Konzert in der Klosterkirche Haselünner Publikum erlebt Welt des romantischen Kunstlieds

Von Daniel Lösker

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Romantisches deutsches Lied interpretieren die Mezzosopranistin Yajie Zhang und Christian Zimmer am Flügel. Foto: Daniel LöskerRomantisches deutsches Lied interpretieren die Mezzosopranistin Yajie Zhang und Christian Zimmer am Flügel. Foto: Daniel Lösker

Haselünne. Die Mezzosopranistin Yajie Zhang und ihr Klavierpartner Christian Zimmer haben das Haselünner Klosterkirchenpublikum in die Welt des romantischen Kunstlieds entführt.

„Wie Melodien zieht es mir leise durch den Sinn“, jene Textzeile von Klaus Groth aus Johannes Brahms Opus 105/1 wählen Zhang und Zimmer als Motto für knapp zwei Stunden, mit der Ausnahme der Werke von Joseph Haydn, deutsches romantisches Kunstlied. Doch so sacht, wie die Worte vermuten lassen, wird es nicht.

Zhang kann mit einer gewaltigen Stimme aufwarten. Ihr Timbre ist, gerade im mittleren und tiefen Bereich, beeindruckend sonor und saftig-voluminös. Wenn es höher wird, holt sie auch gern einmal die sprichwörtliche Peitsche heraus und lässt den Raum der Klosterkirche erbeben. Das funktioniert bei Brahms und Hugo Wolf gut, ist aber den Liedern eines Franz Schubert nicht ganz so zuträglich.

Textverständlichkeit ausbaufähig

Hier übertreibt es die gebürtige Chinesin gelegentlich. Fast schon zu groß scheint die Stimme für „Rastlose Liebe“ oder „Seligkeit“. Ein wenig mehr Zurücknahme täte da an der einen oder anderen Stelle sicher gut. Zumal Zhang immer dann ihre schönsten, anrührendsten und gestalterisch wertvollsten Passagen hat, wenn sie diese Tugend berücksichtigt. Dort gewinnt dann auch die Textverständlichkeit, die sicher ausbaufähig ist. Ein Punkt, der unbedingt maßgebend ist im Genre des Liedgesangs.

Doch was die junge Mezzosopranistin und der fantastisch aufgelegte Pianist Zimmer im zweiten Teil des Programms aus den Liedern eines Robert Schumann und besonders eines Brahms herauszaubern, ist wirklich eindrucksvoll. Bis auf das misslungene „Feldeinsamkeit“ – hier zeigt Zhang ansonsten nicht hörbare Schwächen in der Intonation – können die Lieder des Hamburger Hochromantikers vollends überzeugen.

Betörender Stimmklang

Emotional packend gehen die Protagonisten „Von ewiger Liebe“ an. Zimmer, der mal distinguiert, mal beherzt in die Tasten greift, immer an den Lippen der Sängerin klebt und seinen Anteil farbig reich interpretiert, fungiert als subtiler Begleiter von Zhang, deren runder, warmer Stimmklang betört. Fantasiereich in der Gestaltung schafft sie stimmige Spannungsbögen. Beinahe narkotisch erklingen die eröffnenden Worte „Dunkel, wie dunkel in Wald und in Feld“, steigern sich stetig im Zwiegespräch von Jüngling und Mädchen und enden emphatisch im „unsere Liebe muss ewig bestehn“. Das ist große romantische Liedkultur und erzeugt atemlose Stimmung im nun spannungsgeladenen Kirchenraum.

Die Premiere eines Liederabends im Rahmen der Haselünner Klosterkirchenkonzerte kann spätestens mit der Musik Schumanns, unerhört farbig gestaltete Klanggründe im „Der Einsiedler“ – seiner Frau Clara, pikanterweise zwischen den Gesängen von Johannes Brahms untergebracht – und dessen Werken als gelungen angesehen werden.


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