„Startkapital für das Berufsleben“ Gesellenbriefe für 90 emsländische Handwerkslehrlinge

Von Martin Reinholz

19 Gesellen wurden für herausragende Leistungen mit einem Präsent geehrt. Es gratulierten unter anderem Albert Stegemann (hintere Reihe rechts) und Andreas Nünemann (vorne rechts). Foto: Martin Reinholz19 Gesellen wurden für herausragende Leistungen mit einem Präsent geehrt. Es gratulierten unter anderem Albert Stegemann (hintere Reihe rechts) und Andreas Nünemann (vorne rechts). Foto: Martin Reinholz

Haselünne. Die Kreishandwerkerschaft Emsland Mitte-Süd hat 90 Lehrlingen in 13 verschiedenen Berufen nach erfolgreicher Prüfung die Gesellenbriefe überreicht. Im Rahmen einer Feierstunde in der „Alten Abfüllung“ des Berentzen Hofes in Haselünne nannte der Festredner der Veranstaltung, der Bundestagsabgeordnete Albert Stegemann (CDU), die Gesellenbriefe das „Startkapital für das Berufsleben“.

Neben den Junghandwerkern und Bürokaufleuten, die in den letzten Wochen die praktische und theoretische Gesellenprüfung im Handwerk erfolgreich absolviert haben, nahmen Eltern, Berufsschullehrer, Meister und Ausbilder an der Feierstunde teil. Ferner waren unter den Gästen Albert Stegemann (CDU), als Mitglied des Deutschen Bundestags und Festredner, Bernd-Carsten Hiebing, Mitglied des Landtags, Handwerkskammerpräsident Reiner Möhle, die stellvertretende Landrätin Margret Berentzen, Haselünnes Bürgermeister Werner Schräer, der Leiter der Berufsbildenden Schulen Meppen, Peter Diekmann und der stellvertretende Kreishandwerksmeister Georg Kall.

Berufswahl bedeutende Richtungsentscheidung

Die Berufswahl zu Beginn der Ausbildung nannte Kreishandwerksmeister Andreas Nünemann für die meisten der neuen Gesellen die „erste wirklich bedeutende Richtungsentscheidung“. Die Gesellinnen und Gesellen hätten mit dem erfolgreichen Bestehen der Prüfung gezeigt, dass sie eine „einmal getroffene Entscheidung auch bis zum Ende umsetzen können“, sagte Nünemann. Mit dem erworbenen Gesellenbrief stünden den Absolventen gerade im Landkreis Emsland, wo mit der zurzeit niedrigen Arbeitslosenzahl nahezu Vollbeschäftigung herrsche und Fachkräfte gesucht würden, alle Möglichkeiten offen, betonte Nünemann. „Das Handwerk ist eine wirtschaftlich stabile Branche mit vielen Perspektiven und nach oben offenen Chancen und Möglichkeiten“, sagte der Kreishandwerksmeister.

Ein Handwerk zu erlernen, sei im hohen Maße prägend für die Persönlichkeit“, meinte Nünemann. Sich Handwerker nennen zu dürfen, solle alle mit stolz erfüllen. Der Kreishandwerksmeister gab aber auch zu bedenken, dass der Gesellenbrief „kein Anrechtsschein auf künftigen Wohlstand“ sei. Vielmehr sei er eine „Eintrittskarte, um das handwerkliche Können unter Beweis zu stellen.“ Erworbenes Wissen müsse nun „gemehrt und an künftige Lehrlingsgenerationen weitergegeben werden“, sagte Nünemann weiter. Abschließend sprach er die erfolgreichen Absolventen „frei von der Lehrzeit“ und begrüßte sie im Gesellenstand des Handwerks.

Lob und Forderung

Festredner Albert Stegemann attestierte, dass sie nun „nach Jahren des Lernens ihre Ernte einfahren können“. „Das habt ihr euch verdient“, meinte der Politiker. Stegemann dankte den Eltern, die die Grundlage für den Erfolg durch den familiären Zusammenhalt geboten hätten, den Ausbildungsbetrieben und den Ausbildern und Lehrern. Der Gesellenbrief sei das „Startkapital für das Berufsleben“, sagte Stegemann. Egal, ob der weitere Lebensweg in dem erlernten Beruf weitergehe, ein Studium folge oder in die Selbstständigkeit führe, „euch stehen nun alle Türen offen“, meinte der Abgeordnete. Mit den Worten „ihr seid die kommende Verantwortungsgeneration“ forderte Stegemann die jungen Gesellinnen und Gesellen auf, sich in der Gesellschaft zu engagieren. Ob in Vereinen, Verbänden, Kirchen oder demokratischen politischen Parteien – „Freiheit ist auch Verantwortung“, sagte der Bundespolitiker im Hinblick auf die zurzeit in der Gesellschaft stattfindende zum Teil „besorgniserregende Polarisierung“.

Ausstellung der Gesellenstücke

Sebastian Schepers, Prüfungsausschussvorsitzender der Tischler-Innung Meppen, würdigte herausragende Leistungen einiger Prüflinge. „Herausragend“ bedeute hierbei eine Gesamtnote aus Theorie und Praxis von mindestens der Note „gut“, erklärte Schepers. Knapp 90 bestandene Gesellenprüfungen zeigen, dass das Handwerk im mittleren Emsland eine „tragende Säule der dualen Ausbildung darstellt“, sagte der Prüfungsausschussvorsitzende.

Die Gesellenprüfung beinhaltet nicht nur eine theoretische Prüfung, eine sogenannte „Stillarbeit“, sondern es mussten in den verschiedenen Gewerken zusätzliche praktische Arbeiten fehlerfrei und unter Prüfungsbedingungen bewältigt werden. Schepers verwies in diesen Zusammenhang auf die Ausstellung der Gesellenstücke in den kommenden zwei Wochen in den Geschäftsräumen der Emsländischen Volksbank in Meppen.


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