Spiel hilft Autisten im Alltag Wie ein 20-Jähriger aus Haselünne Beyblade-Weltmeister in Paris wird

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Matthes Rickers aus Haselünne ist Weltmeister im Beyblade. Foto: Harry de WinterMatthes Rickers aus Haselünne ist Weltmeister im Beyblade. Foto: Harry de Winter

Haselünne. Im Leben von Matthes Rickers aus Haselünne dreht sich alles um das aus Japan stammende Wettkampf-Spiel Beyblade. Nun wurde der 20-Jährige sogar in Paris Beyblade-Weltmeister. Aber nicht nur der WM-Titel macht den jungen Emsländer besonders.

Beyblade? Noch nie gehört? Wir auch nicht. Der Champion klärt uns auf. 

Matthes Rickers sitzt in der Küche und sortiert seine Beyblade-Sammlung. In verschiedenen Alukoffern hat er sie fein säuberlich geordnet. Schon seit seinem sechsten Lebensjahr bestimmen Wettkampfkreisel seine Freizeit. Ein Junge aus der Nachbarschaft hatte ihm das Spiel 2004 gezeigt. "Ich war sofort fasziniert davon und habe in jeder freien Minute damit gespielt", sagt der Emsländer. "Auch als der Beyblade-Trend 2006 bei den meisten in meinem Alter vorbei war, hab ich weiter gemacht."

So funktionert das Beyblade-Spiel:


Beyblade hilft im Alltag

Dass sich der 20-Jährige so auf die Wettkampfkreisel fixiert hat, mag auch mit seinem Autismus zusammenhängen. Ihm würde das Spielen mit den Beyblades beruhigen und darurch sehr im Umgang mit Menschen helfen und den Alltag sehr erleichtern, erklärt er. Zwischen zwei und acht Stunden täglich taucht der junge Haselünner in diese Spielewelt ein, in der er nicht mehr Matthes Rickers ist, sondern den Namen Zera trägt. 

Einer die vielen Koffer, in denen Rickers seine Beyblades einsortiert hat. Foto: Harry de Winter

Pakete landen beim Zoll

Die Beyblade-Wettkampfkreisel kommen seit 2002 als Merchandise-Produkte aus der gleichnamigen japanischen Comic-Serie (Manga) auf den internationalen Spielzeugmarkt und sind für den Hersteller Hasbro ein großer Erfolg. Jeder einzelne Kreisel hat eine eigene Bezeichnung, seine speziellen Funktionen und Fähigkeiten, Stärken und Schwächen. Rickers kennt sie alle bis ins kleinste Detail und weiß genau, welchen seiner über 300 Kreisel er auf dem Spielfeld, dem Beystadium, eine spezielle, schalenförmigen Arena, einsetzen muss, um erfolgreich sein. "Wenn neue Beyblades auf den Markt kommen, dann muss ich die sofort haben", erklärt der Haselünner. Da viele zunächst in Japan oder den USA erscheinen, schreckt er auch vor teuren Importen nicht zurück, die ihn locker 30 bis 50 Euro pro Kreisel kosten. "Auf dem Zollamt in Lingen kennen die mich bereits ganz gut." Denn hier landen die Pakete aus dem Ausland oftmals. 


Über 16.000 Abonnenten bei Youtube

Alleine ist der 20-Jährige mit seiner Leidenschaft nicht. Dank des Internets und seines Youtube-Kanals, auf dem sich alles um Beyblades dreht, hat er mittlerweile über 16.000 Abonnenten für seine Videos gewinnen können. Mit Spielern auf der ganzen Welt ist er vernetzt, tauscht sich aus und knüpft Freundschaften. So lernte er auch seine Freundin Tabitha kennen, die ebenfalls vom Beyblade-Fieber infiziert ist. Seit diesem Sommer sind sie ein Paar. Derzeit führen sie aber noch eine Fernbeziehung, da Tabitha in der Schweiz lebt.

Matthes Rickers mit seiner Freudin Tabitha. Sie lernten sich durch ihr Beyblade-Hobby im Internet kennen. Foto: Sammlung Rickers

Sprachtalent

Neben dem Talent für den Wettkampfkreisel hat Rickers auch eine Begabung für Sprachen. So perfektionierte er durch die internationalen Kontakte im Internet sein Englisch und spricht mittlerweile auch Französisch und Japanisch. Letztere erlernte er durch die Comic-Bücher, die in den Erstauflagen nur in diesen beiden Sprachen erscheinen.

Hersteller wird aufmerksam

Durch den Erfolg seiner Videos wurde auch der Hersteller Hasbro auf ihn aufmerksam. Dieser lud ihn ein, auf der Spielwarenmesse Kidexpo in Paris an der Weltmeisterschaft für die sogenannten Bey-Tuber, also Beyblade-Spieler, die erfolgreich eigene Videokanäle im Internet betreiben, teilzunehmen. "Es hat mich unglaublich gefreut, dass Hasbro mich eingeladen hat", schildert Rickers. Nach einiger Überzeugungsarbeit waren seine Eltern bereit, mit ihm zur WM nach Paris zu fahren. Seine Tante und Onkel sowie seine Schwester wollten ihn zu diesem Event begleiten. Auch seine Freundin wollte aus der Schweiz anreisen, um ihn zu unterstützen.

Nach Paris zur WM

Am 2. November war es soweit. Mit VIP-Pässen ausgestattet betrat Rickers mit seiner Familie die Kidexpo. Großes Interesse an den vielen anderen Dingen, die dort ausgestellt waren, hatte der 20-Jährige nicht. Für ihn gab es nur ein Ziel: Er wollte der beste Beyblader der Welt werden. Doch die internationale Konkurrenz aus Brasilien, Kanada, USA und Asien war ebenfalls groß und von Rang und Namen in der Szene. Der Andrang der Zuschauer in dem extra für die WM vorgesehenen Bereich war groß. Fünf Runden musste der Haselünner überstehen und sich durchsetzen. "Natürlich war ich aufgeregt, aber die Freude, dass ich dabei war, war größer." Die unzähligen Stunden des Beybladens sollten sich am Ende bezahlt machen. Alle Spielrunden, die auf große Leinwände übertragen wurden, gewann der Emsländer souverän und er ließ seinen Kontrahenten nicht den Hauch einer Chance. Dafür erntete er den Applaus und den Respekt aller Anwesenden. "Ich konnte es gar nicht glauben, dass ich Weltmeister wurde", schildert Rickers. "Das war schon immer ein Traum von mir. Jetzt hatte ich es geschafft."

Ganz oben auf dem Siegerpodest: Matthes Rickers aus Haselünne ist Beyblade-Weltmeister. Foto: Sammlung Rickers

Eigenen Beyblade entwickelt

Doch nicht nur der Erfolg sorgte bei ihm für Begeisterung. Auch dass er alle seine Idole und Vorbilder sowie die kreativen Köpfe hinter Beyblade kennen lernen durfte, war für ihn etwas ganz Besonderes. So hatte er auch die Gelegenheit, ihnen seinen selbst entwickelten und gebauten Beyblade zu präsentieren. "Die waren total angetan von meinem Modell und haben sich den genau angesehen. Es wird jetzt sogar überlegt, ob er auf den Markt kommen soll." Doch das werde wohl noch einige Zeit dauern. 

Der selbst entwickelte Beyblade von Matthes Rickers sorgte für Aufsehen auf der Spielemesse in Paris. Foto: Harry de Winter

WM-Titel verteidigen

Für Rickers war die WM in Paris ein echtes Erlebnis. Auf dem Erfolg ausruhen will er sich aber nicht, sondern weiter trainieren, damit er bei der nächsten Weltmeisterschaft seinen Titel verteidigen kann. Weiter hofft er, dass sich Hasbro bald beim ihm meldet, um seinen Beyblade in Serie zu produzieren. Außerdem wünscht er sich, Sponsoren zu finden, die ihn weiter unterstützen. Zusätzlich strebt er eine berufliche Ausbildung an. Was und wo genau, habe er aber noch nicht entschieden. 


Beyblade

Beyblade  ist eine Manga-Serie von Takao Aoki, die mehrere Anime-Verfilmungen nach sich zog. Die international erfolgreiche Serie handelt von Jugendlichen, die Kämpfe mit Kreiseln austragen. Die Kreisel wurden als Merchandise vermarktet. Die Wettkampfkreisel Beyblade werden seit 1999 in Japan hergestellt und vertrieben. Seit 2002 wird das Spiel von Hasbro auch international verkauft und war von 2000 bis 2005 eines der beliebtesten Spiele weltweit. Dabei wurden weltweit über 100 Millionen Stück verkauft. Das gleichnamige Spiel wird häufig in einer speziellen, schalenförmigen Arena gespielt, dem sogenannten Beystadium, kann aber auch auf einem anderen Untergrund stattfinden. Ziel ist es, seinen eigenen Kreisel länger als den Kreisel des Gegenspielers in der Arena zu halten. Gewinner ist derjenige, dessen Kreisel sich als letztes in der Arena dreht. Um einen Beyblade zum Rotieren zu bringen, wird ein sogenannter Starter mit einer Reißleine verwendet. Ein Beyblade besteht im Allgemeinen aus drei Einzelteilen: Dem Attack Ring, der Weight Disk und der Blade Base. Diese werden jeweils nach den Kriterien Angriff, Abwehr und Ausdauer bewertet. Die Einzelteile unterschiedlicher Beyblades lassen sich beliebig kombinieren, wodurch die Gesamtstärke erhöht werden kann.

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