen landesweit sieben Händlern an den Ausschreibungen direkt vor Ort beteilige. Martin Esders ist zudem mehrmals im Jahr im Reich der Mitte. Dabei sei das Preis-Leistungsverhältnis bei der Vergabe ausschlaggebend. Nur so können sich die Haselünner gegen asiatische Billigprodukte durchsetzen. Mit den bislang teuren Geräten zog das emsländische Unternehmen „bei den ganz großen Ausschreibungen“ bislang den Kürzeren.

Dank des leistungsstärkeren und zu gleich kostengünstigeren OLLI rechne sich Esders auf diesem riesigen Markt wesentlich bessere Chancen aus. Insofern könnte sich die drei dreijährige Entwicklungsphase auszahlen. Zumal jetzt der Kunde mit OLLI eine passgenaue Lösung mit den landesspezifischen Grenzwerten bis zur Anleitung in seiner Sprache erhält. Das Gerät weiß selbst: Habe ich eine Pumpe oder keine. Das Gerät überwacht sich sogar selbst. Zudem können die Emsländer bei diesem neuen System von Haselünne aus für jedes einzelne Gerät in der Welt dank der Seriennummer bestimmte Softwareoptionen freischalten. Auf diesem Weg kann zum Beispiel eine Alarmstufe neu eingegeben werden.  


Von einem Umsatzrekord zum nächsten

Die Esders GmbH im Haselünner Gewerbegebiet ist ein typisches emsländisches Familienunternehmen. Seit 30 Jahren am Markt, sind nach einer schweren Krankheit des Vaters inzwischen zwei Söhne mit in die Geschäftsführung eingestiegen. In der Firma wird sich geduzt, vom Geschäftsführer bis zum Praktikanten. Es gibt keine Akkordarbeit für die 115 Beschäftigten. Seit 19 Jahren wächst der Umsatz des Mess- und Prüftechnikspezialisten für die Gas- und Wasserversorgung kontinuierlich an. Mit einer traditionell hohen Eigenkapitalquote von mehr als 90 Prozent setzt Esders weiter auf den Produktionsstandort Haselünne. Der Umsatz steigt seit 1999 von Jahr zu Jahr an. Nach 9,5 Millionen Euro 2017 übertraf er im vergangenen Jahr erstmals die zehn Millionen Euro-Marke Die Fachkräfte werden oft über Lernpartnerschaften mit ortsnahen Oberschulen und Gymnasien rekrutiert. „Rund 50 Prozent unserer Auszubildenden absolvierten vorher bei uns ein Schulpraktikum“, nennt Seniorchef Bernd Esders ein Erfolgsrezept. Jedes Jahr stelle das Familienunternehmen drei neue Auszubildende als Elektroniker für Systeme und Geräte ein. Das Ganze zahlt sich aus. Der große Fachkräftemangel, der im Emsland grassiert, hat Esders trotz starker Expansion bislang nicht erreicht. Das Familienunternehmen besitzt auswärtige Niederlassungen in Österreich, den Niederlanden, Polen und China.

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