Werbekreis-Vorsitzender im Interview „Mehrheit würde Sperrung des Markts Haselünne ablehnen“


Haselünne. Die SPD in Haselünne möchte ab 2019 den Markt von Mitte Juni bis Mitte September für den motorisierten Verkehr sperren (wir berichteten). Wie sehen das Geschäftsleute und Gastronomen? „Die Mehrheit würde das strikt ablehnen“, sagt Werner Heckmann, Vorsitzender des Werbekreises. Dass der Kunde in Haselünne „nah ans Geschäft fahren kann, ist ein Vorteil für Haselünne“, betont er im Interview.

Herr Heckmann, die Sanierung und teilweise Neugestaltung des Markts in Haselünne geht in die Endphase. Sind Sie zufrieden?

Wir (der Werbekreis Haselünne) waren von Anfang an in die Planungen eingebunden und glauben, dass es schön wird. Allerdings dauert es ja noch, bis alle Pflanzen, Bänke und Beleuchtung da sind. Aber es sind viele gute Ideen eingeflossen.

Ein Ziel der Maßnahme ist es, die Verweilqualität für Einwohner und Gäste zu steigern. Wenn Sie eine Schulnote von 1 bis 6 für die Ausführung mit Blick auf dieses Ziel vergeben sollten: Welche wäre es – und warum ?

Man muss ja vielen Anforderungen gerecht werden. Der eine will schnell in die Apotheke, um sein Medikament zu holen, der andere seinen freien Tag genießen. Deshalb ist Ihre Frage so nicht richtig gestellt. Die Sanierung des Marktes hängt sehr mit den vielen Veränderungen in der Stadt zusammen, die unter anderem durch die Industriebrache der Firma Berentzen ausgelöste wurden. Haselünne hatte an der Nordseite des Marktes nie Geschäfte, und nun sind wir glücklich, und wir bekommen einen schönen Marktplatz.

Die SPD unternimmt seit etwa fünf Jahren regelmäßig Vorstöße, um den Markt in den Sommermonaten für den motorisierten Verkehr zu sperren. Was sagt der Werbekreis Haselünne generell dazu?

Ich glaube, das Thema gibt es seit 30 Jahren! Aber wir können uns nicht mit Lingen oder Meppen vergleichen, denn dafür ist Haselünne zu klein. Vergleichen müssen wir uns mit Löningen und Fürstenau. Die Haselünner Händler und Gastronomen haben genau davor Angst, dass es so wie in genannten Städten kommt.

Im Detail: Die SPD ist für eine Sperrung von Mitte Juni bis Mitte September. Würden Geschäftsleute und Gastronomie in der Breite mitziehen?

Nein, ganz sicher wird die Mehrheit das strikt ablehnen.

Ein Argument der Befürworter einer dreimonatigen Sperrung ist, der Markt werde für den motorisierten Verkehr weder als Durchgangsstraße noch als Parkplatz benötigt. Andererseits ist es vielfach Kundenmentalität, am liebsten bis ins Geschäft fahren zu wollen ...

Ja, der Kunde reagiert nicht immer so, wie man sich das theoretisch vorstellt. Er will bis ans Geschäft fahren und auch schnell zur Apotheke gelangen. Lassen wir das nicht zu, ist der Kunde weg. Dass der Kunde in Haselünne nah ans Geschäft fahren kann, ist ein Vorteil für Haselünne!

Stichwort Kunden. Wie wirkt sich Ihrer Einschätzung nach das Internet auf die Geschäfte in Haselünne aus?

Es gibt zum Beispiel Amazon jetzt erst zehn Jahre, und wenn dieses Unternehmen noch mal zehn Jahre so weiterwächst, wird es nur noch die Hälfte der Geschäfte geben. Den Kampf gegen den Online-Handel müsste die Stadtpolitik begleiten, denn Haselünne und deren Einwohner haben nichts von den Amazon-Umsätzen. Keine Steuern, keine Arbeitsplätze, keine Ausbildungsstellen.

Mit der dreimonatigen Sperrung möchte die SPD ein umfangreiches Veranstaltungspaket schnüren. Es soll Kulinarisches wie Street-Food on Markt ebenso beinhalten wie möglicherweise eine Jazznacht und Sportlichem wie ein Beachvolleyball-Turnier in der Innenstadt. Eine gute Mischung, oder wäre das zu viel?

Ich würde mich sehr freuen, wenn die SPD diese Veranstaltung organisiert und finanziert.


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