Betreuung in Wildtierauffangstation In Baunetz verfangen: Haselünnner Jung-Uhu flugunfähig?

Meine Nachrichten

Um das Thema Haselünne Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Im Netz verfangen hatte sich dieser Uhu in Haselünne. Er konnte daraus erst in der  Wildtierauffangstation endgültig befreit werden. Foto: Tierpark NordhornIm Netz verfangen hatte sich dieser Uhu in Haselünne. Er konnte daraus erst in der Wildtierauffangstation endgültig befreit werden. Foto: Tierpark Nordhorn

Haselünne. . Das Stadtleben birgt für Uhus viele Gefahren. Bau- und Schutzgeflechte gehören dazu. In einem solchen hatte sich eins der Haselünner Jungtiere verfangen und verletzt. Es wird immer noch in der Wildtierauffangstation des Tierparks Nordhorn versorgt.

Wann und ob der Vogel überhaupt wieder in die Freiheit entlassen werden kann, ist derzeit noch unklar. Der Jung-Uhu könnte sich beim Verfangen in dem Baunetz Kapsel- oder Brustbeinverletzungen zugezogen haben. Die hätten, so Zootierärztin Dr. Heike Weber, „mehrmonatige Heilungsverläufe zur Folge“. Mit Uhu-Nachwuchs aus Haselünne hat die Tiermedizinerin nicht das erste Mal zu tun. Bereits im Sommer 2017 kümmerte sie sich um zwei der in dem Jahr geschlüpften drei Tiere. Ein Jungtier saß seinerzeit in einem Hauseingang fest. Ein zweites hatte sich hinter Mülleimern verirrt. Beide Pfleglinge wurden in Nordhorn aufgepäppelt.

Bei der Kapelle des Haselünner Krankenhauses ließen sich die Haselünner Jung-Uhus vor ein paar Monaten nieder. Foto: Carola Alge

Der aktuell zu versorgende Uhu erblickte mit drei weiteren Geschwistern um Ostern 2018 auf dem Dach der Haselünner St.-Vincentius-Kirche das Licht der Welt. Das seit mehreren Jahren dort ansässige Weibchen zog den Nachwuchs mit neuem Partner auf. „Nachdem vergangenes Jahr der männliche Vogel einen Unfall nicht überlebte, lockten im zeitigen Frühjahr die weit hörbaren Balzrufe des Weibchens einen neuen Partner“, berichtet Dr. Andreas Schüring. Der Naturfotograf und Experte beobachtet die Tiere regelmäßig.

Die Brutphase verlief vergleichsweise heimlich, sodass man in Haselünne lange rätselte, ob es wieder Uhu-Nachwuchs geben würde. Und noch etwas war anders als 2017. Die Wanderphase der Jungtiere verlief völlig komplikationslos. Nur eins von ihnen benötigte bei einem Ausflug menschliche Hilfe, als es, noch flugunfähig, am Boden saß und nicht auf das Dach der Kirche zurückkam. Deren Dach wurde schnell zur Spielwiese der Youngster. Sie starteten von dort ihre ersten Flugversuche, die ohne Zwischenfälle verliefen. Nahezu unbemerkt wechselte das gefiederte Quartett im Sommer sein Revier. Es verließ seine Brutstätte an der Kirche und wechselte zur alten Kapelle des St.-Vinzenz-Hospitals (wir berichteten).

Ein Baunetz wurde einem der Haselünner Jung-Uhus zum Verhängnis. Foto: Bauhof Haselünne

An einer Baustelle der Firma Vehmeyer wurde einem Jung-Uhu ein Schutzgeflecht zum Verhängnis. Arbeiter so berichtet Schüring, entdeckten ihn in dem Geflecht an einem der Gerüste. „Der Uhu hatte sich im Schutznetz verfangen. Da von der zugänglichen Innenseite eine Bergung unmöglich war, musste die Feuerwehr mit ihrer Drehleiter anrücken, um das völlig erschöpfte Tier aus seiner misslichen Lage zu befreien“.

Endgültig aus dem Netz befreit werden konnte der junge Uhu erst in der Wildtierauffangstation in Nordhorn. Foto: Tierpark Nordhorn

Das Tier habe äußerlich bis auf einige Abschürfungen im Bereich des rechten Flügelhandgelenks keine sichtbaren Schäden aufgewiesen. Dass es sich bei dem Uhu um einen des aktuellen Haselünner Nachwuchses handelt, belegen die Daten seines Ringes, mit dem ihn und die anderen Jungtiere Mitglieder der Oehoewerkgroep Nederland (OWN) versehen hatten.

Trotz seiner Verletzung zeigte sich der Uhu vital. Foto Andreas Schüring

Wie konnte es zu der verhängnisvollen Landung in dem Netz kommen? „Die komplexen Bewegungsabläufe der Jagd beherrschen Uhus erst im Alter von etwa fünf Monaten. Die Entwöhnung von den Eltern findet meist in der ersten Septemberwoche statt“, sagt Schüring. Er verfolgt die Entwicklung des Haselünner Nachwuchses intensiv, hat ihn mit vielen beeindruckenden Fotos dokumentiert.

Der verletzte Uhu in Drohstellung. Foto: Andreas Schüring

Ein wenig mit Sorge sieht er die Entwicklung des in Nordhorn betreuten Uhus. Dessen Gesamtzustand sei nach Einschätzung von Zootierärztin Weber gut. Dass die Kollision zu inneren Verletzung der Flügelgelenkkapseln oder gar zu Verletzungen im Bereich des Brustbeines geführt hatte, lasse sich jedoch nicht ausschließen. Der zögerliche Heilungsverlauf lege die Vermutung einer solchen Verletzung nahe. Bisher zeige das Tier keine Flugaktivitäten.


„König der Nacht“

Mit 60 bis 75 Zentimeter Größe und einer Spannweite von 1,60 bis 1,70 Metern ist der Uhu die größte europäische Eule. Er ist fast so groß wie ein Steinadler und wird auch der „König der Nacht“ genannt. Das Weibchen ist deutlich größer als das Männchen. Es wiegt durchschnittlich 2600 Gramm, das Männchen etwa 1900 Gramm. Der Uhu ist etwa doppelt so groß wie die Waldohreule und mit zwei bis vier Kilogramm annähernd zehnmal so schwer. Er hat auffällige Federohren und leuchtend orangegelbe Augen. Das Gefieder ist rostbraun mit dunkler Längs- und Querstreifung. Das Brustgefieder ist heller als der Rücken. Der Uhu ist vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Zur Zeit der Jungenaufzucht jagt er jedoch auch am Tag. -cw-

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN