Serie "Mein Job und ich" Hausdame aus Haselünne über Missgeschicke, Promis und prekäre Situationen

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Für Ordnung und Sauberkeit in den Zimmern des Haselünner Burghotels sorgt Jasmin Kaps. Foto: Carola AlgeFür Ordnung und Sauberkeit in den Zimmern des Haselünner Burghotels sorgt Jasmin Kaps. Foto: Carola Alge

Haselünne. Bäder wischen, Zimmer saugen, Betten machen, Staub putzen. Hausdamen sind so etwas wie die guten Geister der Hotels. Sie sind meist „unsichtbar“, diskret und wissen mehr über die Gäste als manch anderer. Jasmin Kaps arbeitet im Housekeeping im Burghotel in Haselünne. Im Interview spricht die 24-jährige Bramscherin über Ordnung, Promis und prekäre Situationen.


Der Knick im Kopfkissen hat ausgedient. Foto: Carola Alge


Frau Kaps, haben Sie heute, bevor Sie zur Arbeit sind, Ihre Kopfkissen daheim nach dem Aufschütteln mit einem Knick in der Mitte versehen?

Nein, das Aufschütteln reicht völlig (lacht).

In Ihrem Beruf als Housekeeperin sorgen Sie ja unter anderem dafür, dass sich die Gäste in ein schön gemachtes Bett legen. Gibt es da so etwas wie eine Hausnorm, wie das Bett auszusehen hat?

Ja, wir haben eine bestimmte Falttechnik.

Verraten Sie uns die?

Wenn man von oben auf das Bett guckt, darf die Bettwäsche keine Kanten und Falten haben. In das Kopfkissen wird auch kein Knick mehr gemacht.

Beim Bettbe- und -abziehen finden Sie vermutlich manches, was nicht in Bettritze und Co. gehört. Verraten Sie uns ein bisschen darüber . . .

Man findet unter anderem Kleidungsstücke, Kugelschreiber, oft die Fernbedienung, viel Unterwäsche, Lan-Kabel und manchmal „Schmuddelhefte“.


Das Staubwischen auch der alten Leuchter im Burghotel in Haselünne gehört zur Arbeit von Jasmin Kaps. Foto: Carola Alge


Gäste dürfen erwarten, dass sie tipptop gereinigte und ausgestattete Zimmer vorfinden. Dafür sorgen Sie. Wurde das vielleicht mal mit einer besonderen Aufmerksamkeit eines Gastes honoriert?

Es sind oft nette Worte. Gäste danken, dass das Zimmer schön ist. Sie reagieren mehr verbal als materiell.

Gast ist nicht gleich Gast. Manche benehmen sich ordentlich, andere weniger. Hat jemand mal eine Art Chaos hinterlassen?

Überwiegend haben wir ordentliche und zuvorkommende Gäste. Eine Art Chaos hat noch niemand hinterlassen.


Joachim Llambi ist einer der Promis, die im Burghotel in Haselünne gewohnt haben. Foto: Reinhard Fnslau


Im Burghotel nächtigen auch Promis. Wer ist Ihnen besonders in Erinnerung?

Ja, hin und wieder nächtigen Promis im Burghotel. Joachim Llambi war einer. Und es wohnte unter falschem Namen ein Comedystar bei uns, der nicht erkannt werden wollte. Wir haben ihn aber natürlich erkannt. Von den Prominenten kann man sagen, dass sie „normale“ Gäste sind. Sie wollen keine Extrawürste, haben keine Allüren.


Auch die Minibar muss gescheckt und aufgefüllt werden. Foto: Carola Alge


Als Teil des Housekeeping-Teams haben Sie große Verantwortung – und das nicht selten unter Zeitdruck. Wie viel Zeit steht Ihnen im Schnitt pro Zimmer zur Verfügung?

Ein sauberes Zimmer steht an erster Stelle. Im Durchschnitt benötigen wir 15 bis 20 Minuten.


Für jedes Zimmer gibt es eine Checkliste, was zu tun ist. Foto: Carola Alge


Als Zimmermädchen, wie es früher so schön hieß, müssen Sie sich auch um viele vermeintliche Kleinigkeiten kümmern: Getränke in der Minibar auffüllen, Lampen austauschen, wenn sie ihren Geist aufgegeben haben. Haben Sie dafür eine Art Checkliste und ein Schema, nach dem Sie sich durch die Zimmer arbeiten?

Eine Checkliste zur Überprüfung ist vorhanden. Aber nach einiger Zeit entwickelt jeder selbst seine eigene Routine, um sich durch die Zimmer durchzuarbeiten.


"Es gibt Gäste, die das Klopfen überhört haben und – durchaus auch mal in amouröser Situation – noch im Bett zu finden sind"Jasmin Kaps, Hausdame im Burghotel Haselünne, über prekäre Situationen im Zimmer


Klopfen, warten, das Zimmer betreten. Sind Sie, obwohl Sie dachten, ein Raum sei frei, schon mal in eine prekäre Situation geraten?

Ja, das kommt vor. Es gibt Gäste, die das Klopfen überhört haben und – durchaus auch mal in amouröser Situation – noch im Bett zu finden sind. Man entschuldigt sich dann höflich und verlässt sofort das Zimmer.

Ihren Job sollen Sie ja möglichst unsichtbar ausführen. Gelingt das immer?

Trotz größter Mühe gelingt das nicht immer. Wenn Gäste zum Beispiel früher anreisen. Oft sind wir auch erste Ansprechpartner. Man ist quasi immer auf dem Präsentierteller.


Im Bad finden die Hausdamen durchaus Dinge, von denen man auf den Gast schließen kann. Jasmin Kaps denkt über die Bewohner der Zimmer jedoch nicht nach: "Arbeit ist Arbeit". Foto: Carola Alge



"Arbeit ist Arbeit"Jasmin Kaps denkt über Gäste, deren Zimmer sie reinigt, nicht nach


Sie wissen über Hotelgäste mehr als manch anderer. Denken Sie während Ihrer Arbeit über die Menschen nach, denen Sie hinterherräumen?

Nein. Arbeit ist Arbeit. Ich würde es auch nicht schön finden, wenn man sich mit mir als Hotelgast gedanklich auseinandersetzt. Das würde schon ins Private hineinspielen. Und bei mehreren Tausend Gästen im Jahr hätte ich auch viel nachzudenken (lacht). 

Gibt es Gäste, die versuchen, Missgeschicke zu vertuschen?

Das ist ganz unterschiedlich. Der eine Gast spricht es offen an, der andere reist ab, ohne etwas gesagt zu haben. Es kommt zum Beispiel schon öfters vor, dass Nachttischlampen aus Versehen umgeworfen werden.


Wichtiges Untensil bei der Arbeit ist für Jasmin Kaps der Housekeeping-Wagen. Foto: Carola Alge


In der Regel wird in Ihrem Beruf in Schichten gearbeitet. Wie sind Ihre Arbeitszeiten?

In Haselünne arbeiten wir von 8 bis 14.30 und in Lingen von 8 bis 13 Uhr.

Wie ist es um den Nachwuchs bestellt?

Der ist schwierig zu finden, da viele an den Wochenenden nicht arbeiten wollen. 


"Ich gucke immer zuerst, wie sauber es unter dem Bett ist"Jasmin Kaps über ihr Verhalten als Hotelgast


Wenn Sie in einem Hotel übernachten, ertappen Sie sich dabei, dass Sie zum Beispiel mit dem Finger über den Fernseher fahren, um zu sehen, ob er verstaubt ist?

Ja, tatsächlich nehme ich das Hotelzimmer genau unter die Lupe (lacht). Ich gucke immer zuerst, wie sauber es unter dem Bett ist. Wenn es dort sauber ist, ist in der Regel auch der Rest so.


Hand aufs Herz. Sie sind jobmäßig dafür da, Ordnung zu schaffen. Wie ist das zu Hause, lassen Sie da eher mal alle sieben gerade sein?

Die Ordnung ist ein Teil von mir.


Ihren Job macht die 24-jährige Jasmin Kaps im Burghotel in Haselünne gern. Foto: Carola Alge



Zahlreiche weitere Interviews aus dieser Reihe finden Sie im Internet auf www.noz.de


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