Arbeit zunächst eine Herausforderung Bufdis der Suchtklinik Haselünne tanken Selbstbewusstsein

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Den Bundesfreiwilligendienst in der Fachklinik Hase-Ems für Suchtkrankheiten der Caritas in Haselünne absolvieren Chantal Beel, Mariele Lütje und Theresa Kessen (von links). Foto Konstantin StumpeDen Bundesfreiwilligendienst in der Fachklinik Hase-Ems für Suchtkrankheiten der Caritas in Haselünne absolvieren Chantal Beel, Mariele Lütje und Theresa Kessen (von links). Foto Konstantin Stumpe

Haselünne. Jeden Morgen lassen Theresa Kessen, Mariele Lütje und Chantal Beel dutzende Menschen pusten. Aber sie sind keine angehenden Polizistinnen, die alkoholisierte Autofahrer anhalten. Sie absolvieren einen Bundesfreiwilligendienst (BFD) in der Fachklinik Hase-Ems für Suchtkrankheiten in Haselünne.

Die drei sind meistens die ersten Menschen, die die neuen Patienten sehen, wenn sie in die Klinik kommen. Zu einer ihrer vielen Aufgaben gehört, die Patienten am Bahnhof abzuholen. Notwendig ist aber auch eine Menge soziales Einfühlvermögen. „Viele Patienten sind nervös, wenn sie zu uns kommen. Wir beruhigen sie und nehmen ihnen die Angst“, sagt Mariele. Natürlich hätten sie auch viele Aufgaben in der Verwaltung, leiteten Telefongespräche weiter und sortierten Akten, dennoch sei kein Tag wie der andere.

Schnell hineingewachsen

Eine Bereicherung seien besonders die Gespräche mit den Patienten, wenn die „Bufdis“, wie Bundesfreiwilligendienstleistende umgangssprachlich genannt werden, sie zu Arztterminen begleiten. „Vorher hatte ich gar keine Erfahrung mit Suchterkrankungen, deswegen war es für mich erst schwierig, aber ich habe schnell gemerkt: Das sind Leute wie wir, die einfach in schwierigen Lebenssituationen stecken“, sagt Theresa. „Der Zwiespalt zwischen Privatem und Beruflichem war am Anfang echt eine Herausforderung, weil man die Probleme der Patienten nicht mit nach Hause nehmen darf, aber man kommt echt schnell rein“, ergänzt Mariele.

Durch den Kontakt mit den Patienten werde die tägliche Routine durchbrochen. „Es sind zwar auch schwierige Patienten dabei, denen es schwerfällt, uns junge Menschen als Autoritätsperson zu betrachten, aber egal ob die Gespräche positiv waren oder negativ, daraus habe ich gelernt“, sagt Theresa. „Am Anfang haben uns aber alle Mitarbeiter richtig gut eingeführt. Jeder hat sich vorgestellt, man hat sich sofort wohlgefühlt“, fügt Mariele hinzu.

Regelmäßig Mentorengespräche

Damit die Bufdis nicht komplett ins kalte Wasser geschmissen werden, hat die Fachklinik einen Leitfaden für sie entwickelt. „Außerdem gibt es hier mindestens alle zwei Wochen Mentorengespräche, in denen die Arbeit reflektiert wird“, erklärt Bufdi-Betreuerin Rita Kalvelage. Ohnehin beinhaltet der BFD fünf einwöchige Seminare, während derer die jungen Menschen sich mit Bufdis aus anderen Einrichtungen austauschen können und Fragen zu sozialen, politischen, religiösen und persönlichen Themen diskutieren. So bereiten sie sich auch auf das berufliche Leben nach dem BFD vor. Theresa, Mariele und Chantal hatten schon vor dem BFD einen sozialen Beruf im Auge. Dieser Wunsch hat sich bei ihnen nun gefestigt. Auch die Arbeit mit Suchtkranken können sie sich nun vorstellen. „Hier merkt man, ob die Arbeit das richtige für einen ist“, betont Mariele.

Besonders schön zu beobachten ist laut Klinikmanagerin Claudia Westermann auch, wie sich die Bufdis während ihrer Zeit entwickeln. Viele seien zunächst etwas schüchtern, gewännen aber nach und nach immer mehr Selbstbewusstsein. „Es ist eine Win-win-Situation. Wir sind froh, dass wir Bufdis haben, die einen tollen Job machen, und sie lernen dabei etwas für ihr berufliches Leben.“


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