Beeindruckende Aufführung Haselünner Gymnasiasten gedenken Opfer des Nationalsozialismus

Von Gerd Mecklenborg

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Die Schüler stellten Gerichtsszenen auf dem Altar der Klosterkirche nach. Foto: Gerd MecklenborgDie Schüler stellten Gerichtsszenen auf dem Altar der Klosterkirche nach. Foto: Gerd Mecklenborg

Haselünne. Die drei 10. Klassen des Haselünner Gymnasiums waren mit ihren Geschichtslehrern in der Klosterkirche zusammengekommen, um an die Opfer des Nationalsozialismus zu erinnern.

2005 wurde der 27. Januar von der EU zum europäischen Gedenktag, und im selben Jahr von den Vereinten Nationen zum globalen Gedenktag, erklärt. Die Zehntklässler des Kreisgymnasiums St. Ursula Haselünne behandeln aktuell im Unterricht das Thema Nationalsozialismus. Anhand von Auszügen aus dem dokumentarischen Theaterstück „Die Ermittlung“ von Peter Weiss stellten 30 Akteure Szenen des ersten Auschwitzprozesses in Frankfurt von 1963 bis 1965 nach, bei dem Weiss Beobachter war.

Das Theaterstück wird in elf sogenannten Gesängen erzählt, die die einzelnen Stufen des Leidens eines Häftlings im Konzentrationslager Auschwitz widerspiegeln. Jeder „Gesang“ handelt von einem anderen Thema. Diese Gerichtsszenen spielten die Schüler auf dem Altar der Klosterkirche nach. Dazu hatten sie sich alle dunkel gekleidet, und man konnte ihre Betroffenheit bei den Erzählungen förmlich spüren.

Rolle der Zeugen und Gefangenen

Die Schüler schlüpften dabei in die Rolle der Zeugen und Gefangenen, die von Richter (Sebastian Ipe), Ankläger (Marah Bley) und Verteidiger (Christina Ostermann) angehört wurden. Der Auschwitzprozess war für die Zeugen, die die Lagerhaft überlebt hatten, sehr belastend, denn nach 20 Jahren durchlebten sie die schrecklichen Ereignisse noch einmal. Den Haselünner Schülern gelang es gut, dieses Gefühl „auf die Bühne“ zu bringen.

Insgesamt wurden 360 Zeugen vernommen. Am 6. Mai 1965, nach 154 Prozesstagen, wurde die Beweisaufnahme abgeschlossen. Die Plädoyers der Anklagevertreter, der Nebenklagevertreter und der Verteidigung nahmen 22 Verhandlungstage in Anspruch.

Hass, Gewalt und Verbrechen

Hass, Gewalt und Verbrechen, die sich gegen ihre Religion oder Geschichte richten, sei für Juden in Deutschland und Europa immer noch eine alltägliche Erfahrung, hieß es in den die Aufführung begleitenden Texten, die Schüler und Lehrer des Haselünner Gymnasiums verlasen. So zeige eine aktuelle Studie des internationalen Nachrichtensenders CNN, dass alte Vorurteile offenbar weiterhin sehr präsent sind. Mehr als ein Viertel der befragten Europäer sei demnach der Meinung, Juden hätten zu viel Einfluss auf die Geschäfts- und Finanzwelt. Weiter gab einer von fünf Befragten an, Juden hätten einen zu großen Einfluss in der Politik und in den Medien. Bedenklicher noch als die offenen Angriffe sei der latente Antisemitismus in der Bevölkerung, hieß es in der Einleitung zu der Aufführung. So hätten laut Umfragen etwa 15 bis 20 Prozent der Deutschen latent antisemitische Ansichten.

Die beeindruckende Veranstaltung der Haselünner Gymnasiasten zeugte von aufrichtigem Respekt vor den Opfern der Shoa und trug so auch dazu bei, Antisemitismus und jahrhundertlange Anfeindungen gegenüber Juden – ganz im Sinne der gespielten Gerichtsszenen – „zu verurteilen“.


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