Serie „Mein Job und ich“ Pförtnerin aus Haselünne über Anrufer mit „unheimlicher Stimme“

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Haselünne. Monika Baldauf hat täglich mit vielen Menschen zu tun – am Telefon und vor Ort. Sie ist Pförtnerin bei der Firma Berentzen in Haselünne. Im Interview erzählt die 62-jährige Haselünnerin von einem Anrufer mit „unheimlicher Stimme“, warum sie trotz ihres Dienstbeginns um 7 Uhr ein „Gute-Laune-Bär“ ist und weshalb sie ihren Arbeitsbereich auch als Visitenkarte des Unternehmens sieht.

Frau Baldauf, Sie sind Pförtnerin bei der Berentzen-Gruppe in Haselünne. Was finden Sie an Ihrem Job besonders spannend?

Am Anfang eines neuen Tages weiß ich nie, was mich erwartet. Da ich auch die Telefonanlage der Berentzen-Gruppe bediene, kann auch in diesem Bereich immer wieder etwas Unerwartetes passieren. Ich beginne meinen Dienst um 7 Uhr. Dann schließe ich als Erstes die Tore und Türen auf. Danach aktiviere ich die Telefonanlage, höre den Anrufbeantworter ab, gebe die eingegangenen Nachrichten an die zuständigen Abteilungen weiter. Anschließend kann der Tag beginnen. Ich bin für alle Überraschungen gewappnet. Welche Besucher kommen? Wer möchte was von mir am Telefon? Der ganze Vormittag ist immer wieder spannend.

Gab es mal eine Situation, in der Sie mit jemandem nicht fertig wurden?

Ja, so eine Situation gab es tatsächlich einmal. Es ist schon einige Jahre her. Da bekamen wir immer wieder einen anonymen Anruf. Es war eine ganz schrecklich verzerrte unheimliche Stimme. Es war immer nur ein Atmen, Schreien und unverständliches verzerrtes Reden zu hören. Wir haben uns dann mit einer Trillerpfeife „bewaffnet“. Sobald der Anruf dann einging, pfiffen wir in den Hörer. Der Anrufer ließ sich hiervon nicht beeindrucken. Schließlich haben wir die Polizei einschalten müssen. Die konnte den Anruf zurückverfolgen. Es handelte sich dabei um eine psychisch verwirrte Frau aus Berlin. So etwas vergisst man so schnell nicht wieder.

Pförtner hinterlassen ja in der Regel auf Besucher einen Eindruck, den sie schnell auf das gesamte Unternehmen projizieren. Was tun Sie, dass der positiv ist?

Ich komme jedem Besucher freundlich entgegen und verlasse dazu auch gerne das Pförtnerhaus. Da ich ein sehr fröhlicher Mensch bin, habe ich immer einen Spruch auf den Lippen, mache gerne einen Scherz. Ich hoffe, dass ich bei allen Besuchern durch meine Freundlichkeit einen positiven Eindruck hinterlasse und sie sich gerne an den Besuch bei der Berentzen-Gruppe erinnern.

Es gibt Pförtner und Pförtner. Einige verstecken sich hinter ihrem Namensschild und hoffen, nicht angesprochen zu werden ...

Oh, da gehöre ich nicht dazu. Ich trage mein Namensschild, damit ich auf jeden Fall angesprochen werden kann. Da zu meinen Aufgaben auch die Annahme von Paketen und Päckchen durch Kurierdienste gehört, sind auch die Damen und Herren froh, wenn sie mein Namensschild sehen und nicht groß nachfragen müssen. Aber auch die Besucher gucken sofort auf das Schildchen und sprechen mich dann mit Namen an. Das hat ja auch etwas mit schnellerer Kontaktaufnahme zu tun. Wenn ich irgendwo hinkomme, finde ich es auch schön, wenn ich mein Gegenüber mit Namen ansprechen kann. Also hinter dem Namensschild verstecken – nein!

Dienstbeginn am frühen Morgen ist nicht so jedermanns Sache. Sind Sie da eher der Gute-Laune-Bär und stecken andere damit an, oder kommen Sie schwer in Tritt?

Ich bin auf jeden Fall der „Gute-Laune-Bär“. Wenn mir jemand muffelig oder schlecht gelaunt entgegenkommt, begegne ich ihm mit guter Laune. Da ich meinen Job sehr, sehr gerne mache, ist jeder neue Tag im Betrieb eine Freude, und ich hoffe, dass das auch bei anderen so rüberkommt. Auch am Telefon bemerkt man meine Freude an der Arbeit: immer den Anruf mit einem Lächeln entgegennehmen. Das kommt am anderen Ende freundlich an. Die Stimme kommt ganz anders rüber, wenn man die Mundwinkel hochzieht beim Sprechen. Das habe ich in mehreren Telefonseminaren gelernt – und es klappt. Ich finde es ganz schrecklich, wenn jemand anruft und dann seinen Text so „runterbetet“.

Zu Ihrem Job gehört es, den Überwachungsmonitor im Blick zu behalten. Haben Sie darauf schon mal Einbrecher entdecken müssen?

Nein, es wurde zwar schon das ein oder andere Mal eingebrochen, aber dann außerhalb meiner Dienstzeit, da die Herrschaften sich lieber in der Nacht „an ihre Arbeit“ machen.

Apropos im Blick haben. Fällt der Job frühmorgens oder abends im Dunkeln schwerer als sonst?

Ich beginne ja um 7 Uhr meinen Dienst. Da ich immer mit dem Rad zur Arbeit fahre, ist es besonders im Sommer frühmorgens schön. Die Sonne geht auf, ich höre die Vögel singen. Auf den Straßen ist noch nicht viel los. So komme ich schon entspannt zur Arbeit. Im Winter ist es natürlich nicht ganz so schön. Erst mal das frühe Aufstehen im Dunkeln ist überhaupt nicht mein Ding, dann die Kälte und evtl. Schnee und Glatteis. Da muss ich schon vorsichtig sein. Bei Schnee und Glatteis gehe ich auch zu Fuß. Hat aber auch was.

Würden Sie sagen, Sie sind Pförtnerin aus Leidenschaft?

Auf jeden Fall bin ich Pförtnerin aus Leidenschaft. Ich möchte mittlerweile nichts anderes mehr machen. Das war nicht immer so. Bis vor circa acht Jahren war die Telefonzentrale noch auf dem alten Gelände am Wasserturm. Dann war klar, dass die Telefonzentrale ins Pförtnerhaus zieht und auch die Pförtneraufgaben mit übernimmt. Das Pförtnerhaus wurde komplett überholt. Heute kann ich mir keinen besseren Arbeitsplatz wünschen. Bei mir im Büro ist immer was los, und es gibt draußen immer was zu gucken.

Auch in Ihrem Job gibt es hin und wieder sicher mal Leerlauf. Wie überbrücken Sie den?

Da ich zu meinem Pförtnerdienst noch die Telefonzentrale bediene und auch Endverbraucheranfragen der Berentzen-Gruppe per E-Mail oder per Brief beantworte, gibt es für mich immer etwas zu erledigen. Also Leerlauf gibt es selten. Und wenn, dann schaue ich aus dem Fenster, da gibt es immer etwas zu sehen. Beispielsweise die große Baustelle im letzten Jahr.

Sie arbeiten seit mehr als 40 Jahren bei Berentzen. Wie unterscheidet sich Ihr Job hier von dem von Kollegen in anderen Betrieben?

Ich habe es schon erlebt, wenn ich irgendwo hinkomme, dass einige Pförtner sehr unmotiviert sind. So nach dem Motto „Ich muss das ja machen, sprich mich bitte nicht an!“. Das ist als Besucher kein schönes Gefühl. Dann denke ich immer: Mach doch einen anderen Job, wenn es dir hier nicht gefällt. Also die positive oder negative Einstellung kommt auf jeden Fall bei den Gästen an. Die Pforte ist doch auch die Visitenkarte jedes Unternehmens.


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