Serie "Mein Job und Ich" Haselünner Landwirt Leonhard Beelmann: "Ich habe den tollsten Beruf der Welt"

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Zusammen auf dem Hof aktiv: Ulla Beelmann (von links), Praktikant Vincent Milzarek, Alexander Beelmann und Leonhard Beelmann. Foto: Malte GoltscheZusammen auf dem Hof aktiv: Ulla Beelmann (von links), Praktikant Vincent Milzarek, Alexander Beelmann und Leonhard Beelmann. Foto: Malte Goltsche

Haselünne. Seit 1982 führt Leonhard Beelmann seinen landwirtschaftlichen Betrieb im Haselünner Ortsteil Lotten. Seine Frau Ulla kümmert sich um die Bürotätigkeiten, sein Sohn ist seit letztem Jahr auch eingestiegen. Es ist ein echter Familienbetrieb. Im Interview spricht die Familie über die Veränderungen in der Landwirtschaft und nötigen Abstand vom Hof.

Familie Beelmann betreibt eine Hähnchenmast mit langsam wachsenden Tieren auf 100.000 Stallplätzen. Dazu bewirtschaftet die Familie 130 Hektar Ackerbau mit Grünland, Mais und Zuckerrüben, mit dem die hauseigene Biogasanlage beliefert wird. Die Wärme der Biogasanlage wird unter anderem für die Haselünner Schwimmbäder und auch auf dem eigenen Betrieb verwertet. Außerdem gehört zum Hof eine Photovoltaikanlage und ein Windrad. Die Geschichte des Hofes reicht zurück ins 17. Jahrhundert, sagt Leonhard Beelmann. Doch er denkt modern. Früher hatten die Beelmanns noch Milchvieh. Diesen landwirtschaftlichen Zweig haben die Beelmanns aber zugunsten der erneuerbaren Energien abgegeben. Sohn Alexander ist im diesem Jahr in den Betrieb eingestiegen. Er will ihn in Zukunft übernehmen.

Wie sind sie Landwirt geworden?

Leonhard Beelmann: Ich war der einzige Sohn. (lacht) Der Betrieb bestand ja schon vorher und mich hat die Landwirtschaft auch immer interessiert. Heute muss ich sagen, dass ich alles richtig gemacht habe. Es ist einer der schönsten Berufe, die man haben kann. Man ist selbstständig, ist also Unternehmer sowie Arbeitnehmer und das ist etwas, das man nicht unterschätzen sollte. Außerdem darf man das Arbeiten mit und in der Natur nicht vergessen.

Alexander Beelmann: Es ist sehr abwechslungsreich. Ob Stall, Acker oder Büro, alles ist dabei. Es ist eine große Herausforderung, da man als Landwirt ein vielseitiges Wissen haben muss.

Sie sind bei Wind und Wetter draußen und arbeiten körperlich. Macht Ihnen das überhaupt noch Spaß?

Leonhard Beelmann: Früher war die Arbeit viel körperlicher. Es wird immer noch gesagt, dass Bauern viel und intensiv arbeiten müssen. In der heutigen Zeit ist es so, dass die Technik auch vor der Landwirtschaft nicht Halt gemacht hat. Insofern ist es in der Landwirtschaft eine Herausforderung, mit der Technik Schritt zu halten.

Wie sieht der Alltag und der tägliche Ablauf aus?

Leonhard Beelmann: Wir fangen morgens um 7 Uhr an. Als erstes versorgen wir die Hähnchen und dann wird die Biogasanlage befüllt und kontrolliert. Das teilen mein Sohn und ich uns dann auf. Dann kümmern wir uns um den Ackerbau und anfallende Reparaturen. Viel Zeit muss heutzutage im Büro verbracht werden, was allerdings meine Frau Ulla intensiv macht. Die Bürozeit wird auch für Landwirte immer mehr.

Die Beelmanns haben vier Hähnchenställe mit rund 100.000 Stellplätzen. Auf dem Foto von links: Praktikant Vincent Milzarek, Alexander Beelmann, Leonhard Beelmann und Ulla Beelmann. Foto: Malte Goltsche

Sie sind ein echter Familienbetrieb...

Leonhard Beelmann: Wir sind ein Familienbetrieb und ein Ausbildungsbetrieb. Ich bilde seit 35 Jahren junge Landwirte aus. Beim Lehrlingstreffen im Juli waren 30 ehemalige Auszubildende dabei. Es war für mich immer ganz wichtig, dass man jungen Landwirten etwas weitergibt. Aktuell habe ich keinen Auszubildenden, da Alexander ja jetzt auch auf unserem Betrieb mitarbeitet.

Können Sie in den Urlaub fahren? Für viele Landwirte gibt es die Zeit nicht immer her.

Alexander Beelmann: Dass man mit der gesamten Familie in den Urlaub fährt, das ist eher seltener. Das muss schon passen, wenn die Hähnchenställe gerade leer sind. Aber dann geht es mal für ein paar Tage los. Ansonsten wird das immer abgewechselt, damit einer immer auf dem Hof ist.

Leonhard Beelmann: Die ganze Familie fährt gerne Ski. Ulla und ich fahren dann auch mal getrennt. Als Alexander noch nicht hier war, ging es nicht anders, dann musste einer beim Auszubildenden bleiben aber ich glaube seit 30 Jahren haben wir unseren Skiurlaub nicht ausgelassen. Diese Lebensqualität sollte man sich nehmen, denn es ist wichtig, dass man mal rauskommt. Das Leben sollte nicht so an einem vorbeilaufen.

Ulla Beelmann: Das haben wir gut geregelt, damit wir unsere Auszeiten bekommen. Das sollte man auch. Und Urlaub hat man nur, wenn man vom Betrieb weg ist.

Viele kleinere Höfe haben in den letzten Jahren Probleme bekommen und mussten schließen. Woran liegt das und was können Landwirte dagegen tun?

Leonhard Beelmann: Ich glaube, dass es der Politik nicht gelingt, das zu verhindern. Betriebe mussten bislang, um bestehen zu können, immer größer werden. Wenn ein Betrieb größer wird in Fläche und Tierhaltung, dann müssen andere aufhören. Qualität und Quantität liegen nun mal eng beieinander.

Alexander Beelmann: Die Betriebe werden schon immer größer – es ist wichtig, das zu verbessern, was man hat, um das Optimale rauszuholen.

Ulla Beelmann: Das ist eine Entwicklung, die jede Berufssparte mitmacht. Warum sollen die Landwirte noch so arbeiten wie vor 50 Jahren? Das wäre nicht mehr wirtschaftlich. Ein Landwirt ist auch Unternehmer, es muss unter dem Strich etwas dabei herumkommen. Das ist bei kleineren Betrieben vielleicht schwieriger zu erzielen. Aber Landwirte sind innovativ und auch in vielen Nischen gibt es Möglichkeiten zu bestehen.

Würden Sie sich von der Gesellschaft mehr Wertschätzung wünschen?

Leonhard Beelmann: Ja, das schon. Obwohl wir Lebensmittel von hoher Qualität produzieren und uns ständigen Kontrollen unterziehen, ist das in letzter Zeit ein Problem geworden. Wir müssen alle daran arbeiten wieder mehr in die Mitte der Gesellschaft zu kommen.

Was ist die größte Herausforderung für die Landwirtschaft?

Leonhard Beelmann: Erst mal unser Image aufzubessern, wo es geht, aber auch ganz sicher die Digitalisierung. Wenn man da so in die Zukunft schaut, wird das ja immer intensiver.


Die Biogasanlage der Beelmanns versorgt unter anderem die Schwimmbäder in Haselünne mit Wärme. Foto: Malte Goltsche


Finden Sie es schade, dass sich das so entwickelt?

Leonhard Beelmann: Ich habe immer Sorge, wo dabei der Mensch bleibt. Wird er vielleicht auch "weg digitalisiert"? Man wird dadurch immer gläserner. Aber ich glaube, die Entwicklung kann man nicht aufhalten und junge Menschen denken darüber wohl auch ganz anders.

Ulla Beelmann: Es ist ja auch ein Stück weit eine Hilfe und der Grund dafür, dass die Betriebe immer mehr wachsen. Sonst könnte die Arbeit gar nicht geleistet werden, wenn wir Technisierung und Digitalisierung nicht hätten.

Würden Sie jungen Menschen noch raten, Landwirt zu werden?

Ja, auf jeden Fall. Wenn sie einen guten, funktionsfähigen Betrieb haben, ist das der tollste Beruf der Welt. Ich würde jedem, der Interesse daran hat, dazu raten, Landwirt zu werden. Aber auch ohne eigenen Hof bietet die Landwirtschaft viele interessante berufliche Möglichkeiten für junge Menschen.


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