Angehörigenabend von Pro Talis in Haselünne „Der ganze Abend hat nichts gebracht!“

Von Martin Reinholz

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Stellten sich den Fragen von Bewohnern und Angehörigen: Die Vertreter von Pro Talis in Haselünne: Margret Bethke (von links), Ina Büffel und Benjamin Hestermann. Foto: Martin ReinholzStellten sich den Fragen von Bewohnern und Angehörigen: Die Vertreter von Pro Talis in Haselünne: Margret Bethke (von links), Ina Büffel und Benjamin Hestermann. Foto: Martin Reinholz

Haselünne. Enttäuscht haben etwa 80 Angehörige und Bewohner des Pflegeheims Pro Talis in Haselünne einen Angehörigenabend, zu dem die Geschäftsleitung eingeladen hatte, verlassen. Viele ihrer Fragen blieben unbeantwortet oder wurden nur unzureichend beantwortet.

Intention des Abends war seitens der Geschäftsleitung, die gegenüber den Leistungsträgern beantragte Entgelterhöhung ( wir berichteten) zu erläutern. Die Einrichtungsleiterin des Hauses in Haselünne, Margret Bethke, die Assistentin der Geschäftsleitung von Pro Talis, Ina Büffel, und Benjamin Hestermann von der Leitung der Qualitätssicherung des Pflegeheimbetreibers stellten sich den anwesenden Gästen und ihren Fragen.

Die Pflegeeinrichtung Pro Talis in Haselünne hat zum 1. Oktober höhere Leistungsentgelte beantragt. Die Kosten für die Versorgung der Bewohner könnten dadurch im Einzelfall von derzeit etwa .1500 Euro auf 2000 Euro steigen.

Die betroffenen Bewohner und Angehörigen wurden seitens Pro Talis Ende August in einem Schreiben über „Neue Leistungsentgelte in den Bereichen Pflege, Unterkunft und Verpflegung“ über die anstehende Erhöhung des Heimentgeltes informiert. Benjamin Hestermann räumte vor Bewohnern und Angehörigen ein: „Die Kommunikation war nicht gut. Das Schreiben war verwirrend“. Hestermann verteidigte aber die geplanten Erhöhungen. Kostensteigerungen im Bereich der Sach- und Personalaufwendungen machten eine Erhöhung „notwendig“.

Betreuungsschlüssel

Ina Büffel erläuterte, dass das Pflegeeinrichtungsunternehmen die Gehaltsanpassungen der letzten zwei Jahre „in Höhe von etwa 17 Prozent nicht umgelegt“ habe. Zudem trügen „Mindestlohnanpassungen und Fachkräftemangel“ zu weiteren Kostensteigerungen bei. Hestermann ergänzte, dass die Pflegeeinrichtung als Arbeitgeber Zuschläge und höhere Entgelte anbieten müsse, um bei dem zurzeit angespannten Marktumfeld gute Mitarbeiter zu binden und anwerben zu können. Dazu ergänzte Einrichtungsleiterin Margret Bethke, dass in Haselünne der Betreuungsschlüssel etwa zehn Prozent über den Mindestanforderungen liege und die auch im Sinne der Bewohner in Zukunft gesichert werden solle.

Fronten verhärtet

Während des Abends blieben die Fronten zwischen der Heimleitung und den Bewohnern und Angehörigen verhärtet. Ein Teilnehmer bat um Offenlegung der genauen Kostensteigerungen. Wenn es einen Anstieg der Leistungsentgelte im Durchschnitt von etwa insgesamt 30 Prozent gebe, dabei Lohnsteigerungen in Höhe von 17 Prozent berücksichtigt würden, müsse es auch Kostensteigerungen von weit über 30 Prozent in anderen Bereichen geben. Eine Erklärung gaben die Unternehmensvertreter jedoch nicht.

Lob für Personal

Die Pro Talis-Vertreter mussten den Vorwurf hinnehmen, dass die Einrichtung in Haselünne „zu billig“ sei und nun durch die Erhöhung der Leistungsentgelte die „Preisführerschaft unter den Haselünner Einrichtungen“ eingenommen werden solle. Oder es gehe darum, bei den anstehenden Verhandlungen mit den Leistungsträgern „hoch zu pokern“, wurde vermutet.

Die sehr „gute Versorgung der Bewohner“, das „fachkundige und zuvorkommende Personal“ wurden im Laufe des Abends wiederholt von den Anwesenden gelobt und zu keinem Zeitpunkt in Frage gestellt. Der Informationsgehalt der Veranstaltung wurde jedoch abschließend seitens der Gäste als „nicht lohnend“ eingestuft. „Der ganze Abend hat nichts gebracht!“, resümierte eine enttäuschte Teilnehmerin abschließend.


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