Betroffener berichtet Oberschülern in Sögel Ehemaliger Drogenabhängiger: Man steht am Abgrund

Von Gisela Arling

Gebannt hörten die Schüler B. Buss zu. Foto: Gisela ArlingGebannt hörten die Schüler B. Buss zu. Foto: Gisela Arling

Haselünne . Im Rahmen der Projekttage der Schule am Schloss in Sögel hatte die didaktische Leiterin Marion Geers in Zusammenarbeit mit einer Arbeitsgruppe des Kollegiums für die Jahrgänge 7 bis 9 unter anderem das Thema Alkohol-, und Drogensucht sowie Essstörungen in den Mittelpunkt gestellt.

Für Schüler des 9. Jahrgangs hatte Lehrer Tobias Hilbrath deshalb einen ehemaligen Drogenabhängigen eingeladen, der erstmals im cleanen Zustand offen über seine ungewöhnliche und fatale Vergangenheit als Drogenabhängiger berichtete. Benedikt Buss stammt aus dem Emsland und ist 37 Jahre alt. Seit zwei Jahren ist er nicht mehr drogensüchtig. In einem Zwiegespräch stellt Hilbrath ihn vor:„Es grenzt an ein Wunder, dass Herr Buss noch lebt und hier vor euch sitzt. Die Ärzte hatten seinem Leben keine Chance mehr gegeben“. B. Buss sei in einem guten und behüteten Elternhaus aufgewachsen und habe eine Lehre zum Landmaschinenmechaniker absolviert, um später einmal den familiären Betrieb zu übernehmen, erklärte Hilbrath. Buss beginnt seine Geschichte mit den Worten:„Ich möchte euch aufklären, wie es ist, wenn man Drogen nimmt, was mit der Psyche und dem Umfeld passiert, damit ihr nicht den gleichen Fehler macht wie ich“.

Der Weg in die Sucht

Schon als 16-jähriger habe er in der Clique viel Alkohol getrunken, gekifft und MDMA (Ecstasy) konsumiert. Während der Grundausbildung bei der Bundeswehr sei er dann „tiefer in den Drogensumpf“ geraten. Dort habe er sich dann zum ersten Mal Heroin gespritzt und gleich gewusst: „Jetzt bin ich verloren“, sagte B. Buss. Er ließ keinen Zweifel daran, dass Drogen am Anfang „mega“ sind. „Es war ein Gefühl, als wäre ich in ein Wollbett gefallen und ganz viel Liebe und Geborgenheit würden auf mich einprasseln, alle Probleme seien in den Hintergrund getreten. Dass man beim ersten Mal dabei kotzen muss, ist einem egal“, erinnerte sich B. an den ersten Schuss.

Dieses Gefühl wollte er wieder haben, und es sei sofort die psychische Abhängigkeit eingetreten.

Die körperliche Abhängigkeit sei nach ca. drei Wochen da gewesen. Er habe im Laufe der Zeit alle Arten von Drogen ausprobiert, hauptsächlich: Heroin, Kokain und Benzodiazipine und „ alles, was der Markt so hergibt. Man nennt das Politoxomani“, erklärte Buss weiter. Er habe nur noch funktionieren können, wenn er genügend Drogen bei sich hatte und jederzeit „nachlegen konnte“, so Buss. Es folgten die totale Abhängigkeit mit über 20 Entgiftungen, Therapien, Beschaffungskriminalität, Selbstmordversuche und schließlich Gefängnis. „Das Schlimmste war für mich, dass meine Familie fast daran kaputt gegangen wäre . Sie hat aber immer zu mir gehalten und mich unterstützt. Ohne sie hätte ich die Therapie nicht durchgehalten“, sagte Buss.

Rauschzustand

Die Schüler hörten gebannt zu, ihren Blick starr auf B. gerichtet. „Der beglückende Rauschzustand hielt anfangs einen Tag lang an, zum Schluss nur noch fünf Minuten. Drogen vermitteln dir ein Glücksgefühl und lassen dich glauben, dass du alles kannst, doch nach dem Hoch folgt schnell das Tief und man steht an einem Abgrund“, erklärte B. weiter. Sein psychischer und körperlicher Verfall sei unaufhaltsam gewesen. Dennoch habe er nach einem zweiten Anlauf noch seine Meisterprüfung abschließen können. Sein Drogenproblem sei jedoch noch schlimmer geworden, denn er brauchte stärkere Mittel, um „klarzukommen“. Irgendwann sei er völlig fertig im Krankenhaus gelandet.„Die Ärzte gaben mir wenige Überlebenschancen, meine Leber war durch die Drogen „kaputt“. Ich selbst war mir völlig egal, nicht aber meine Eltern. Für sie willigte ich in eine erneute Therapie ein und habe durchgehalten“, betonte Buss.

B. warnt die Schüler vor den Drogen

Er riet den Jugendlichen, von Typen Abstand zu nehmen, „die euch da drauf bringen wollen, um mit euch Geld zu verdienen“. Am Ende sagte eine Schülerin:“ Ich habe noch nie von einem, der es selbst erlebt hat, so eine Geschichte gehört. Ich wusste gar nicht, dass man so schnell abhängig werden kann. So etwas möchte ich nie durchmachen.“ Marion Geers stellte abschließend die Frage:“Was macht das Leben für Sie jetzt lebenswert?“ Buss. antwortet: „Alles. Man kann die Umwelt wieder richtig wahrnehmen, die Natur, die Gefühle, einfach alles“. Lehrer Hilbrath bedankte sich bei Buss für die Bereitschaft und den Mut, so offen über sein Leben als Drogenabhängiger zu sprechen. Buss, der nun clean ist, möchte ein Buch schreiben und weiter in Schulen gehen und die Jugendlichen mit seiner Erlebnisgeschichte über die Gefährlichkeit von Drogen aufklären.


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