Klosterkirchenkonzert Geigerin Miyeon Lee zeigt musikalische Reife in Haselünne

Von Daniel Lösker

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Gutes Zusammenspiel: Geigerin Miyeon Lee (links) und Yasko Linnartz am Piano. Foto: Daniel LöskerGutes Zusammenspiel: Geigerin Miyeon Lee (links) und Yasko Linnartz am Piano. Foto: Daniel Lösker

Haselünne. Die gebürtige Südkoreanerin Miyeon Lee begeisterte bei trotz ihres noch jungen Alters mit großer musikalischer Reife bei einem Konzert in der Klosterkirche in Haselünne.

Bachs „Sonaten und Partiten für Violine solo“ sind der Meilenstein des Genres. Viele Geiger trauen sich erst spät im Laufe ihrer Karriere daran. Die gebürtige Südkoreanerin Miyeon Lee scheint aber bereits in ihrem jungen Alter die nötige Reife für die Eroberung des Geigergipfels zu haben. Denn als Zugabe nach einem beeindruckenden Konzert mit vorzüglichen Interpretationen von Beethoven, Joachim, Ysaÿe, Prokofiev und Saint-Saëns wählt sie das „Adagio“ aus der „1. Sonate g-Moll“.

Auf zutiefst beeindruckende Art und Weise, mit großer Noblesse, sowohl klangschön als auch elegant, lässt sie ihr Instrument warm und voll den Raum der Klosterkirche füllen. Die selbstverständliche Beherrschung der technischen Anforderungen ist beeindruckend und die tief empfundene sinnliche und dennoch strukturelle Klarheit erinnert in ihren besten Momenten tatsächlich an die legendäre Aufnahme von Arthur Grumiaux.

Energetisch aufgeladen

Eigentlich müsste Lee nicht gut drauf sein. Hat sie doch gerade beim hoch angesehenen Joseph-Joachim-Wettbewerb leider keinen der Preise erobern können. Was es allerdings heißt, überhaupt bei solch einem Geigerwettstreit dabei zu sein, können die zahlreichen Zuhörer in Haselünne erleben. Es ist stellenweise schwer vorstellbar, warum es die Südkoreanerin nicht bis zum Halbfinale oder gar Finale geschafft hat. Doch dazu gehört auch etwas Glück. Zu diesem Glück gehört auch eine gute Begleiterin am Klavier. Mit der Pianistin Yasko Linnartz hat Lee eine solche gefunden. Bei der den Abend eröffnenden „Sonate für Violine und Klavier, op. 12/1“ allerdings meint es die durchweg souveräne Linnartz etwas zu gut und lässt mit ihrem markanten Spiel der jungen Lee zu wenig Raum zum großen musikalischen Atem.

Herrlich ist dann allerdings das Zusammenspiel bei Sergei Prokofievs „Sonate für Violine und Klavier, op. 94a“. Die Erhabenheit der ersten Töne des Eröffnungssatzes wirken energetisch aufgeladen. Burlesk und frech, mit großer Virtuosität erklingt das „Scherzo“. Der Finalsatz gerät zu einem wahren Parforceritt und regt zum spontanen Bravo-Ruf an. Auch bei Eugene Ysaÿes „Sonate für Violine solo, Nr. 4“ zeigt Lee, welch hohes musikalisches Grundverständnis sie bereits besitzt. Ausgefeilte polyphone Technik und kerniger, beinahe robuster Klang sind die Grundpfeiler ihres Spiels. Ungeheuer druckvoll und satt wirkt das Ganze, ist aber dennoch flexibel und sauber interpretiert. So gelingt der Violinistin eine ausgezeichnete Deutung des Fritz Kreisler gewidmeten Werkes. Lee zeigte große Violinkunst, die dann auch den verdienten lang anhaltenden Beifall erhält, woraufhin sie die Zuschauer mit der Bach-Zugabe belohnt.


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