„Mosaik der Erinnerungen“ Arbeiten von Sasha Ginsburg im Haselünner Rathaus zu sehen

Von Werner Scholz

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Haselünne. Als Adolf Hitler am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler ernannt wurde, haben nur wenige erahnt, welches Ausmaß an Verbrechen folgen wird. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 brannten im Deutschen Reich nicht nur Synagogen jüdische Geschäfte und Wohnungen, es gab hunderte Todesopfer und Tausende wurden in Konzentrationslager verschleppt.

Um an diesen Beginn des offenen NS-Terrors gegen Juden zu erinnern, hat jetzt der Ökumenische Arbeitskreis gemeinsam mit der Stadt Haselünne in der Haselünner Rathausgalerie die Kunstausstellung „Mosaik der Erinnerungen“ des in Osnabrück lebenden jüdischen Künstlers Sasha Ginsburg eröffnet. Zum Auftakt der mittlerweile 30. Gedenkveranstaltung des Ökomenischen Arbeitskreises haben Frauke Steuter und Hans Vorholt Namen der sieben jüdischen Haselünner Familien verlesen, die damals verschleppt und ermordet wurden. Für den musikalischen Rahmen sorgten Inge Streeck und Siegfried Joszwiak, die jiddische Lieder spielten.

Ruth Becker-Lang hielt als Vertreterin des Ökumenischen Arbeitskreises anschließende Eröffnungsrede. „Jedes Jahr suchen wir nach neuen Formen für das Gedenken. Und wir sind froh, dass wir damit dieses Mal eine Kunstausstellung mit Werken eines jüdischen Künstlers verbinden können“, betonte Becker-Lang und fügte hinzu: „Dass diese Ausstellung hier eröffnet werden kann, zeigt außerdem, dass es inzwischen neues jüdisches Leben in unserem Land gibt. Sie, Herr Ginsburg und ihre Schwester Inessa Goldmann engagieren sich im Projekt ‚Judentum begreifen‘, wo insbesondere jungen Menschen mehr über das Judentum erfahren. Nur, wer Kenntnisse hat, ist gewappnet gegen Hass und Ausgrenzung.“

Erinnerungen stellen

Als Vertreter der Rathausgalerie begrüßte Jürgen Thom die zahlreichen Gäste und fasste das wesentliche Anliegen in einen klar formulierten Imperativ zusammen: „Wir müssen uns in der Gegenwart den Erinnerungen an die Vergangenheit stellen, handeln und darauf hoffen, dass dadurch eine friedlichere und menschenwürdige Zukunft erreicht wird.“ Marianne Keuter, die ebenfalls zum Ökumenischen Arbeitskreis gehört und die diese Ausstellung angeregt und mit vorbereitet hatte, führte schließlich mit einer umfassenden Interpretation in die Arbeiten Ginsburgs ein. Entscheidend dabei: Erinnerung ist aus jüdischer Perspektive nicht etwas ausschließlich die Erinnerung an die beispiellosen NS-Verbrechen, sondern sie ist viel umfassender. Nicht ohne Grund zählt das Pessach-Fest, das an den Auszug der Israeliten aus Ägypten erinnert, zu den wichtigsten Feiertagen des Judentums und dieses Ereignis liegt über 3000 Jahre zurück.

Ein „Mosaik der Erinnerungen“ ist also nicht etwa ein düsteres Grau in Grau, sondern für den Künstler primär ein farbenreiches Mosaik orientalischer Motive, zu denen etwa auch der Löwe Yehuda, Namensgeber des Stammes Juda, gehört. Dieser Löwe ist heute auf dem Emblem der Stadt Jerusalem zu sehen. Auch hat das Judentum eine andere Zeitrechnung als das Christentum. „Das Judentum ist heute in unserem Land eine lebendige Realität. Juden sind in der Gesellschaft unserer Gegenwart präsent. Es ist daher unangemessen, das Judentum nur unter dem Aspekt des Holocaust sehen zu wollen“, gab Keuter zu bedenken.

Ausdrucksstarke Gesichter

Zuletzt wandte sich auch Haselünnes Bürgermeister Werner Schräer mit einem Grußwort an die Gäste der Vernissage, bevor sich der Künstler ins Gästebuch der Stadt eintrug und für Gespräche mit den Ausstellungsbesuchern bereit stand. Ginsburg lässt sich als Künstler nicht auf eine spezifische Stilrichtung festlegen. Schon in jungen Jahren zeichnete er Portraits. So ist es kaum verwunderlich, dass Gesichter – ausdrucksstark und meisterhaft gemalt – in seinen Arbeiten immer wieder eine entscheidende Rolle spielen. Dabei ist gerade seine Neigung zum Surrealismus eine Form des künstlerischen Ausdrucks, mit dem sich bildhaft Dinge jenseits des sprachlich Sagbaren abstrakt darstellen lassen. In jedem Fall lohnt es sich, die Arbeiten in Ruhe auf sich wirken zu lassen, um deren Tiefe zu erleben. Zu sehen ist die Ausstellung noch bim zum 14. Dezember dieses Jahres im Haselünner Rathaus. Wer sich über das Projekt „Judentum begreifen“, an dem sowohl Sasha Ginsburg als auch dessen Schwester Inessa Goldmann mitwirken, informieren möchte, wird im Internet unter www.judentumbegreifen.de fündig.


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